Volkstheater Auf ein Neues

Mit einer Online-Petition wollen Künstler und Stadtteilpolitiker durchsetzen, dass das Volkstheater doch in die Halle 1 auf dem Großmarktgelände zieht. Dabei ist das Thema nach einem Beschluss des Stadtrates vom Tisch

Von Birgit Lotze, Isarvorstadt/Sendling

Eigentlich ist das Thema Volkstheater seit Mitte Dezember vom Tisch. Damals hat sich der Stadtrat mit großer Mehrheit für einen Neubau auf dem Viehhof-Gelände nach dem Auszug aus der Brienner Straße ausgesprochen. Die Weiterplanung der bis dahin auch diskutierten Alternative als Sitz für das Volkstheater, die denkmalgeschützte Halle 1 auf dem Großmarktgelände, sollte mit dem Beschluss unterbunden werden. Nun will eine Online-Petition - www.volkstheater-in-die-grossmarkthalle. de - doch noch diese Variante durchsetzen.

Die alte Großmarkthalle, die aus Denkmalschutzgründen erhalten werden müsse, biete sich in hervorragender Weise als quartiersverträglicher Kulturstandort für das Volkstheater an, heißt es in der Petition - als ob es die Ortsbegehungen und vielen Diskussionen gar nicht gegeben hätte. Die Großmarkthalle und die angrenzenden, frei werdenden Flächen verfügten über eine entsprechende Größe und könnten problemlos mit Anbauten wie einem Bühnenturm versehen werden.

Gute Aussichten: Das Ensemble des Volkstheaters soll in einem neuen Haus mehr Platz und eine zweite Bühne bekommen

(Foto: Florian Peljak)

Für Sendlinger ist die Lage klar: Diese hatten die Großmarkthalle von vornherein als Theaterstandort stark favorisiert. Künstler und Stadtteilpolitiker setzen sich dafür ein, die Vorsitzende der Sendlinger Kulturschmiede, Gabi Duschl, und SPD-Chef Ernst Dill sind unter denen, die die Petition eingeleitet haben. Der Industriebau ist eines der Schmuckstücke im Viertel, er wird mit dem Neubau der Großmarkthallen in einigen Jahren frei, ohne dass sich eine Alternative für die Weiternutzung abzeichnet.

Doch unter den Initiatoren der Online-Petition sind nicht ausschließlich Sendlinger. Auch im Bezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, in dem viele Bürger den Zuzug des Volkstheaters begrüßen und Bezirksausschussvorsitzender Alexander Miklosy (Rosa Liste) sagt, dass er sich "sehr freut, dass das Stadtviertel um eine so tolle Institution bereichert wird", regt sich Widerstand. Würde das Theater auf den Viehhof ziehen, könnten wesentlich weniger Wohnungen gebaut werden als die Isarvorstädter es in einer Bürgerwerkstatt gewünscht haben, kritisieren die Unterzeichner. "Immerhin geht es um etwa 200 Wohnungen mit je 75 Quadratmetern ", sagt Silvia Haas aus dem Dreimühlenviertel. Wenn sich schon in der Nachbarschaft ein so schönes Gebäude wie die alte Großmarkthalle anbiete, dann solle sie statt eines Neubaus genutzt werden. Die Stadt habe schließlich bezahlbaren Wohnraum versprochen; und das sei nur auf dem stadteigenen Grund möglich.

Abschied: An der Brienner Straße ist Ende 2020 Schluss.

(Foto: Robert Haas)

"Ich verstehe die Entscheidung des Stadtrates überhaupt nicht", sagt auch Björn Brandstädter aus dem Schlachthofviertel, "wir verlieren potenziellen Wohnraum. Stattdessen bekommen wir ein weit mehr als 30 Meter hohes Bauwerk, was überhaupt nicht hierher passt." Außerdem sei keine Tiefgarage vorgesehen - und das, obwohl Parkraum im Viertel sowieso knapp sei und durch den Neubau mit Hunderten Theater- und Biergartenbesuchern zu rechnen sei. Unter der Halle 1, die als Denkmal stehenbleiben müsse, gebe es Parkplätze zuhauf, Hunderte Autos könnten dort abgestellt, das Theater auch von der Tiefgarage aus beliefert werden. Zudem seit die Halle 1 wesentlich besser an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden .

Christian Stückl, Intendant am Volkstheater, hält wenig von einem Umzug in die Halle 1, sie sei für ihn die zweite Wahl. Das liege nicht an der Halle, sondern an der Umgebung. Ein Theater brauche ein lebendiges Umfeld, solle so nah wie möglich im Zentrum liegen. Auf dem Großmarktareal sei dies derzeit nicht gegeben, und was die Zukunft bringe, noch unbekannt. Der Viehhof dagegen gefalle ihm, sogar sehr: "Das Volkstheater tut dem Viehhof total gut", davon ist er überzeugt, "es soll dort ein lebendiges Viertel entstehen, wo man alles machen kann von Wohnen bis Urban Gardening." Und eben Theater.

Die Debatte

Viehhof-Gelände oder Großmarkthalle - die Standortdebatten um das Volkstheater waren auch parteipolitisch geprägt. Die CSU favorisierte einen Umzug auf das Viehhof-Areal. Die SPD wollte noch im Dezember verhindern, dass man sich so schnell auf einen Standort festlegt. Der Grund: Es gab Bedenken, ob ein Neubau nicht mit dem erklärten Vorhaben, mehr Wohnungen zu bauen, kollidiert. Auch drängte die Sendlinger SPD auf den Zuschlag für die Großmarkthalle. Trotzdem fiel die Entscheidung, die Planungen auf den Viehhof zu beschränken, dann unerwartet mit großer Mehrheit. Die SPD-Fraktion hatte sich kurz vor der Sitzung am 17. Dezember auf den Viehhof geeinigt.lo

Das Kulturreferat hielt sich mit einer Stellungnahme bedeckt. Kulturreferent Hans-Georg Küppers hatte immer wieder gefordert, sich nicht auf einen Neubau auf dem Viehhof-Areal festzulegen, sondern auch die Planungen für die Großmarkthalle zu verfolgen. Die Untersuchungen hätten aber das Ergebnis gehabt, dass "die terminlichen, wirtschaftlichen und nutzerspezifischen Bedürfnisse" sich auf dem Viehhof im Vergleich mit der Halle 1 "mit den geringsten Einschränkungen umsetzen" ließen, hieß es am Mittwoch.

Das Volkstheater soll bis 2020, spätestens aber bis 2023 in den Viehhof an der Tumblingerstraße umziehen. Bis Ende 2020 läuft der Mietvertrag mit dem Eigentümer des jetzigen Theaterhauses an der Brienner Straße. Die Stadt will den Vertrag nicht verlängern, sie hat in das Haus, das früher einmal eine Turnhalle gewesen ist, schon viel Geld gesteckt. Doch dauerhaft waren diese Lösungen nie. Ziel ist es, dass der Spielbetrieb nahtlos ins neue Haus wechseln kann.