Klinik Weilheim Röntgenbilder am Straßenrand

In der Klinik Weilheim wurden Röntgenbilder nicht fachgerecht entsorgt.

(Foto: oh)
  • Vier Säcke mit Röntgenbildern von Patienten der Klinik Weilheim sind am Straßenrand von Neuperlach entdeckt worden.
  • Die gefundenen Röntgenbilder enthielten Namen und Geburtsdaten. Die Polizei stellte den Fund sicher.
  • Bei der Polizei hat sich ein Mann gemeldet, der möglicherweise bei Entsorgungsfahrten Teile der wertvollen Fracht abgezweigt hat.
Von Martin Bernstein

Wieder einmal wollte das Weilheimer Krankenhaus alte Patientenunterlagen entsorgen, wie zweimal im Jahr. Doch von den 90 Säcken mit Röntgenbildern, die eine Entsorgungsfirma am Freitag in Weilheim abgeholt hatte, landeten mindestens vier am Straßenrand in Neuperlach: Tausende Röntgenaufnahmen mit Namen und Geburtsdaten der Patienten fand ein Münchner am Marieluise-Fleißer-Bogen. Polizisten stellten den brisanten Fund sicher. Für den Bayerischen Datenschutzbeauftragten Thomas Petri ist der Fall ein klarer Datenschutzverstoß: "So geht's nicht!"

Petri kündigte an, sich den Fall genau anzuschauen. Grundsätzlich sei die Klinik in der Pflicht. Wenn sie die Entsorgung von Röntgenbildern außer Haus vergebe, müsse sie sich die Standards der Entsorgungsfirma genau anschauen. Mit Sicherheitscontainern oder Datensicherheitsbehältern, die verschiedene Entsorgungsfirmen anbieten, muss sichergestellt werden, dass eine unberechtigte Kenntnisnahme durch Dritte nicht möglich ist. Einen Transport in offenen oder leicht zu öffnenden Säcken halten Datenschützer für unzulässig. In speziellen Recyclinganlagen werden Röntgenaufnahmen dann gewaschen und geschreddert - und wertvolle Materialien wie Feinsilber, Silberverbindungen oder Kunststoff einer Wiederverwertung zugeführt.

Ein Mann hat die Aufnahmen vermultlich an der Straße deponiert

Inzwischen hat sich bei der Münchner Polizei ein Mann gemeldet, der die Aufnahmen an der Straße deponiert hat. Möglicherweise hat er bei Entsorgungsfahrten Teile der wertvollen Fracht abgezweigt. Am Freitag wird er als Beschuldigter unter Betrugsverdacht vernommen. Die sichergestellten Aufnahmen sind derzeit im Asservatenraum der Polizeiinspektion Perlach gelagert.

Das Krankenhaus Weilheim, das zur Krankenhaus-GmbH des Landkreises Weilheim-Schongau gehört, hat mit einer Strafanzeige reagiert. Der beauftragte Entsorgungsbetrieb habe noch nie Anlass zu Beanstandungen gegeben, sagte Sprecherin Aguedita Afemann. Es handle sich um Unterlagen, für die die zehnjährige Aufbewahrungsfrist abgelaufen sei. Seit 2004 würden Röntgenaufnahmen ohnehin digital abgespeichert. Anfragen besorgter Klinikpatienten habe es bis Donnerstagvormittag noch nicht geben.

90 "Filmsäcke" wurden abgeholt

Am Freitag holte die Entsorgungsfirma nach Angaben der Klinik 90 sogenannte "Filmsäcke" in Weilheim ab. Ein "Filmsack" wiegt zwischen zehn und 15 Kilogramm. Die Säcke werden in der Klinik lediglich zugebunden, räumte Sprecherin Afemann ein. Dann müsse die Entsorgungsfirma garantieren, dass niemand unberechtigt die Unterlagen in die Hand nehme: "Darauf müssen wir uns verlassen", sagte die Klinik-Sprecherin. Die Verantwortlichen der Klinik Weilheim gaben zu, dass das zu entsorgende Material offenbar nicht bei der dafür beauftragten Stelle angekommen ist. "Wir stehen weiterhin im engen Kontakt mit der Polizei, um den Vorfall aufzuklären", erklärte der stellvertretende Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH Florian Diebel. Klinikintern seien zwischenzeitlich die eingebundenen Mitarbeiter befragt worden, die in regelmäßigen Abständen solche Entsorgungsaufträge koordinieren.

Das Bayerische Krankenhausgesetz schreibt einen besonders sorgfältigen Umgang mit sensiblen Patientendaten vor: "Es sind besondere Schutzmaßnahmen technischer und organisatorischer Art zu treffen, dass Patientendaten nicht unberechtigt verwendet oder übermittelt werden können."