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Bescheidenes Ziel: Henrike kam weit über Salzburg und Wien hinaus.

(Foto: oh)

Mehr Kilometer, mehr Geld: Das Projekt "BreakOut" sammelt Spenden, indem es seine Teilnehmer möglichst weit weg von München schickt

Von Lisa Brüßler

Wie viele Esel sieht man, wenn man von München nach Dubrovnik trampt? Die Frage mag bescheuert klingen. Sie ist es aber nicht, wenn man für jeden dieser Esel zehn Euro bekommt. Und wenn diese zehn Euro an die UNO-Flüchtlingshilfe gespendet werden. Und darum geht es bei dem Studentenprojekt namens BreakOut: Möglichst weit zu reisen, ohne einen Cent dafür auszugeben. Und damit möglichst viel Geld für einen guten Zweck einzusammeln.

"Man muss die Autofahrer direkt an einer Raststätte oder Tankstelle ansprechen, ob sie einen mitnehmen. Da hat man viel bessere Chancen, als wenn man nur den Daumen an der Straße raushält", sagt Henrike. Sie muss es wissen. Im vergangenen Jahr ist sie mit ihrem Teampartner von München immerhin bis nach Griechenland gekommen. Ohne Geld. Sie hatte 36 Stunden Zeit, um möglichst viel Entfernung zwischen München und sich zu bringen - egal wie. Anfang Juni startet die zweite Runde des Münchner Studentenprojekts.

Die teilnehmenden Zweier-Teams suchen sich dafür Sponsoren. Die spenden für jeden Kilometer, den die Teams vorankommen. Ob ein Cent oder ein Euro pro Kilometer, ob Geld vom örtlichen Apotheker oder der eigenen Familie - jeder Betrag hilft. Denn das durch die Reise zusammengekommene Geld geht an die Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein (DAFI), ein Stipendienprogramm für begabte Flüchtlinge, das von den Vereinten Nationen geleitet wird.

Beim ersten BreakOut im Juni 2014 sammelten Leonore Merck und ihre Teampartnerin Lavinia Thelen auf ihrer Reise nach Dubrovnik mit 1831 Euro und bekamen dafür die Urkunde "Höchste Spendensumme" verliehen: "Wir hatten nur drei Wochen Zeit für die Sponsorensuche und haben das total ernst genommen", erzählt Leonore. "Wir haben also unseren ganzen Freundes- und Bekanntenkreis mobilisiert, kleinere Unternehmen angefragt und die haben uns neben 1-Cent-pro-Kilometer-Spenden auch verschiedene Challenges gestellt, für die wir feste Summen bekommen haben, wenn wir sie auf Foto oder Video festgehalten haben. Dadurch war unsere Route auch schon ziemlich klar", erzählt sie.

Sie trampten von München in Richtung Osten. Auf der berühmten Brücke in Mostar in Herzegowina musste das Team Luftballons in Deutschlandfarben verteilen. Eine weitere Challenge bestand darin, das sich 100 Jahre jährende Attentat auf Franz Ferdinand in Sarajewo nachzuspielen und zu filmen. Der zweistündige Dreh in Bosnien brachte ihnen weitere 170 Euro ein. Und für jeden Esel, den sie fotografierten, bekamen sie zehn Euro. "Weil wir es dann noch bis nach Dubrovnik in Kroatien geschafft haben, konnten wir diese tolle Summe einfahren", sagt Leonore.

Die Idee zu BreakOut hatte Gründer Robert Darius ebenfalls auf Reisen: "Während meines Erasmus-Semesters in Paris habe ich von zwei Studenten von Jailbreak gehört, dem englischen Vorbild von BreakOut. Ich wollte an so etwas auch in München teilnehmen, aber das gab es gar nicht." Also sprach er mit seinem Freund Moritz Berthold, mit dem er das Projekt Anfang Juni 2014 mit nur zwei weiteren Organisatoren auf die Beine stellte - etwas provisorisch und unter Zeitdruck, aber mit immerhin 24 teilnehmenden Teams, die 10 000 Euro Spenden sammelten und es zusammen um die halbe Welt schafften.

Ziemlich viele Kilometer machte damals das "Team Henny" und bekam dafür eine Urkunde für die "meisten bereisten Länder" verliehen. Henrike von Zimmermann und Henrik Hecht überquerten sieben Ländergrenzen in 36 Stunden. Von München aus trampten sie aber erst mal nach Bad Reichenhall: "Dort haben wir einen Mann an einer Tankstelle angesprochen, ob er uns nach Wien mitnehmen kann und er hat direkt ja gesagt." In Wien angekommen, vergaß das Team seinen Edding im Auto des Fahrer. Der drehte wieder um, als er es bemerkte, und weil das Team nicht weiterkam, bot er ihnen an, sie mit nach Budapest zu nehmen. "Auf der Fahrt rief er dann eine Freundin dort an, die nach Nachtzügen schaute, damit wir möglichst schnell weiter konnten", erzählt Henrike. Seine Hilfsbereitschaft ging sogar so weit, dass er ihnen am Bahnhof die Zugtickets nach Belgrad bezuschusste und ihnen Proviant schenkte. Nach einer schlaflosen Nacht ging es am nächsten Morgen weiter mit dem Zug nach Skopje in Mazedonien. "Irgendwo in Mazedonien haben wir dann den Zug verlassen, weil wir gesehen haben, dass wir in der Nähe der Autobahn sind. An der Autobahnauffahrt haben wir dann aber richtig lang warten müssen. Ein Auto hielt irgendwann an, fuhr aber sofort wieder los, als wir sagten, dass wir Deutsche sind."

Nach einer Weile hielt ein Italiener, mit einem Auto, in dem die Anschnaller kaputt waren: "Er heizte dann mit einem wahnsinnigen Tempo über diese alte mazedonische Autobahn, auf der man nicht schneller als 100 fahren sollte, das war richtig abenteuerlich", erzählt Henrik.

Mit Ablauf des 36-Stunden-Countdown setzte sie ein anderer Fahrer abends dann auch an einer geschlossenen Raststätte an der mazedonisch-griechischen Grenze ab. "Wir haben auf der Reise trotzdem viele tolle Leute kennen gelernt, die alle sehr hilfsbereit waren und auch Umwege in Kauf genommen haben", erzählt Henrik. Neue Länder und Leute kennenlernen, tolle Erinnerungen sammeln, an Grenzen stoßen - genug Gründe für Henrike und Henrik auch in diesem Jahr wieder dabei zu sein.

In diesem Jahr soll dann alles noch besser werden, wünscht sich Organisator Robert: "Wir wollen alle zusammen um die ganze Welt reisen und noch mehr Aufmerksamkeit auf die Flüchtlinge und deren Situation lenken." Auch die Teamzahl soll sich verdoppeln, so der Organisator. Das scheint nicht so unwahrscheinlich, denn jetzt kümmern sich schon zwanzig Studenten um das Gelingen des Projekts: Über eine App können die Teams nun während der Reise Fotos und Texte hochladen und so ihre Unterstützer und Sponsoren mitfiebern lassen, aber auch den Fortschritt anderer Teams verfolgen. Und damit auch jeden Esel zwischen München und Dubrovnik sehen.

BreakOut - Start: 4. Juni, 9 Uhr. Anmeldung bis 17. Mai. Weitere Infos: break-out.org