Trotzdem kann man nicht sagen, dass die Gestaltungsmehrheit eine wirklich gute Idee war: Die CSU wurde bei der folgenden OB-Wahl auf 26 Prozent reduziert, und die Roten brauchten sich ihrer Menage mit den Grünen nicht mehr zu genieren - ausgerechnet die CSU hatte sie hoffähig gemacht. Und das seit 20 Jahren. Bläd glaffa!

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Eines der Rezepte dieses langen rot-grünen Zusammenhalts lautet "Einigkeit bei Uneinigkeit" - immer wenn die "kleine" Kommunalpolitik große Weichenstellungen vorzunehmen hatte. Und die gab es in diesen 20 Jahren genug: Nach der Flughafenverlegung von Riem nach Erding die Verlegung der Münchner Messe von der Innenstadt nach Riem; der Ausbau des Mittleren Rings durch drei riesige Tiefbauwerke; der Bau eines neuen Fußballstadions in Fröttmaning; der Richtungsentscheid für die Stadtsilhouette und gegen Hochhäuser höher als die Frauentürme.

Aber hallo!

Nichts von alledem wurde von der rot-grünen Stadtregierung beschlossen oder nur gut geheißen. Vielmehr waren Rot und Grün im Rathaus in diesen Fragen völlig uneinig. Zur Mehrheitsbildung kam es auf die sonst zur Seite gedrängten CSU-Stadträte an sowie, durch erzwungene Bürgerentscheide, auf das Volk der Stadt München. Treu dem Motto: "Hier werden Sie geholfen". Oder: "Hannemann, geh du voran! Du hast die größten Stiefel an!" Das freilich stammt nicht von Rot-Grün, sondern von den Sieben Schwaben.

"Alle Politik ist Problemlösen", sagt Karl Popper. Die rot-grüne Ergänzung lautet: Problemlösen geht auch, wenn die eigenen Aufgaben andere erledigen. Selbst getan haben sie die Umwandlung der Münchener Stadtwerke in eine GmbH. Na ja.

In der "Grünen Mamba", ihrem Zentralorgan, war schon 2008 aus der Feder des grünen Stadtrates Siegfried Benker zu lesen: Was wäre, "wenn es der CSU gelänge, ihren derzeitigen Spitzenkandidaten Schmid entgegen ihrer Tradition nicht nach kurzer Zeit abzusägen". Dann "könnten die Bündnisverhandlungen 2014 spannend werden". Aber hallo!

Peter Gauweiler, 60, war Stadtrat und Kreisverwaltungsreferent, Landtagsabgeordneter und Landesminister. Von 1990 bis 1998 führte er die München-CSU, seit 2002 vertritt er den Wahlkreis München-Süd im Bundestag.

Lesen Sie weitere Berichte zu 20 Jahre Rot-Grün in München in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 17. März. Hier geht es zum Probe-Abo.

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  1. Münchens langer Marsch
  2. Sie lesen jetzt Rezept "Einigkeit bei Uneinigkeit"
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(SZ vom 17.03.2010/sonn)