Islam-Symposium in München LMU lädt Hardliner ein

Ein von der LMU geplantes Symposium über den Islam sorgt für Kritik: Einer der geladenen Professoren arbeitet in Iran an einem Institut, das als Kaderschmiede islamistischer Hardliner gilt.

Ein von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) geplantes religionswissenschaftliches Symposium zum Gottesbild im Islam sorgt für viel Kritik bei Vertretern jüdischer Organisationen und Iranexperten. Zu der Veranstaltung am 10. Dezember sind unter anderem drei iranische Islamprofessoren geladen. Einer der Gelehrten, Professor Muhammad Legenhausen, den die katholisch-theologische Fakultät eingeladen hat, arbeitet in der iranischen Stadt Qom am Imam Khomeini Bildungs- und Forschungsinstitut, das Fachleuten als Kaderschmiede islamistischer Hardliner gilt.

Dessen Leitung und Mitarbeiter seien als extremistisch einzuschätzen, sagt etwa der Politikwissenschaftler und Iranexperte Wahied Wahdat-Hagh von der European Foundation for Democracy in Brüssel. Die Stiftung erforscht seit 2005 den Islamismus weltweit und erhält unter anderem von der Europäischen Union und nationalen Regierungen öffentliche Fördermittel.

Direktor des Imam Khomeini Bildungs- und Forschungsinstituts ist Ayatollah Muhammad Taqi Mesbahe Yazdi, der als geistiger Mentor des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad bekannt ist und im Iran die antisemitische Zeitung Parto Sokhan herausgibt. Wahdat-Hagh zufolge unterrichten Mitarbeiter des Instituts Angehörige von Basijii-Einheiten der iranischen Armee, "die nach eigenem Bekunden als freiwillige Selbstmordattentäter eingesetzt werden sollen".

"Besonders konservative Koranauslegung"

"Von Ideologen solcher Institute geht nicht nur eine Gefahr für Israel und die Juden aus, sondern auch für einzelne religiöse Minderheiten in Iran und für den Westen im Allgemeinen", warnte Wahdat-Hagh. Auch der bekannte Islamwissenschaftler Professor Udo Steinbach bestätigte, dass das Imam Khomeini Bildungs- und Forschungsinstitut "für eine besonders konservative Koranauslegung" bekannt ist.

Der Direktor der Einrichtung, Ayatollah Muhammad Taqi Mesbahe Yazdi, sei "theologische Bezugsquelle von Präsident Ahmadinedschad". Zudem halte er die Behauptung für zutreffend, dass Mesbahe Yazdi ein führender Angehöriger der Hojatiyeh-Bewegung ist. Die Hojatiyeh ist eine Geheimorganisation, die religiöse Minderheiten, vor allem die Baha'i im Iran, verfolgt.

Ein Dialog zwischen Katholiken und iranischen Schiiten sei zwar, gerade nach der "weitreichenden gemeinsamen Erklärung" zwischen katholischen und schiitischen Theologen in diesem Mai in Rom, "sicher interessant", räumte Steinbach ein. "Mich wundert aber die Teilnahme eines Vertreters aus dem Umfeld von Mesbahe Yazdi", sagte der Nah- und Mittelostexperte.

"Wer nur um den heißen Brei herumredet, unterstützt Ahmadinedschad"

Nathan Kalmanowicz, Präsidiumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde München, äußerte "schwere Bedenken", ob die Einladung tatsächlich dem interreligiösen Dialog diene. Er befürchtet, den Gastrednern werde "vor Studenten ein Forum für Propaganda des theokratischen und menschenverachtenden Regimes in Teheran geboten".