Jennifer Lopez in München Oh la la, Latina!

Ihr Pop ist weichgespült und klingt synthetisch, doch man muss Jennifer Lopez lassen: Die 43-Jährige hat Power, kann hautenge Glitzerkostüme tragen und liefert bei ihrem Konzert in der Münchner Olympiahalle eine perfekt einstudierte Show. Ein Körperteil rückt sie dabei ganz besonders in den Vordergrund.

Von Beate Wild

Liebt hautenge und glitzernde Bühnen-Outfits: Jennifer Lopez vor wenigen Tagen bei einem Konzert in London.

(Foto: Getty Images)

Eine verträumte Schönheit im Negligé, die am Schminktisch nachdenklich ihr Spiegelbild betrachtet und sich sinnlich die Lippen nachzeichnet - schon der erste Videoeinspieler zu Beginn der Show zeigt, was Jennifer Lopez wirklich wichtig ist: sich erotisch in Szene zu setzen. Dieses Ziel erreicht die Latina bei ihrem Konzert am Donnerstagabend in der Münchner Olympiahalle mit Leichtigkeit.

La Lopez gibt eineinhalb Stunden lang die heißblütige Latina. In ständig wechselnden, hautengen Kostümen hüpft sie über die Bühne. Mit ihren 43 Jahren ist die Sängerin gut in Form. Viele im Publikum dürften ein wenig neidisch sein - auf die Diva dort vorne auf der Bühne. Von der Begeisterung der anwesenden Männer ganz zu schweigen.

Zudem wird ein Körperteil an diesem Abend immer wieder ins Rampenlicht gerückt - und das ziemlich oft. Jennifer Lopez ist bekannt für ihre weiblichen Rundungen und ihr wohl geformtes Hinterteil. Diesen Ruf weiß sie zu nutzen. Immer wieder erscheint ihre Rückseite in Großaufnahme auf der Leinwand, oft unterlegt mit einem lasziven Hüftwackeln. Wegen dieser Show ist das Publikum gekommen. Bei J.Lo. geht es weniger um die Musik und den Gesang, als um die Inszenierung.

Während des eineinhalbstündigen Konzert steht zwar ihr zuletzt erschienenes Album "Love?" im Vordergrund, doch Begeisterung bricht bei den Fans vor allem bei den alten Songs aus: "My love don't cost a thing", "Waiting for tonight", "Jenny from the block" und "Let's get loud".

Als Tänzer mit auf der Bühne ist auch ihr aktueller Lover, Casper Smart, Mitte zwanzig. Ihn setzt sie auf Videoeinspielern und mit zweisamen Tanzeinlagen immer wieder in Szene. Bei einem Song flattern auf der großen Leinwand auch zahlreiche Bilder und Videosequenzen ihrer Zwillinge durchs Bild. Vermutlich ist das einfach nur offenherzig gemeint, doch manchem im Publikum ist eine derartige Zurschaustellung privaten Glücks zu intim.

Ein Konzertabend mit Jennifer Lopez ist wie ein Musical, ein bis ins Detail einstudiertes Bühnenprogramm. Mal gibt sie die Diva, mal die Hip-Hop-Göre, mal das Showgirl, mal den lasziven Vamp. Und mag auch ihr Pop noch so weichgespült und synthetisch klingen, eines muss man der Latina lassen: Sie hat unglaublich viel Power und eine überzeugende Ausstrahlung.

Höhepunkt der Show ist der Song "On the floor", die erfolgreichste Single ihrer Karriere. Dabei handelt es sich um eine poppige Coverversion des Latino-Klassikers "Lambada", unterlegt mit Raps des HipHoppers Pitbull.

Und dann ist plötzlich auch schon wieder alles vorbei. Nach nur einer Zugabe ist La Lopez schnell verschwunden. Was bleibt, ist das Gefühl, einer echt amerikanischen Glamour-Inszenierung beigewohnt zu haben. Und die Überzeugung, dass Frau Lopez eindeutig besser tanzen als singen kann.