Kokain im Kommen Die Schickeria und das Koks

Rainer Werner Fassbinder war einer der bekanntesten der Münchner Koks-Schickeria. In jüngster Zeit werden wieder mehr Drogen-Partys gefeiert. Gerade beschäftigen zwei prominente Fälle die Staatsanwaltschaft - und die Polizei achtet darauf, was in den Clubs passiert.

Von Susi Wimmer und Florian Fuchs

Rainer Werner Fassbinder hatte sein Koks griffbereit: In einem Verteilerkasten seines Lieblingslokals Deutsche Eiche im Gärtnerplatzviertel war immer eine riesige Ration deponiert. Damals, in den siebziger Jahren, holte sich die Prominenz in der "Eiche" gerne eine weiße Nase, das Lokal galt als einer der bekanntesten Umschlagplätze für Drogen in München. "Heute völlig undenkbar", sagt Armin Aumüller, Chef der Drogenfahnder. Zwar sei Koks in München wieder stark im Kommen, feste "Locations", in denen sich die Szene etabliert, will die Polizei aber nicht tolerieren. "Wir halten sie lieber in Bewegung", meint Aumüller.

In Münchner Clubs erwischt die Polizei immer wieder Gäste mit Kokain.

(Foto: DDP)

Gewisse Feten, ganz bestimmte Leute - so funktioniert die Koksszene in München. "Eher personengebunden, nicht abhängig vom Ort", so umschreibt es Aumüller. Jüngstes Beispiel: Ein intenational bekanntes Männermodel. Der 35-Jährige etablierte in der Hanoi Bar in der Nähe des Gärtnerplatzes einen wöchentlichen "Stammtisch". In Windeseile hatte sich herumgesprochen, dass der Stammtischchef dort keine Reden schwang, sondern dass es gerne mal Koks gab.

Zehn Partys hatte das Model geplant, bei einer der letzten stand die Polizei vor der Tür. Dabei hatte es im Vorfeld Gespräche zwischen ihm und den Drogenfahndern gegeben. Und dem Chef der Hanoi Bar, Michael Dietzel, hatten die Ermittler mit auf den Weg gegeben, zur Prävention eine Toilettenfrau anzustellen. "Dabei gibt es bei mir eh eine." Dietzel versteht die Aufregung nicht ganz: Bei einem von 169 Gästen ist etwas Marihuana gefunden worden, auf der Toilette stellte die Polizei zwei Plomben mit Kokain-Anhaftungen sicher. "So etwas kann man nie ganz verhindern", sagt Dietzel. Er sei aber blauäugig gewesen, mit dem Männermodel zusammenzuarbeiten. Das Model musste nun wenig vorteilhafte Fotos bei der Polizei von sich schießen lassen. Die Anzeige gegen ihn läuft.

Die Münchner Schickeria und das Koks: Es gab Zeiten, da waren sie so eng verbandelt, dass die Spider Murphy Gang in einem Lied dichtete "Ja gestern hamma ghascht, doch heidztog schnupf ma Kokain und morgn sitz ma in Stadelheim, aber Hauptsach mir san in". Doch laut Aumüller ist die Droge längst kein Aufputschmittel mehr nur für die Reichen und Schönen. "Kokain ist auf der Straße angekommen", sagt der Chef der Drogenfahnder. Koks ist zur Allerweltsdroge mutiert, zwischen 80 und 110 Euro kostet ein Gramm.

Und doch wird der ein oder andere Promi-Wirt mit dem weißen Pulver in Verbindung gebracht: Hugo Bachmaier beispielsweise. Im letzten Jahr war in seinem "Hofbräu" an der Leopoldstraße eine Party angesetzt, ausgerechnet unter dem Motto "Dresscode weiß". Wer kam, waren die Männer in Grün, sie stellten das Lokal auf den Kopf und auch Bachmaiers Haus in Germering. Dort fanden sie eine geringe Menge Koks. Erst vor ein paar Tagen legte die Staatsanwaltschaft bei Gericht einen Strafbefehl über 18.000 Euro gegen den Promiwirt vor, doch die Justiz setzte gleich einen Gerichtstermin für Mitte April fest. Bachmaier soll von einem 54-jährigen Kokain-Dealer aus Schwabing belastet werden. Es ist davon auszugehen, dass die Polizei auch Drogentests bei Bachmaier selbst veranlasst hat. Ergebnisse sind noch nicht bekannt.

Im Sommer 2010 wummerten die Bässe unter der Autobahnbrücke der A 92 am Würmkanal nahe der Ruderregatta. Unter dem Motto "Regattabeatz" wurde dort öfters mit Drogen gefeiert - bis die Polizei kam. Italienische Restaurants gerieten im März 2010 ins Visier der Fahnder, dort gab es Kokain à la carte. Auch der ehemalige Geschäftsführer des "Odeon" in der Amalienstraße soll 2006 monatelang in seinem Lokal mit Kokain gedealt haben.

Mal ist es die Spielothek "Las Vegas", dann die Grünanlage am Maximiliansplatz oder der Techno-Club "Grinsekatze" auf dem Optimol-Gelände. Im Juni 2011 stürmte die Polizei den Club zur Großrazzia, nachdem sich Monate zuvor die Anzeigen wegen Drogen dort gehäuft hatten. Sie waren hinter der Theke und dem DJ-Pult deponiert, etliche Gäste hatte flugs ihre Päckchen auf den Boden geworfen, auf der Toilette war eine Bahn "Speed" gelegt. "Als Techno-Club sind wir für so etwas natürlich anfällig", sagt Geschäftsführer Nedim Basoglu. Nach der Razzia hat er einen Sicherheitsmann für die Toiletten angestellt, wer zu zweit auf dem Klo erwischt wird, bekommt Hausverbot. Trotzdem gibt es immer wieder Anzeigen.

In München gibt es inzwischen etliche Gastwirte, die mit der Polizei kooperieren und sich an die Empfehlungen halten, wie man den Drogenkonsum im Lokal verhindert. Manchmal ändert sich auch einfach das Publikum. "Die ,Deutsche Eiche' ist heute eher gediegen", sagt Wirt Dietmar Holzapfel, "Drogen spielen da keine Rolle". Aber natürlich weiß er um die Geschichte des Hauses - und den Kampf der früheren Wirtinnen gegen das weiße Pulver: Als in den wilden Siebzigern einmal eine Razzia drohte, sollen sie Fassbinders Koks kurzerhand im Klo hinuntergespült haben. Der Filmemacher bekam einen Tobsuchtsanfall.