IT-Referat Windows statt Limux

Die Stadt verabschiedet ein ganzes Bündel an neuen Strukturen für Behördengänge übers Internet

Will München tatsächlich zur digitalen Hauptstadt werden, muss sich bei der Organisation und dem Zustand ihrer Computertechnik einiges ändern. Das hatte nicht zuletzt 2016 ein vernichtendes Gutachten der Beratungsfirma Accenture dargelegt. Nun arbeitet der Stadtrat die Empfehlungen des Papiers Schritt für Schritt ab. Als neuen Chef des IT-Referats hat das Gremium schon länger Thomas Bönig beschlossen, nun hat der Verwaltungsausschuss am Mittwoch ein ganzes Bündel an neuen Strukturen verabschiedet. Darin enthalten ist auch der Baustein, der die Emotionen mit am meisten hochkochen lässt: Der Abschied vom freien Betriebssystem Limux und die damit verbundene Rückkehr zu Windows und zum Marktbeherrscher Microsoft.

Grüne, Linke und FDP geißelten diese "Rolle rückwärts" als kurzsichtig, überteuert und überflüssig. In wenigen Jahren würden Betriebssysteme technisch keine Rolle mehr spielen. Da müsse man nicht noch "einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag" für den Wechsel zu Windows ausgeben, sagte FDP-Stadtrat Thomas Ranft. SPD und CSU konterten, dass ein handelsübliches Betriebssystem das Arbeiten mit handelsüblichen Programmen deutlich erleichtere. Diese an die Münchner Linux-"Insellösung" - genannt Limux - immer neu anzupassen, koste auch Zeit, Geld und Energie. Dass in fünf Jahren alle Daten auf Clouds liegen und alle Anwendungen auf Browsern laufen, darauf mag sich die Rathausmehrheit nicht verlassen.

Noch nicht sicher ist die komplette Rückkehr zu Microsoft in der Software. Der Umstieg kommt nach ersten groben Schätzungen unerwartet teuer. Das Problem sind nicht die Lizenzen, sondern das Anpassen von etwa 12 000 Formularen. Sollte tatsächlich jedes davon 2500 Euro kosten, wie es intern heißt, würde sich dieser Betrag auf 30 Millionen Euro belaufen. Ob das so teuer sein muss, wird weiter geprüft. Auch der Übergang des städtischen Eigenbetriebs IT@M in eine private Betriebs-Gesellschaft wird noch untersucht. Debattiert wurde im Stadtrat zudem, warum die Kosten der IT-Neuordnung häufig nicht-öffentlich behandelt würden. In der nächsten Vollversammlung will die Stadt die wichtigsten Posten mit Zahlen unterlegen.