Von Sarina Pfauth

Beim Kaiserball der Bayerisch-Österreichischen Gesellschaft kommt sogar der Maronibräter aus Wien. Und der Charme auch.

Manche haben einen Tick zu dick aufgetragen: Weil die eine oder andere Dame beim Kaiserball am Freitag nicht durch die Drehtür am Ende des roten Teppichs passte, mussten die Portiers für die Frauen mit besonders breiten Röcken eine Nebentür öffnen. Beim Ball der Österreichisch-Bayerischen Gesellschaft sind nicht nur die Roben üppig: Der Saal ist mit 15.000 frischen Nelken aus San Remo geschmückt und von den Lichttraversen an der Decke baumeln schwere Lüster.

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Debütanten und Debütantinnen auf dem Kaiserball. (© Foto: Heddergott)

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Die Damen lächeln, raffen ihre Röcke und lassen sich einen Arm reichen, um die Treppen zum Ballsaal zu erklimmen. Die Männer bemühen sich redlich, Kavalier zu sein. Mehr oder minder erfolgreich: So mancher tritt im Lauf des Abends so fest auf eine Schleppe, dass er die dazugehörige Frau damit beinahe zu Fall bringt.

Ballmuffel Seehofer

Ministerpräsident Horst Seehofer lässt sich entschuldigen. "Es heißt, er sei ein Ballmuffel, was ich bei normalen Bällen durchaus verstehen kann", sagt Carl Paul Wieland, Präsident der Gesellschaft, in seiner Begrüßungsansprache. Dass Seehofer sich im Vorfeld der Sicherheitskonferenz zum Abendessen mit internationaler Politprominenz treffen muss, anstatt zum Kaiserball zu kommen, tue dem Ministerpräsidenten aber trotzdem sehr leid.

Denn der Kaiserball, versichert Wieland, sei der schönste Ball Münchens, eigentlich sogar der schönste von Auslandsösterreichern veranstaltete Ball überhaupt - das habe sich schon bis nach Moskau herumgesprochen. Von dort ist jedenfalls eine Debütantin mit ihrer Mutter angereist, nur um in einem weißen Kleid am Eröffnungstanz in München teilzunehmen.

Alles aus Wien

So einzigartig macht die Veranstaltung der Wiener Charme, findet Wieland: Eigens für den Kaiserball sind das Wiener-Hofburg-Ballstreichorchster und Wiener Opernsänger nach München bestellt worden, die Debütantinnen tragen Krönchen aus einer österreichischen Schmuckmanufaktur, vor der Tür stehen eine Wiener Würstchenbude, ein Fiaker-Gespann und ein Maroni-Bräter - natürlich auch aus Wien importiert.

Und die Schnittlauchsauce zum Tafelspitz vom österreichischen Almochsen wird nach Originalrezeptur aus dem Hause Sacher hergestellt. Sogar der Veranstalter, Carl Paul Wieland, ist ein gebürtiger Wiener. Der Abend in Kürze: "Küss das Handerl, küss das Fußerl, küss das ganze Ensemble". Die Herren sind galant, die Damen lächeln und tanzen.

Vor dem Ballsaal hat Carl Paul Wieland übrigens eine Zigarren-Lounge und eine Heurigen-Ecke mit Schrammelmusik einrichten lassen: "Dahin können sich die Herren verdrücken, die nicht so gerne tanzen." So mancher Mann ist ihm im Lauf des Abends sehr dankbar für die Verschnaufpause von Walzer und Handküssen.

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(sueddeutsche.de/pfau)