70.000 Kirchentagsbesucher sollen in Schulen untergebracht werden. Viele heruntergekommene Sanitäranlagen müssen dafür saniert werden - für 21 Millionen Euro.
Vier Jahre nach dem Papstbesuch wird München wieder Schauplatz eines klerikalen Großereignisses: Zum Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) vom 12. bis 16. Mai 2010 erwarten die Organisatoren mehr als 100.000 Teilnehmer. Die Schüler in Bayern bekommen sogar einen Tag schulfrei nach Christi Himmelfahrt, um an den vier Open-Air-Gottesdiensten oder dem Altstadtring-Fest teilzunehmen.
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Schulen sollen für rund 70.000 Besucher des Kirchentages als Unterkunft dienen. Problem sind die sanitären Anlagen: sie sind allzu oft in einem schlechten Zustand. (© Foto: dpa)
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Für rund 85.000 Besucher des Kirchentages müssen in München und im Umland Unterkünfte gefunden werden. Was offenbar gar nicht so einfach ist - auch aus hygienischen Gründen.
In bedauernswertem Zustand
Das Gläubigentreffen ist mit dem Leitwort "Damit Ihr Hoffnung habt" überschrieben. Das Prinzip Hoffnung gilt auch bei der Herbergssuche: Die Stadt München will zwar ihre Schulen und Turnhallen für anreisende Jugendgruppen zur Verfügung stellen, dort sind aber viele Wasch- und Toilettenräume in einem so bedauernswerten Zustand, dass sie vorher mit Millionenaufwand saniert werden müssen. Und in den Umlandgemeinden haben Schulrektoren Probleme mit der Unterbringung der jungen Christen, da just zum Kirchentagstermin in Bayern das Abitur geschrieben und jeder Platz für die Prüfungen benötigt wird.
Annika Böhm, die Sprecherin des ÖKT-Organisationsteams, ist dennoch sehr zuversichtlich, genügend Schlafplätze für die Gläubigen aufzutun. Etwa 70.000 Jugendliche sollen in Klassenzimmern nächtigen. 60 Gemeinden rund um München sind deshalb angefragt worden, ob sie ihre Schulen zur Verfügung stellen könnten.
Laut Böhm habe es keine einzige Absage gegeben - aber offenbar auch nicht immer Zusagen: So in Gräfelfing und Gilching, wo die Direktoren der jeweiligen Gymnasien angesichts der Abiturprüfungen im Mai 2010 keine freien Kapazitäten sehen. Auch am Gymnasium Oberhaching fragt man sich, wie der Ansturm zur denkbar ungünstigsten Zeit bewältigt werden soll.
Liste der unzumutbaren Toilettenräume ist lang
Die Stadt München hat ihre Schulleiter im Einzelnen gar nicht erst gefragt, ob der Termin recht ist. In der Euphorie, beim Kirchentag wieder fünf Tage alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, entschied der Stadtrat Ende Mai: "Den Organisatoren des ÖKT werden in den öffentlichen Schulen alle belegbaren Klassenzimmer und Sporthallen für Übernachtungen angeboten." Damit hat man sich einige Diskussionen erspart: Mit Blick auf die ohnehin sehr beengten Verhältnisse gerade an den Gymnasien hätte sicher manch ein Direktor etwas gegen die Zusage einzuwenden gewusst.
Was nun aber nicht so einfach übergangen werden kann, ist der in vielen Schulen mit angrenzender Sporthalle traurige Zustand der Toilettenräume. Eine Untersuchung der Bauabteilung des Schulreferats ergab: "43 Objekte sind in die Kategorie schwere Mängel und hygienische Mängel einzuordnen."
Das kostet je 100.000 Euro bis zu einer Million Euro. In 72 Gebäuden sind kosmetische Korrekturen für "kleinere, zum Teil optische Mängel" vorgesehen. 33 weitere Sanitäranlagen weisen so große Mängel auf, dass sie nur "im Rahmen eines weitergehenden Großprojektes" behoben werden können. Vor dem Kirchentag wird hier also nichts geschehen. Neben der Hygiene gibt es weitere Aspekte zu berücksichtigen: In manchen Schulen sind bis zum Frühjahr etwa "Umbaumaßnahmen zur Herbeiführung der Geschlechtertrennung in Waschbereichen" nötig.
