Kirche Seligsprechung eingeleitet

Erzbistum startet Verfahren für Romano Guardini und Fritz Gerlich

Der Philosoph Romano Guardini und der Journalist Fritz Gerlich sollen seliggesprochen werden. Wie das Erzbistum München und Freising bestätigte, werden derzeit Informationen zum Leben der beiden Männer gesammelt, die im vergangenen Jahrhundert in München gewirkt haben. Kardinal Reinhard Marx hat demnach bereits einen sogenannten Postulator für beide Seligsprechungsverfahren eingesetzt; er stellt nun Zeugenlisten zusammen und prüft Vorschläge für das weitere Vorgehen. Noch in diesem Jahr könnten die Prozesse offiziell beginnen.

Voraussetzung für eine Seligsprechung ist in der katholischen Kirche, dass ein Verstorbener im Ruf der Heiligkeit steht und verehrt wird, sowie dass er entweder als Märtyrer gestorben oder auf seine Anrufung hin ein Wunder geschehen ist. Der zuständige Ortsbischof kann dann einen Postulator einsetzen, so wie jetzt in München geschehen. Auf Grundlage dieser Vorarbeit setzt der Bischof gegebenenfalls weitere Gremien ein, in denen Argumente für und wider eine Seligsprechung abgewogen werden. Die letzte Entscheidung trifft der Papst.

Bei Fritz Gerlich (1883 - 1934) gilt es zu klären, ob er als Märtyrer gelten kann. Der Publizist hatte von 1931 an mit seiner Wochenzeitung Der gerade Weg versucht, die Machtübernahme der Nazis zu verhindern. Kurz zuvor hatte er unter dem Eindruck der oberpfälzischen Mystikerin Therese Neumann zum katholischen Glauben gefunden. Nach Hitlers Regierungsantritt saß Gerlich bis zu seiner Ermordung im Sommer 1934 in "Schutzhaft"; diese ertrug er laut Mitgefangenen im Gebet und vertieft in religiöse Lektüre. Katholische Journalistenvereine wie der Bayerische Presseclub setzen sich seit Jahren für Gerlichs Seligsprechung ein. An der Hofstatterinnert eine Gedenktafel an den Publizisten.

Romano Guardini (1885 - 1968) gilt dagegen nicht nur als einer der einflussreichsten katholischen Denker des 20. Jahrhunderts, der in Berlin, Tübingen und München Religionsphilosophie lehrte. Er prägte auch die katholische Jugend- und Liturgiebewegung und war ein geistiger Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils. In München zählte er zu den Mitbegründern der Katholischen Akademie in Bayern. Religionspädagogen sehen in ihm einen "Patron der Erzieher". Vor vier Jahren formierte sich in seinem Geburtsland Italien eine Gruppe von Verehrern, inzwischen gibt es auch in Deutschland Unterstützer. Zu seinen Fürsprechern zählt auch der ehemalige Papst Benedikt XVI. Nach Guardini ist an der Ludwig-Maximilians-Universität ein eigener Lehrstuhl benannt, über dessen Zukunft allerdings derzeit zwischen Universität und Wissenschaftsministerium gestritten wird.