Kirche Münchens Erzbistum ist das reichste Deutschlands

Die Frauenkirche in München

(Foto: lukasbarth.com)
  • Das Erzbistum München hat sein Vermögen bewertet und ist auf fast sechs Milliarden Euro gekommen - ein Spitzenwert in Deutschland.
  • Einen großen Teil der Summe hat die Kirche Stiftungen zugewiesen, die dem direkten Zugriff des Erzbistums entzogen sind und von unabhängigen Experten kontrolliert werden.
Von Christian Krügel und Jakob Wetzel

Das Erzbistum München und Freising hat am Montag erstmals sein Vermögen offengelegt und dabei eine Bilanzsumme von etwa 3,3 Milliarden Euro präsentiert. Hinzu kommen allerdings noch Vermögen von drei Stiftungen, die für die verschiedenen Aufgabengebiete des Erzbistums gegründet wurden. 1,3 Milliarden Euro übertrug das Erzbistum auf diese Stiftungen, zusätzlich zu deren bereits vorhandenen Vermögen.

So hat die Korbinian-Stiftung, die sich um die Seelsorge-Arbeit kümmern soll, nun ein Vermögen von 620 Millionen Euro. Die kirchliche Wohlfahrtspflege ist Aufgabe der Antonius-Stiftung, die 679,7 Millionen Euro hat. Die Bischof-Arbo-Stiftung, die sich der Bildungsarbeit widmet, ist mit 632,8 Millionen Euro ausgestattet. Hinzu kommen 236,6 Millionen Euro in der Emeritenanstalt, die für die Zahlung von Priesterpensionen zuständig ist. Der Erzbischöfliche Stuhl von Kardinal Reinhard Marx verfügt über 56,3 Millionen Euro. (Den vollständigen Finanzbericht des Erzbistums finden Sie hier.)

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Hinzu kommen rund weitere 500 Millionen Euro an stillen Reserven. Nimmt man alles zusammen, dürfte das Erzbistum das reichste Bistum in Deutschland sein: Nach bisher vorliegenden Daten waren das Paderborn (etwa 4 Milliarden Euro Vermögen) und Köln (3,4 Milliarden Euro).

Nach dem Finanzskandal um den damaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hatten sich etliche der 27 katholischen Diözesen in Deutschland entschieden, mit ihren Finanzen transparenter umzugehen. In München wurde das besonders akribisch gemacht und erstmals eine Bilanz vorgelegt, die allen Standards und Anforderungen moderner Unternehmensbuchhaltung folgen soll.

"Die Kirche ist kein Konzern", hat Generalvikar Peter Beer noch vor der Veröffentlichung gesagt, nun aber klargemacht: "Öffentliche Kritik ist auch eine Chance, Kirchenfinanzen transparenter darzustellen." Das Münchner Erzbistum habe diese Chance nun ergriffen. Finanzen seien im Licht des Evangeliums ein "Stachel im Fleisch der Kirche. Beherrschen wir den Mammon oder beherrscht er uns?" Zugleich biete das Vermögen aber auch Möglichkeiten: "Arm ist ein relativer Begriff. Wir sind eine leistungskräftige Kirche, die ihre Aufgaben erfüllen kann."

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Alle kirchlichen Gebäude, Grundstücke, Kunstgegenstände, Verträge, Anlagen und Kapitalrücklagen wurden dafür bewertet. Große Teile des Vermögens werden künftig im Wesentlichen von den drei Stiftungen verwaltet, die den Hauptaufgaben der Kirche zugeordnet sind: Seelsorge, Wohlfahrtspflege sowie Glaubensweitergabe und Bildung. Die Stiftungen sind dem direkten Zugriff des Erzbistums entzogen. Ihr Vermögen soll dadurch langfristig gesichert bleiben; ihre Erträge dürfen nur zweckgebunden verwendet werden.

Dennoch bilden die Summen noch lange nicht das gesamte kirchliche Vermögen in der Region München ab: Erfasst sind nur die Vermögenswerte, die unmittelbar beim Erzbistum liegen, nicht aber die von Kirchenstiftungen in den einzelnen Pfarrgemeinden und erst recht nicht die von Ordensgemeinschaften wie Benediktinern oder Jesuiten.

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