Klares Votum bei Bürgerentscheiden Münchner Olympia-Projekt gescheitert

Die Olympischen Winterspiele 2022 werden nicht nach Bayern kommen. Die Bürger haben die Bewerbung für die Großveranstaltung klar abgelehnt. Ministerpräsident Seehofer will nun die Möglichkeiten für landesweite Volksentscheide erweitern.

Von Peter Fahrenholz

Der zweite Anlauf Münchens, sich gemeinsam mit drei oberbayerischen Partnergemeinden für Olympische Winterspiele zu bewerben, ist am Widerstand der Bevölkerung gescheitert. In insgesamt vier Bürgerentscheiden in München, Garmisch-Partenkirchen und den beiden Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land lehnte die Mehrheit der Wähler eine Olympia-Bewerbung für die Spiele 2022 ab. Damit ist das Projekt bereits in der Startphase gestorben, denn die Verantwortlichen hatten die Bewerbung an die Zustimmung der Bürger geknüpft.

In München lagen die Gegner mit 52,1 Prozent gegenüber 47,9 Prozent vorne. In Garmisch-Partenkirchen, wo der Widerstand schon bei der ersten Bewerbung für 2018 besonders groß gewesen war, stimmten 51,6 Prozent der Wähler gegen Olympia, 48,4 Prozent dafür. In Traunstein votierten sogar 59,7 Prozent dagegen, in Berchtesgaden lag die Ablehnungsquote bei 54 Prozent.

Nein zu Olympia So hat München abgestimmt

52,1 Prozent dagegen, 47,9 Prozent dafür: Auch die Münchner haben die Olympiabewerbung abgelehnt. Wie hoch die Ablehnung in den 25 Stadtbezirken war, sehen Sie hier.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, der sich vehement für die Olympia-Pläne eingesetzt hatte, räumte die "klare Niederlage" ein. Damit sei in seinen Augen eine Münchner Bewerbung nicht nur für 2022 gescheitert, sondern dauerhaft. Der Grund sei nicht das Münchner Konzept für die Spiele, sondern die "zunehmend kritische Einstellung von Bevölkerungsteilen gegen Sport-Großereignisse".

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bedauerte das Ergebnis, zeigte zugleich aber auch Verständnis. Offenbar seien die Bürger der Ansicht gewesen, "dass der Spitzensport vor allem durch Kommerz bestimmt werde". Außerdem habe für viele der "Schutz der Heimat" eine große Rolle gespielt. Seehofer will nun die Möglichkeiten für Volksentscheide auf Landesebene deutlich erweitern und damit die Mitsprache der Bevölkerung erhöhen.

"Sehr bitter für den deutschen Sport"

Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich bedauerte den Ausgang. Man könne ein solches Großereignis "nicht gegen die Mehrheit der betroffenen Bevölkerung organisieren". Das Nein zu Olympia 2022 bedeute jedoch nicht das generelle Aus für Olympische Spiele in Deutschland. DOSB-Sportdirektor Michael Vesper nannte das Ergebnis eine "vertane Chance". Das Votum sei "sehr bitter für den deutschen Sport".

Dagegen reagierten die Olympia-Gegner euphorisch auf das Ergebnis. Die Bürger hätten dem "Großmannsdenken" des IOC und der Spitzensport-Lobby "eine klare Absage erteilt", sagte der Grünen-Fraktionschef im Landtag, Ludwig Hartmann, eine der treibenden Kräfte der Olympia-Gegner. Das Votum der Bürger sei auch "ein Signal für demokratischere Strukturen im Sport". Die Menschen im Ballungsraum München und die Natur in den Alpen hätten damit "einen wichtigen Sieg errungen". Der Ausgang der Bürgerentscheide dürfte für lange Zeit das Aus für Olympische Winterspiele in Deutschland sein. Denn München war bereits mit seiner Bewerbung für die Spiele 2018 klar am südkoreanischen Pyeongchang gescheitert.

Entscheide zu Winterspielen 2022 Bürger lassen Münchner Olympiabewerbung durchfallen

Das Münchner Olympia-Projekt ist an den Bürgern gescheitert. In allen vier Abstimmungsgebieten liegen die Gegner vorne. Vor allem im Landkreis Traunstein fällt das Ergebnis überraschend deutlich aus. Ein populärer Gegner wertet das Votum als Zeichen, dass in ganz Deutschland Olympia-Bewerbungen künftig vom Tisch sind.

Die Wahlbeteiligung war in Oberbayern für Bürgerentscheide sehr hoch. Sie lag in Garmisch bei 55 Prozent, in Traunstein bei 40 Prozent. In München beteiligten sich knapp 29 Prozent der Wahlberechtigten an der Abstimmung. Die Gegner haben offenbar weit besser mobilisiert. Sie hatten stets die hohen Kosten, eine unvertretbare Zerstörung der Natur sowie die Knebelverträge des IOC angeprangert. Die Befürworter hatten mit der großen Chance argumentiert, mit Olympischen Spielen die Entwicklung der gesamten Region voranzubringen.