Interview: Michael Zirnstein

Katie Melua schwimmt sich frei: Von der braven Sängerin entwickelt sich die 23-Jährige gerade zur reifen Songwriterin. Am Donnerstagabend spielt sie in der Olympiahalle.

Ein Lied auf Katie Meluas Album "Pictures" heißt "My Secret Life" - diese Geheimnisse zu lüften, wäre spannend, zumal von der 23 Jahre alten Britin nur zarter Blues, Folk und Pop zu hören sind und nie Skandale. Am Donnerstagabend (20 Uhr) tritt sie in der Olympiahalle auf.

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Auf dem Weg zur reifen Songwriterin: Katie Melua. (© Foto: AP)

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SZ: Neulich haben Sie im Theater nach einem finsteren Stück der Gruppe Faust ein Überraschungskonzert gegeben. Würden Sie gerne einmal Theater spielen?

Katie Melua: Ach, nein. Ich bin einfach keine Schauspielerin.

SZ: Aber Sie sind im Zwischenteil dieses Tarantino-Doppelfilms zu sehen.

Melua: Nur eine kleine Sache.

SZ: Eine Rolle wie die Ihrer Kollegin Norah Jones in Blueberry Nights würden Sie ablehnen?

Melua: Ich mag es nicht, wenn Sänger zu Schauspielern werden und Schauspieler zu singen anfangen. Viele machen das nur, weil sie berühmt sind, nicht weil sie es können. Wenn ich in meinen Videos spiele, geht es darum, die Musik zu untermalen, nicht darum, Theater zu machen.

SZ: Sie wollen Ihren Song "Dice" wie einen Tarantino-Film klingen lassen. Haben Sie eine dunkle Seite?

Melua: Hat die nicht jeder? Es kommt ja nur drauf an, ob man Sie herauslässt.

SZ: Auf Ihrer dritten Platten geben Sie sich zumindest düsterer als früher. Machen Sie das in Zukunft öfter?

Melua: Vielleicht. Ich rede zwar nicht gern über meine Musik, bevor ich sie gemacht habe, und mit dem nächsten Album habe ich noch nicht richtig angefangen. Aber, stimmt schon: Die dritte Platte ist etwas erwachsener. Ich schwimme mich gerade frei, das schlägt sich wohl in meinen Liedern nieder.

SZ: Ihr Entdecker und Manager Mike Batt will Ihnen keine Hits mehr wie "Closest Thing to Crazy" und "Nine Million Bicycles" schreiben. Haben Sie Angst?

Melua: Ja, ich bin etwas eingeschüchtert, Mike hat so viel zu meinen Alben beigetragen. Aber es ist auch aufregend. Jetzt muss ich es alleine schaffen und meine Identität als Musikerin finden - das ist der Reifetest für einen echten Künstler.

SZ: Mike Batt lobt Sie ja auch dafür, dass Sie so brav sind. Warum hört man eigentlich nie irgendwelchen Sex-DrugsRock'n'Roll-Klatsch über Sie?

Melua: Nur weil es nicht in der Zeitung steht, heißt es nicht, dass ich daran kein Interesse habe. Es hängt davon ab, wo und mit wem man Party macht. Ich habe noch die selben Freunde, die ich vor meinem Erfolg hatte. Und wenn ich ausgehe, dann dorthin, wo keine Fotografen sind.

SZ: Sie haben die Lage im Griff?

Melua: Ich versuche es. Ich will meine Karriere auf Musik aufbauen, nicht auf Skandalen. So lebe ich mein Privatleben nicht in der Arbeit aus sondern daheim.

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(SZ Extra vom 10. April 2008/wib)