Damit die Kirchentagsgäste also nicht gleich wieder rückwärts rausgehen aus den WCs, gibt die Stadt nun 21 Millionen Euro für vorgezogene Sanierungen in 126 Gebäuden aus. In 40 Schulen wird bereits gearbeitet. Darüber könnten sich die Rektoren eigentlich freuen. Stattdessen aber haben sie über die Bezirksausschüsse bei der Stadt anfragen lassen, ob nicht gleich alle Toiletten in ihren Gebäuden instand gesetzt werden könnten und nicht nur die Bereiche, die die Kirchentagsbesucher nutzen.
"Mit Hochdruckreiniger durchspülen"
Zum Beispiel in der Hermann-Frieb-Realschule. Laut Bezirksausschuss ekeln sich die Schüler vor diesen Toiletten so sehr, dass sie mit ihren Bedürfnissen warten, bis sie zu Hause sind. Oder an der Grundschule am Strehleranger, wo auch das Schulreferat Handlungsbedarf sieht. Nur leider: Weil die Sanierung eine Million Euro kostet, handelt es sich um ein Großprojekt. Und das könne - zusammen mit der Heizung - erst in drei Jahren angegangen werden. Zwischenzeitlich solle "mit dem Hochdruckreiniger" durchgespült werden, rät Stadtschulrätin Elisabeth Weiß-Söllner.
Ein Konzept zur Komplettsanierung aller maroden Schultoiletten hat mittlerweile die Stadtrats-CSU eingefordert, weil die Situation "zum Himmel stinkt". Kurz darauf brachte auch die SPD einen entsprechenden Antrag ein. Ob aus dem Vorhaben etwas wird, bleibt trotzdem abzuwarten angesichts der stattlichen Zahl von 6000 Schultoiletten in München.
Allerdings steht nach dem Kirchentag eventuell ein noch größeres Ereignis ins Haus, das ein gepflegtes Erscheinungsbild der Stadt erfordert: Die Toilettenfrage ist nämlich auch eine Frage der "Reputation der Stadt als Bewerberin um die Olympischen Winterspiele 2018", wie der Stadtrat in seinem Beschlusspapier zum Kirchentag festgestellt hat.
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(SZ vom 20.08.2009/ag/pfau)
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Schon seltsam, dass selbst Wortspiele, die in diesem Zusammenhang "auf der Hand" liegen, zensiert werden. Vermutlich liegt das daran, dass Kritik an der Einstellung des Staats Kindern gegenüber nicht gewünscht ist.
Ich versuche es nochmal, diesmal ohne das Wort, das man dem Wort "egal" gerne voranstellt, insbesondere, wenn es um so etwas Anrüchiges geht wie in dem Artikel:
Dem Staat sind die Zustände der Schultoiletten offensichtlich e g a l , wenn sie nur von Schülern genutzt werden. Kirchentagsbesucher genießen offensichtlich einen höheren Stellenwert.
Bei den zu erwartenden Massen, deren Mitglieder wohl nicht alle so heilig sind wie sie tun, ist zu befürchten, dass nach dem Kirchentag die Toiletten in noch schlimmerem Zustand sind als zuvor, beschädigt und vollge...
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interessant, dass solche zustände erst aufgedeckt und bedacht werden, wenn die christen in die stadt einfallen.
so lang nur die schüler die zustände aushalten müssen, ists ja wurscht.
Toll, dass dieses Thema endlich mal thematisiert wird. Auch an meinem Gymnasium waren die sanitären Einrichtungen seit dem Bau Anfang der 70er Jahre nicht mehr saniert worden, entsprechend unzumutbar waren/sind sie auch. Jedes Restaurant mit solchen Toiletten würde sofort vom Gesundheits- oder Gewerbeaufsichtsamt dichtgemacht werden.
Genauso wie der Schulträger sich nicht in der Lage sah, nach 30 Jahren Vorhänge auszutauschen oder Klassenzimmer neu zu streichen...
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