Von Oliver Hochkeppel

Die Münchner Pendants zu Mick Jagger und Keith Richards haben Jubiläum. Die Spider Murphy Gang feiert das 30-jährige Bestehen der Band unter anderem mit einer Club-Tour durch die Stadt.

Was, schon wieder ein Jubiläum? War da nicht gerade erst wahlweise eine "Lange Spider-Murphy-Gang-Nacht" im BR, eine Aniversary-Tour, ein Unplugged-Gig oder eine Fernseh-Wahl zur "Band der 80er"? Irgendwie hat man das Gefühl, die Spider Murphy Gang feiere ständig Geburtstag. Auf jeden Fall ist sie omnipräsent - und das ganz ohne aktuelle Chartsplatzierungen und Hits: Der Archetyp der "Bayerischen Band" ist ein klassischer Longseller.

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Und was für einer: Vor genau 30 Jahren gründeten Sänger und Bassist Günther Sigl, Gitarrist Barny Murphy, Pianist Michael Busse und Schlagzeuger Franz Trojan die nach einer Zeile aus Elvis' "Jailhouse Rock" benannte Band. Bis auf Sigl hatten alle noch bürgerliche Berufe, vom Fernmeldetechniker bis zum Philosophiestudenten.

Man spielte vorwiegend in den GI-Clubs rund um die Truppenübungsplätze der US Army, einen Fuß in die Münchner Szene bekam man erst ein Jahr später. Da fiel ausgerechnet im Fasching eine Band im Schwabinger "Memoland" aus - und die Spiders sprangen ein. "Danach bekamen wir einen festen Tag, und das war, was wir immer wollten", erinnert sich Sigl.

Wie alle, und speziell als "Rack'n'Roi-Band" (wie es Sigl immer so charmant ausspricht) singen die Spiders auf Englisch. Das ändern erst zwei Gäste im Memoland. BR-Moderator Georg Kostya will die Spiders für seine Sendung "Rockhouse" - aber mit Songs auf Bairisch. Selbige fordert auch der Rheinländer Harald Steinhauer, der ihr Produzent wird.

Bodenhaftung behalten

Das erweist sich als entscheidender Dreh: Als Anfang der Achtziger die deutsche Sprache erstmals jenseits des Schlagers musikalisch salonfähig wird - heute ist es mit Bands wie Wir sind Helden oder Silbermond bis Roger Cicero wieder so weit -, spült die Neue Deutsche Welle die Spiders ganz nach oben. Die bodennahen Münchner Geschichten, die Sigl in Songtexten wie "Schickeria", "Sommer in der Stadt", "Mit'n Frosch im Hois" oder "Ich schau' dich an" erzählt, werden deutsches Allgemeingut.

Vom Megahit "Skandal im Sperrbezirk" gehen - auch, weil der BR den Titel freundlicherweise anfangs auf den Index setzt - 750.000 Singles über den Ladentisch, statt im Memoland spielt man jetzt vor Zehntausenden in der Westfalen- oder Olympiahalle, eine DDR-Tour erregt Aufsehen, Michael Verhoeven dreht einen Kinofilm über die Spiders, die Bravo legt im Wochentakt nach. "Wir waren mehr auf Fototerminen als beim Musikmachen. Das war schon grenzwertig", berichtet Sigl.

Als die NDW - mit der man außer der Sprache wenig gemein hat - abebbt, kommt auch die Spider Murphy Gang in Turbulenzen. Der "Mick Jagger und der Keith Richards der Band" (so Sigl über sich und Barny Murphy) bleiben übrig, ansonsten wird "verjüngt": Der Schotte Willie Duncan war schon 1981 dazugestoßen, 1987 wird Michael Busse von Ludwig Seuss - heute nebenbei Münchens Blues-Orgel- und Zydeco-Statthalter - ersetzt, 1991 Franz Trojan von Paul Dax, zuletzt kommt Multiinstrumentalist und -stilist Otto Staniloi als Bläser dazu.

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