Jean-Paul-Gaultier-Ausstellung in München Lockmittel Laufsteg

"From the Sidewalk to the Catwalk" hieß die Ausstellung, die auch viel junges Publikum lockte.

(Foto: Robert Haas)

Die Jean-Paul-Gaultier-Ausstellung hat der Kunsthalle 213 000 Besucher beschert.

Von Evelyn Vogel

Sie war sinnlich und raffiniert, sie war prachtvoll und modern, sie lockte ein sehr junges Publikum an, das man nicht unbedingt in einem Museum erwartet, und sie war - das weiß man seit diesem Montag - extrem erfolgreich: 213 000 Besucher haben die Jean-Paul-Gaultier-Ausstellung "From the Sidewalk to the Catwalk" in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in den zurückliegenden fünf Monaten gesehen. Das entspricht durchschnittlich 1430 Gästen pro Tag. Mit solchen Zahlen kann Roger Diederen, der Leiter der Kunsthalle, auf Anhieb aufwarten. Auch wenn er immer wieder betont: "Qualität lässt sich nicht an den Besucherzahlen festmachen." Und Diederen weiß: "Mode ist nicht die Geheimformel für Erfolg." Das zeigen Beispiele an anderen Häusern, die mitunter nicht einmal richtig interessant, geschweige denn erfolgreich sind.

Die Kunsthalle jedoch kann durchaus einige Erfolge vorweisen. Wenn man 70 000 bis 90 000 Besucher an etwa 120 Ausstellungstagen in eine Sonderschau lockt, dann sind das Zahlen, von denen manch anderes Museum nur träumen kann. Selbst die Rokoko-Ausstellung, die schlechter lief als erwartet, verzeichnete in vier Monaten 82 000 Besucher - trotz Weihnachtsferien. Zu den Rennern im Haus zählt die Skythen-Schau vor einigen Jahren, die es auf 141 500 Besucher in 86 Tagen brachte und damit einen Tagesdurchschnitt von 1645 Gästen hatte. Außerdem die Pompeji-Ausstellung vor zwei Jahren: 192 000 Besucher kamen an 128 Tagen, das waren 1500 pro Tag und damit toppte sie sogar die Gaultier-Schau. "Aber", relativiert Diederen die absoluten Zahlen, "da waren unglaublich viele Schulklassen dabei." Hinzu kamen viele Familien, die in einer Art "Indiana-Jones-Stimmung" die Ausstellung erforschten, wie Diederen meint. Zudem war die Schau mit ihren mitunter schaurig-interessanten Objekten mit einer gehörigen Portion Dramatik ausgestattet. Und nicht zu vergessen: Viele großartige Kunstwerke zogen Kunstkenner und -liebhaber an.

Doch jeder, der Ausstellungen macht, weiß, dass es immer schwieriger wird, den ultimativen Besucher-Blockbuster auf die Beine zu stellen. Einen Erfolg zu garantieren, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Es gibt zwar verschiedene Faktoren, die einem Erfolg zumindest zuträglich sein können: Viele berühmte Namen, sodass auch der Laie sich etwas darunter vorstellen kann. Herkunft am besten aus möglichst vielen verschiedenen großen Museen, sodass eine Ausnahmesituation garantiert ist. Sehr viel Geld, um all die mittlerweile fast unbezahlbaren Versicherungssummen sowie die exorbitant hohen Leih- und Transportkosten zu begleichen. Ein reich ausgestattetes Werbebudget, mit dessen Hilfe die Trommel ordentlich gerührt werden kann. Dazu sollten möglichst keine 30 Grad Außentemperatur herrschen und Ferienzeiten sind auch ganz schlecht - denn da zieht es Einheimische wie Touristen bevorzugt sonst wohin, nur nicht in eine Ausstellung.

Doch selbst wenn einige der Rahmenbedingungen stimmen, ist das kein Garant für einen zahlenmäßigen Erfolg. "Aber natürlich freut man sich über solche Ausreißer nach oben", muss auch Roger Diederen zugeben.