Friedliche Party an den Isarbrücken: Mehr als 140.000 Menschen feiern das dritte Fest zum 850. Stadtgeburtstag. Am Samstagabend rückt die Polizei zur Vermisstensuche aus.
Nach den Schauern vom Freitag hätte das Wetter am Samstag kaum besser sein können: trocken und nicht zu heiß. So flanierten am zweiten Tag des Brückenfestes mehr als 140.000 Menschen entlang der Festmeile. Alles etwas ruhiger und gemütlicher als bei den beiden vorangegangenen Partys - so hatten die Organisatoren das dritte der großen Stadtgeburtstagsfeste angekündigt.
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Locker und fröhlich ging es am Samstag an der Isar zu - ganz so, wie es sich die Veranstalter erhofft hatten. (© Foto: Robert Haas)
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Doch Ruhe ist etwas Relatives in einer Großstadt wie München: Entlang der Erhardtstraße und der Steinsdorfstraße konnte man am Samstag noch einigermaßen entspannt an Karussells, einem Bungee-Jumping-Turm sowie unzähligen Futter- und Verkaufsbuden vorbeigehen. Wer Fußbalsam oder Plattenheizkörperbürste aus Ziegenhaar erstehen will, ist hier am richtigen Platz, wo die Festmeile wie eine Verlängerung der Auer Dult wirkt - zu der man sich von der Corneliusbrücke aus übrigens kostenlos in der Kutsche bringen lassen kann.
Zu Hochzeiten drängen sich am Samstagnachmittag nach Polizeiangaben gut 40.000 Menschen auf einmal zwischen den drei Brücken. Am Abend sind es sogar fast doppelt so viele, stellenweise war kein Durchkommen mehr. Schon am Freitag waren trotz des schlechten Wetters insgesamt rund 40.000 Besucher an die Isar gekommen.
Allerdings hatte die Sperrung der drei Isarbrücken am Freitag, dem ersten Ferientag, für ein Verkehrschaos in der Münchner Innenstadt gesorgt. Etliche Kinder kamen zu spät zur Schule oder gar zur Zeugnisvergabe. Erst als die Maximiliansbrücke für Autos und Trambahnen zeitweilig wieder freigegeben wurde, entspannte sich die Lage. Am Samstag lief der Verkehr in der Innenstadt reibungslos - offenbar hatten sich die Autofahrer auf die Behinderungen eingestellt.
La Traviata an der Bushaltestelle
Ruhig und besinnlich wird es erst am Samstag spät am Abend, als das Theater Anu im Wald hinter der Maximiliansbrücke seine "Lichtspuren" setzen darf. Am Freitag hatten die Veranstalter vor dem Regen kapituliert, der alle 2000 mit Sand gefüllten Butterbrottüten, in denen eigentlich Teelichter brennen sollten, durchweicht hatte. Wer am Samstag beim Flanieren über die Erhardtstraße Glück hatte, traf den Tenor Anton Klotzner und seine drei Begleiter und Begleiterinnen, die unter dem Dach der Bushaltestelle "Boschbrücke" La Traviata zum Besten gaben - dort, wo sonst der 131er Bus hält. Die Sänger hatten kaum angefangen, schon waren sie umringt von einem Pulk von Zuhörern.
Ansonsten brauchte gute Nerven und viel Geduld, wer durch die Engstellen der Festmeile gehen wollte: die Wehrstraße zwischen Museums- und Praterinsel. Dabei sind genau hier die schöneren Ausblicke auf die Isar zu erhaschen. Vor allem die tagsüber unscheinbaren Wasserspiele an der Mariannenbrücke verzauberten nach Einbruch der Dunkelheit die Zuschauer. Die Kinder tummelten sich am Vater-Rhein-Brunnen und im Piratenschiff dahinter, ließen sich im Garten des Alpenvereins anseilen oder wagten sich unterhalb des Kabelstegs an ein "Landart"-Projekt: eine Blume aus bemalten Steinen.
Zum Entspannen stehen überall entlang der Isar knallig orange Liegestühle, gesponsert vom Münchner Abfallwirtschaftsbetrieb, der mit dem gewagten Slogan "Da liegen sie richtig" auf seine Aktion aufmerksam macht. 1000 Stühle waren es einst, und sie sollten eigentlich erst am Sonntag, nach Ende des Festes, neue Besitzer finden. Doch schon in der Nacht auf Samstag haben so viele den Isarstrand auf Nimmerwiedersehen verlassen, dass die Organisatoren mit handgeschriebenen Zetteln flehen, die Stühle doch bitte stehen zu lassen. Drei Jugendliche, die sich mit Liegen vom Festgelände entfernt hatten, wurden sogar festgenommen.
Samstagabend, gegen 22 Uhr, musste die Polizei noch zu einem Großeinsatz ausrücken: An der Boschbrücke, am Hintereingang des Deutschen Museums, hatte sich ein Italiener seiner Kleidung entledigt und seinen vier Freunden zugerufen, er werde jetzt ein Bad in der Isar nehmen. Dann sprang er von der Brücke. Nachdem ein Passant den Mann als vermisst gemeldet hatte, suchte eine Einsatzhundertschaft der Polizei links und rechts der Isar an den befestigten Ufern nach dem Italiener - bis nach 23 Uhr ohne Erfolg. Nachdem die Beamten bis Sonntagmittag keine Vermisstenanzeige erreicht hat, gehen sie inzwischen davon aus, dass es sich um einen Fehlalarm handelte und der Italiener mit seinen Freunden längst im Trockenen sitzt.
