Von Von Tobias Lickes

650 junge Medienmacher trafen sich an diesem Wochenende in München, um diesen und anderen Fragen gemeinsam mit den Profis aus der Branche auf den Grund zu gehen.

Kein Lüftchen regt sich, keine Wolken verdunkeln den Himmel über München. Es scheint ein ganz normaler, pardon, ein schöner, aber dennoch alltäglicher Freitag zu sein.

Kein Lüftchen regt sich, keine Wolken verdunkeln den Himmel über München. Es scheint ein ganz normaler, pardon, ein schöner, aber dennoch alltäglicher Freitag zu sein. Doch was Oberbürgermeister Christian Ude dann zur Eröffnung der Jugendmediantage 2004 am Freitag sagt, gleicht einer kleinen Revolution: Als letzte Bastion Deutschlands soll nun endlich auch die Zensur von Schülerzeitungen in Bayern abgeschafft werden.

(© Foto: Lickes)

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Doch was Oberbürgermeister Christian Ude dann zur Eröffnung der Jugendmediantage (JMT) 2004 am Freitag sagt, gleicht einer kleinen Revolution: Als letzte Bastion Deutschlands soll nun auch die Zensur von Schülerzeitungen in Bayern abgeschafft werden.

Was in einer lebendigen Demokratie eine Selbstverständlichkeit darstellen sollte, hat endlich auch den Freistaat erreicht.

Nicht ohne Stolz kommentiert Michael Hartung vom Bundesvorstand der Jugendpresse Deutschland (JPD) gegenüber sueddeutsche.de die baldige Aufhebung: "Wir sind positiv überrascht und freuen uns sehr, das nach Berlin jetzt auch Bayern geknackt werden konnte!"

Ohne Münchens Bürgermeister zu nahe zu treten, aber der eigentliche Grund, warum sich an diesem Wochenende 650 junge Medienmacher aus ganz Deutschland im Forum des Deutschen Museums einfanden, war ein anderer.

650 Teilnehmer aus ganz Deutschland

Unter dem Slogan "Wissen ist Macht!? Ausbildung, Dialog, Medienkritik, Vernetzung." ging es von Donnerstagabend bis Sonntag in Workshops und Diskussionsrunden um das Arbeiten und die Ausbildung in Medienberufen.

Zugegeben, "mehr als 650 Leute - das sind ziemlich viele zum kennen lernen", stellt Anja-Maria Bassimir (20), Studentin aus Tübingen, fest. Zwischen zwei Workshops erzählt sie bei Chili Con Carne und Auflauf, warum sie nach München gekommen ist: "Neue Ideen sammeln, mit Leuten ins Gespräch kommen" - und eben nette Menschen treffen.

Das viele der Teilnehmer jünger sind als sie, stört sie nicht: "Auch die Jüngeren haben oft schon Erfahrungen im Medienbereich gesammelt und haben Dir viel zu erzählen."

Durch Einblicke in den Redaktionsalltag, aber auch durch den direkten Kontakt mit den Machern selbst bekommen die Teilnehmer an diesem Wochenende ein umfassendes Bild über die Medienwelt - im Print-Bereich ebenso wie bei Radio, Fernsehen und Online-Anbietern.

"Wo muss ich hin?", "Wo ist mein Workshop?", und vor allem: "Wann gibt's essen?" Das anfängliche (kreative?) Chaos am Freitag ist am Wochenende engagiertem Einsatz gewichen. Nachdem die jugendlichen Betreuer zu sich und zu den Teilnehmern gefunden haben, sind sie allzeit bereit und 24 Stunden am Tag ansprechbar.

Young Miss für "Durchzug im Gehirn"

In den Kursen wird derweil heftig diskutiert: Christian Füller von der tageszeitung wirft in der Diskussionsrunde "Qualität vs. Geldbeutel" selbstironisch ein, das ein Medium dann Qualität habe, "wenn's es sich schlecht verkauft" und möchte nach zwei Stunden Diskussion lieber ein Bier trinken gehen als "weiter zu quatschen."

Ein Telnehmer indes macht, angesprochen auf die schwierige Jobsituation der Medienbranche, sich und seinen jungen Kollegen sarkastisch Mut: "Bevor ich Sozialhilfe kriege, schreibe ich für die Bunte."

Zu bunt dagegen wird es einer Teilnehmerin, als die Diskussionsrunde hart mit Boulevardmagazinen und Frauenzeitschriften ins Gericht geht: Die Zeitschrift Young Miss beispielsweise, sagt sie ohne mit der Wimper zu zucken, lese sie gerne mal für "Durchzug im Gehirn".

Für weitere Luftzufuhr im menschlichen Denkapparat sorgt dann die Party am Samstagabend in der Muffathalle: Hier können die Teilnehmer sich alle Jobsorgen und Diskussionen aus den Gliedern tanzen - und nach Augenzeugenberichten soll auch der Herr von der tageszeitung aus Berlin endlich zu seinem Bier gekommen sein.

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(sueddeutsche.de)