Erstmals startet in München eine Vorlesungsreihe speziell für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren - die KinderUni. Der Professor für Anatomie, Dr. Reinhard Putz, 62, macht am Samstag den Anfang mit dem Thema "Wie der Mensch sich zusammensetzt: Ein Blick in deinen Körper".
sueddeutsche.de: Wie begrüßen Sie die Kinder zur Vorlesung?
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Putz: Das habe ich mir schon genau überlegt. "Willkommen, jüngste Kommilitonen und Kommilitoninnen der Universität München!" Das ist schließlich die offizielle Anrede aller, die an einer Uni zusammenarbeiten. So wie die Kinder jetzt auch.
sueddeutsche.de: Schon nervös?
Putz: Ich war überrascht, als man mich fragte, ob ich die erste Vorlesung halten möchte. Aber ich habe sofort ja gesagt. Jetzt bin ich ein wenig aufgeregt und vor allem gespannt. Es ist eine echte Herausforderung, weil Kinder einen zwingen, Dinge auf den Punkt zu bringen.
sueddeutsche.de: Also keine Vorlesung wie jede andere?
Putz: Ich muss von meinem hohen Podest heruntersteigen und mich noch stärker fragen: Kommen die Zuhörer mit dem Stoff mit? Vor der KinderUni habe ich mir - wie jeder Professor vor seiner Vorlesung - drei Fragen gestellt: Wer sind meine Zuhörer? Welche Erwartungen hat mein Publikum? Was ist mein Lehrziel?
sueddeutsche.de: Und was wollen Sie den kleinen Studenten beibringen?
Putz: Die Kinder sollen am Ende ein paar Strukturen am eigenen Körper kennen. Ich will, dass sie die bloßen Begriffe mit Vorstellungen verknüpfen. Wie fühlt sich ein Oberschenkelknochen an? Wie kann ich mein Herz schlagen hören? Wohin wandert das Marmeladenbrot nach dem Frühstück?
Ich werde den Kindern auch Fragen stellen. Bilder, Modelle und echte Präparate dürfen natürlich nicht fehlen. Wie in einer richtigen Anatomievorlesung eben. Deswegen ziehe ich auch meinen weißen Kittel an.
sueddeutsche.de: Was machen Sie, wenn die Kinder unruhig werden und zu schwätzen beginnen?
Putz: Darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Das Thema wird für die Kinder spannend sein. Vielleicht fällt mir ja sogar ein Witz ein. Kinder sind immer hellwach. Sie stellen die interessantesten Fragen. Das sehe ich auch in meiner Familie. Meine Nichten und Neffen löchern mich ständig mit Sachen wie "Warum blüht eine Blume, Onkel Reinhard?" Sie haben einfach den Drang, die Welt verstehen zu wollen.
sueddeutsche.de: Sind noch weitere kindgerechte Angebote an der Uni denkbar?
Putz: Nein. Die Uni muss sich auf Forschung und Ausbildung der Studenten konzentrieren, da sie sowieso schon überfordert ist wegen der Sparmaßnahmen. Sie kann sich nur punktuell - so wie für die Vorlesungsreihe - öffnen. Das ist sehr zu begrüßen. Denn eine Universität wirkt oft von der Außenwelt abgeschlossen - wie ein Elfenbeinturm. Das soll sich ändern..
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