Jagdmuseum in München Nazis und andere Hirsche

Jahrelang hat das Jagdmuseum Trophäen des Reichsmarschalls Hermann Göring ausgestellt.

Jahrelang stellte das Jagdmuseum in München drei Geweihe von Hirschen aus, die Hermann Göring erlegt hat - kommentarlos. Jahrelang prallte jede Kritik ab. Nun sind die Trophäen plötzlich verschwunden.

Von Christian Sebald

Im Jagdmuseum in der Fußgängerzone werden nicht nur allerlei Geweihe von Hirschen, Rehen und Gämsen ausgestellt. Jahrzehntelang wurden in der einstigen Augustinerkirche drei besonders mächtige Jagdtrophäen präsentiert - und zwar in der Apsis, an einem besonders prominten Platz. Auf den Schädeln prangten rot-schwarze Wappen, darunter standen die Namen "Odin", "Augustus" und "Matador".

Die Geweihe waren die Beute eines der größten Verbrecher der Nazi-Zeit: Hermann Göring, Reichsmarschall und damit ranghöchster Soldat der NS-Zeit, hatte die Hirsche in seinem ostpreußischen Jagdrevier Rominten erlegt. Immer wieder brandete Kritik an der kommentarlosen Präsentation der Trophäen auf. Aber das Museum und Jägerpräsident Jürgen Vocke, der dem Rat der Stiftung vorsitzt, die das Museum trägt, hielten an der Präsentation fest.

Seit wenigen Tagen sind Görings Trophäen aus der Apsis verschwunden. Wie Vocke erklärte, hat der Stiftungsrat beschlossen, sie abzuhängen und ins Depot zu bringen. Weitere Erklärungen verweigerte Vocke. Ganz offensichtlich ist der Grund der Aktion aber die massive Kritik. So hatte sich der renommierte Historiker Hans Günter Hockerts im Oktober in der Süddeutschen Zeitung darüber empört, dass das Museum kommentarlos Jagdtrophäen aus dem Besitz eines der "Hauptverantwortlichen für die staatliche Großkriminalität des Dritten Reiches" zeigt.

Schließlich war es Göring, der im Juli 1941 den SS-General Reinhard Heydrich mit der "Endlösung der Judenfrage" beauftragte. Der Forstmann Georg Sperber, der sich intensiv mit der Geschichte des Jagdmuseums befasst hat, sprach sogar von einem Skandal.

Von den Nationalsozialisten gegründet

Sperber nennt es denn auch überfällig, dass das Jagdmuseum jetzt gehandelt hat. Allerdings zeigt für ihn das kommentarlose Abhängen der drei Nazi-Trophäen, "dass weder das Museum noch seine Träger ein Interesse haben, sich mit der unseligen Geschichte der Einrichtung auseinanderzusetzen". Das Jagdmuseum hat nämlich nicht nur Görings Jagdtrophäen ausgestellt. Es ist selbst von den Nationalsozialisten gegründet worden.

Es war Christian Weber, ein berüchtigter Münchner SS-Mann und Duz-Freund von Adolf Hitler, der von 1933 an die Gründung eines Jagdmuseums in München betrieben hatte. Weber gelang es sogar, für sein Museum das Schloss Nymphenburg zu reklamieren - samt Schlosspark. Am 16. Oktober 1938 wurde es dort mit schwülstigem Pomp eröffnet.

Der Historiker Hockerts, der Forstmann Sperber und andere fordern schon seit Jahren, dass sich das Jagdmuseum öffentlich mit seiner Nazi-Gründungsgeschichte auseinandersetzt. "Eine kritische Präsentation von Görings Rominten-Trophäen mit entsprechender historischer Einordnung würde sich hierzu hervorragend eignen", sagt Sperber. Geplant ist das aber offenkundig nicht. Man wisse noch überhaupt nicht, was aus den Trophäen werden solle, sagt Museumsdirektor Manuel Pretzl. Bis auf weiteres sollen sie in der Werkstatt des Museums aufbewahrt werden.