"Amelie rennt"

"Warum muss gerade ich dieses Scheiß-Asthma haben? Mir fallen auf Anhieb zwanzig Leute ein, zu denen das besser passen würde!" Davon, ihre Krankheit zu akzeptieren, ist die 13-jährige Amelie (Mia Kasalo) weit entfernt. Ganz anders als etwa die im Rollstuhl sitzende Clara, die in der idyllischen Bergkulisse von Johanna Spyris "Heidi" lammfromm ihr Schicksal erträgt, rebelliert die Titelheldin in "Amelie rennt" nach Kräften. Gegen ihre Krankheit und gegen ihre Eltern, die sie in den Sommerferien in eine Spezialklinik in Südtirol verfrachten.

Es dauert nicht lange, und die aufmüpfige Amelie nimmt Reißaus. Sie flüchtet aber nicht zurück nach Berlin, sondern in die Alpen, wo sie prompt auf den 15-jährigen Bart (Samuel Girardi) trifft. Zwar interessiert sich die geduldige Frohnatur vorwiegend für Melkmaschinen und Kühe, während die bockige Amelie nur ungern ihr Smartphone aus der Hand legt, trotzdem beschließen sie, gemeinsam einen Berggipfel zu erklimmen, wo der Legende nach jede Krankheit geheilt werden kann - Asthma inklusive.

Auch wenn die Rollen klar verteilt und die Konflikte zwischen dem Bauernjungen und der Großstadtgöre programmiert sind, gerät der Schlagabtausch in den Bergen so kurzweilig wie amüsant, dass der deutsch-italienische Film in der Regie von Tobias Wiemann jüngst von der Kinderjury des Erfurter Festivals "Goldener Spatz" zum besten deutschsprachigen Spielfilm für Kinder gekürt wurde.

Amelie rennt, Regie: Tobias Wiemann, Di., 27. Juni, 15 Uhr, Do., 29. Juni, 9 Uhr, Gasteig, Carl-Orff-Saal Von Barbara Hordych

Bild: dpa 23. Juni 2017, 16:092017-06-23 16:09:30 © SZ vom 22.Juni 2017/baso