Isarvorstadt/Sendling Das neue Gesicht des Schlachthofviertels

Ein Blick auf den Haupteingang des geplanten neuen Volkstheaters - vom Zenettiplatz aus gesehen. Simulation: Georg Reisch GmbH

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Der Bauch der Stadt macht Platz für Kultur, Sport, Bildung und Wohnen. Schon Anfang des Jahres müssen die alten Pferdeställe weichen, das Baufeld für das Volkstheater wird freigeräumt.

Von Birgit Lotze, Isarvorstadt/Sendling

Jahrelang wird nun schon geplant, doch 2018 soll der ehemalige Viehhof, die größte Brachfläche der Innenstadt, endlich aus seinem Dornröschenschlaf gerissen werden. Auf dem Gelände hatte 2006 der letzte Münchner Pferdemarkt stattgefunden, 2007 fusionierten der Schlachthof und die Großmarkthallen als Markthallen München zu einem gemeinsamen Eigenbetrieb, der dazwischen liegende Viehhof wurde stillgelegt. Dort machte sich Kultur von unten breit: Nutzer waren Sprayer, Hobbygärtner, das Viehhof-Kino, der Märchenbasar, das Kulturprogramm von "Bahnwärter Thiel" - in Zelten, Containern oder sogar im Freien.

Jetzt soll die Kultur mit einem riesigen Neubau im ehemaligen Bauch der Stadt einziehen. Die Zeit drängt: Schon im Januar wolle man anfangen, die Pferdeställe entlang der Tumblingerstraße abzureißen, um das Baufeld für das neue Volkstheater freizumachen, kündigt das Baureferat an. Ein Generalübernehmer soll den Bau für 131 Millionen Euro schlüsselfertig bis Sommer 2021 bezugsfertig hinstellen. Das neue Volkstheater wird mit knapp 18 000 Quadratmetern Geschossfläche fast doppelt so groß werden wie das derzeitige Domizil an der Brienner Straße.

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Darüber hinaus ist die Umnutzung der benachbarten Viehmarkt-Bank am Haupteingang an der Zenettistraße im Gespräch. Ein Verein möchte eine "Komische Pinakothek" einrichten - ein Museum, das auch Kabarettist Gerhard Polt unterstützt. Die Idee ist noch jung, die Stadt hat bislang weder Raum noch Finanzierung zugesagt.

Zugesagt ist die Verlagerung der Waschanlage vom Vieh- in den Schlachthof. Dass dies geschieht, hofft der Chef des Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, Alexander Miklosy (Rosa Liste). Die Waschanlage wird für Lkw genutzt, die auf dem Schlachthof aus- und umladen. Ein Unding, sie dafür über öffentliche Straßen zu führen, sagt Miklosy. Auf dem Viehhof-Areal vergrößere der Auszug der Waschanlage den Platz für Wohnungsbau. Mit 600 Wohnungen rechnet Stadtbaurätin Elisabeth Merk insgesamt. Der Bezirksausschuss kämpft gegen Luxuswohnungen. Stadtratsbeschlüsse liegen dazu aber noch nicht vor.

Am Südwestende des geplanten Theaterbaus wurde vor der Viehhof-Mauer an der Kreuzung Tumblinger- und Ruppertstraße eine weitere Großbaustelle vorbereitet. Das Loch ist bereits tief genug für eine große Tiefgarage. Oben ist entlang der Ruppertstraße dreierlei geplant: im Südosten eine Sporthalle und ein Stadtteilkulturzentrum, in der Mitte eine Schule mit Aula, Bibliothek und Mensa. Im Nordwesten, zum Kreisverwaltungsreferat hin, entsteht ein Kinderhaus. 2019 soll der neue Block bezugsfertig sein. Letzter Akt: Eine Künstlerin will eine Großskulptur aufstellen, ähnlich imposant wie die Mae West am Effnerplatz, ein Frauengesicht, 15 Meter hoch - das neue Gesicht des Viertels.

Im Schlachthof wird sich 2018 - außer Vorbereitungen für den Einzug der Waschanlage - wenig verändern. Die Pachtverträge laufen zum Teil bis in die 2030-er Jahre. Auch auf dem Großmarkt auf der anderen Seite der Gleise auf Sendlinger Gebiet herrscht weiter Stillstand. Denn der Stadtrat hat im Sommer nach Jahren der Planung beschlossen, den neuen Großmarkt doch nicht selbst zu bauen, sondern dies einem Investor zu überlassen. Die örtliche SPD will nun noch einmal mit ihren Stadträten sprechen - sie will, dass die Stadt selbst baut. Das gehe schneller, und günstiger sei es langfristig allemal, sagt der Sendlinger BA-Chef Markus Lutz (SPD). Ob sich die SPD-Stadträte und eine Stadtrats-Mehrheit darauf einlassen, ist offen.

Unklar ist auch, ob das Kulturzentrum Gasteig, das auf dem Stadtwerke-Gelände flussaufwärts an der Isar ein Interims-Quartier beziehen will, neuer Nachbar wird. Der Gasteig braucht - angesichts von Tausenden Besuchern täglich - eine Tiefgarage. Das Stadtwerke-Areal ist verplant, deshalb könnte diese auf dem Großmarkt-Gelände an der Schäftlarnstraße entstehen. Die Markthallen lehnten das im Dezember ab. Ohne ein schlüssiges Verkehrskonzept und geregelte Besucherströme werden jedoch zumindest die Lokalpolitiker dem Gasteig-Einzug nicht zustimmen.

Bis zum 8. Februar ist die Ausstellung "Der Viehhof im Wandel" mit Fotos von Andreas Bohnenstengel im Veterinäramt, Thalkirchner Straße 106, zu sehen. Sie ist werktags von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

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