Keime in Kirchen Pfui Teufel, so ein Weihwasser!

Das Münchner Institut für Hygiene hat in der Altöttinger Gnadenkapelle 100 Millionen ekliger Keime gefunden - und in anderen Gotteshäusern sieht es nicht viel besser aus.

Von Martin Zips

In der Gnadenkapelle zu Altötting war der Befund am ekligsten. 100 Millionen Keime in nur einem Milliliter Weihwasser! So das Ergebnis einer Untersuchung beim Institut für Hygiene der LMU München.

Außerdem schwammen im Altöttinger Weihwasser Fäden, Sporen, Kügelchen und koagulase positive Staphylokokken (Verursacher von Abszessen, Furunkeln und kurzen Durchfällen). Wie unappetitlich. "Was sich die Pilger dort ins Gesicht schmieren, kann man mit Abwasser vergleichen", sagt Lebensmittelchemiker Udo Pollmer.

"Hier werden hygienische Mindestanforderungen nicht beachtet." Er fordert für die Zukunft des Reinigungsrituals: Tägliche Weihwasserwechsel oder Beimengung von Salz (tötet Keime) oder regelmäßige Kontrollen durch staatliche Stellen.

Zehn bayerische Weihwasser-Proben hat der BR-Journalist Ulrich Hagmann für die Sendung "Faszination Wissen" (heute, 19.30Uhr, BFS) an der LMU und teilweise am Wasserwirtschaftsamt untersuchen lassen. Weil es ja sonst keiner macht. Testsieger war die Herrschinger St. Nikolaus-Kirche: Trinkwasserqualität.

Rätselhaft hingegen der Fund im fast ausgetrockneten Becken der Pfarrkirche St.Theresia in der Münchner Dom-Pedro-Straße. Hier schwammen weiße Flocken, die beim Wasserwirtschaftsamt als "typische Belebtschlammflocken" aus der Abwasserklärung identifiziert wurden. Zudem entdeckte man Hautfetzen, Wollfäden, Rädertierchen, Pilzhyphen, Streptokokken, Flagellaten und Actinomyceten. "Alles andere als hygienisch", urteilte das Landesamt.

Escherichia-Coli-Bakterien, immerhin, wurden selbst in Altötting nur in geringer Stückzahl beobachtet. Generell wenig Keime durchmischten das Wasser im Freisinger Dom und in der Martinskirche in Neumarkt. In der Andechser Klosterkirche hingegen waren die mikrobiologischen Ergebnisse ähnlich degoutant wie in St.Laurentius (Unterbrunn), der Münchner Frauenkirche oder der St. Martin Stiftsbasilika in Landshut.

"Das ist ein Fall für die Lebensmittelüberwachung", sagt Fachmann Udo Pollmer und erinnert an die Menschen, die sich ihre Lippen mit Weihwasser benetzen. "Bei 100 Millionen Keimen wäre eine Pizzeria längst geschlossen." In Altötting wäre das Veterinäramt zuständig, das allerdings an den Leiter des Gesundheitsamtes verweist. Dieser sieht keinen Grund, gegen die "minimalen Keimzahlen" vorzugehen, sagt er der SZ.

Die Kapellenadministration in Altötting erklärt zur Problematik, dafür sei das Stadtpfarramt St. Philippus und Jakobus zuständig. Dort wiederum verweist man zurück an die Administration. Bis zuletzt findet sich gar niemand, der sagen kann, wann zuletzt aufgefüllt wurde. Schwarze Madonna, hilf.