(SZ vom 04.08.2008/af)
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Dem muss ich mich anschließen: Wenn an einem Samstag Abend am Augustiner-Stand in München (!) das Bier (Helles und Weißbier) ausgeht dann ist da schon was extrem faul. Wahrscheinlich hat es die Polizei selbst getrunken, damit sie sich nicht mit den Besoffenen rumschlagen muss...
Ansonsten fand ich es ein ganz nettes Festl.
Manuel
Ich war auf dem Fest am Samstag und die ungetrübte positive Darstellung kann ich nicht so stehen lassen. Es war bezüglich Verpflegung einfach dilettantisch organisiert.
Extrem wenige Getränkestände mit nicht sehr motivierten Verkäufern, riesen Schlangen davor, so dass man bis zu 30 Minuten für ein Bier angestanden ist. Ähnliche Zustände bei den Essenständen, die die übliche Jahrmarkt Verpflegung verkauft haben.
Aber man konnte sich ja auch noch sonstiges Nützliches kaufen, und das ohne langes Anstehen: Socken, Kräutertee und Seifen. Ein wirklich einmaliges Angebot. Gratulation zu dieser ausgewogenen Angebotspalette.
Für das nächste große Fest kann man ja noch mal 50 Jahre planen: anscheinend auch notwendig.
Wirklich gut war der Zeittunnel und die Wanderung über den Kabelsteg (der ist aber auch sonst eine Wanderung wert).
Servus
Nein, ich habe mich noch nicht erholt! Immer noch leide ich unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, nachdem ich am Samstag auf dem Isarbrückenfest gewesen bin. Im Programm war zu lesen: "....so romantisch war München noch nie....." Insofern, ich war ausgesprochen motiviert, diese Veranstaltung zu erleben. Doch kaum bin ich da, fällt mein erster Blick auf einen Stand mit Hornhautcreme - wo bitte bin ich hier????
Die Autorin schreibt: "..... wer Fußbalsam oder Plattenheizkörperbürste aus Ziegenhaar erstehen will, ist hier am richtigen Platz". Pardon, aber warum sollte man deshalb Gast sein auf dem angeblich so romantischen Isarbrückenfest? Ist jemand ernsthaft mit der Erwartung dorthin, er werde dort Fußbalsam kaufen???? Übrigens: es gab auch Besen. Und es gab auch die Auer Dult. Deren Stände mussten sich nun wirklich nicht noch auf die Corneliusbrücke ausweiten.
Bude reihte sich an Bude und man hatte das Gefühl, man sei auf einer Veranstaltung, die ein bisschen so sein will wie das Oktoberfest und der Christkindlesmarkt in Nürnberg. Dazu donnerte unerträgliche Musik - Ballermann lässt grüßen - viele Gäste hielten sich die Ohren zu. München, geht es noch romantischer?Zu lesen war, dass dieses "Konzept" seit Ende 2006 überlegt worden war. Da hat ja eine Hornhautcreme mehr Fantasie als die Organisatoren.
Möglicherweise hat die Autorin einen Helikopterflug über das Fest gemacht oder Ihren Bericht aus Meldungen zusammengeschrieben oder die SZ will es sich mit der Stadt nicht verscherzen oder sie hat ein Faible für Katastrophen oder was weiß ich - sie, die Autorin, wüsste sonst um den Horror, den man erleben musste. Besonders als man durch die so genannten Engstellen durchgeschoben wurde. Bei dem hohen Aggressivitätsfaktor ist es wirklich ein Wunder, dass es nicht zu Schlägereien kam - aber vielleicht waren die Menschen auch einfach nur zu erschöpft oder standen unter Schock. So wie ich eben.
Es bleibt nur zu hoffen, dass möglichst wenige Nicht-Münchner dieses Fest miterlebt haben, denn eine schlechtere Empfehlung als diese Veranstaltung gibt es nicht. Wir Münchner wissen ja, was wir an dieser Stadt haben - dass aber solche Abgründe in ihr stecken, das wussten wir noch nicht.
Ich werde wohl zeitnah ein Melissenbad nehmen. Und freue mich, dass ich überlebt habe.
Ich glaub, ich war auf dem falschen Fest: Als ich dort am frühen Samstag Abend war, war's furchtbar langweilig: ein Stand mit Schokofrüchten, einer mit Bier, einer mit Würtschen, mit Schokofrüchten, mit Bier... Und die komischen 850-Jahre-München-Einstaubchen-Buden nicht zu vergessen!
Und irgend ein unbegabter Schreihals gab seine Robbie-Williams-Interpretation an der Reichenbachbrücke zum äh Besten.
Ich mag München, aber nach dem furchtbar öden Altstadtringfest hatte ich jetzt auf mehr gehofft.