Wenn die Temperaturen auf 30 Grad klettern, springt mancher Münchner auf der Suche nach Abkühlung in die Isar. Das Gesundheitsamt rät jedoch, in den Seen schwimmen zu gehen und den Fluss wegen möglicher Keime zu meiden.
An warmen Sommertagen funkelt die Isar besonders verführerisch. Wenn die Temperaturen auf 30 Grad klettern, bevölkern hunderte Münchner das Flussufer und einige springen auf der Suche nach Abkühlung in das türkisfarbene Wasser.
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Dem Münchner Gesundheitsamt bereitet dieses Badevergnügen jedoch Bauchschmerzen. Obwohl die Wasserqualität der Isar in diesem Jahr bisher für relativ gut befunden wurde, weist die Behörde auf Gesundheitsrisiken für Isar-Schwimmer hin.
"Die Belastung durch Keime ist noch immer zu hoch, als dass wir den Fluss als Badegewässer ausweisen könnten", sagt der Umweltmediziner Hubert Maiwald vom Referat für Gesundheit und Umwelt, das für die Überwachung der Gewässerqualität im Stadtgebiet zuständig ist. Alle zwei Wochen sammelt Maiwald Proben in Flüssen und Badeseen. Im Labor werden sie dann auf ihre Keimbelastung hin untersucht. "Eine Grenzwertüberschreitung haben wir dieses Jahr bisher nicht gemessen", berichtet der Umweltmediziner. "Für Badende besteht also keine akute Gesundheitsgefahr.
Dennoch gibt es ein Restrisiko. Wer in der Isar schwimmt und Wasser schluckt, kann sich mit einer Magen-Darm-Erkrankung infizieren." Die Messergebnisse seien mit Vorsicht zu genießen: "Das Wasser, aus dem die Proben entnommen wurde, befindet sich schon in der Donau, wenn die Laboruntersuchung abgeschlossen ist. Starke Schwankungen der Keimbelastung können sich aber schon innerhalb eines Tages ergeben."
Vor allem der Platzregen am Isaroberlauf kann die Keimbelastung sprunghaft steigen lassen. Das Regenwasser sickert in die Kanalisation und wird dann in die Kläranlagen geschwemmt. Doch längst nicht alle Gemeinden, die ihre Abwässer flussaufwärts in die Isar leiten, verfügen über ausreichend große Rückhaltebecken, um mit solchen Wassermassen fertig zu werden.
Immer wieder behelfen sie sich daher mit einer "Mischwasserentlastung" und leiten die Kanalisationsabwässer ungereinigt in die Isar. Auch die UV-Lichtanlagen, mit Hilfe derer Keime abgetötet werden, sind dann nutzlos.
Neben Infektionsrisiken sprechen auch Unfallgefahren nach Ansicht des Gesundheitsexperten Maiwald gegen ein Bad in der Isar. "Gerade kleine Kinder können von Stromschnellen fortgerissen werden, selbst wenn sie nur im flachen Wasser plantschen", warnt er. Noch gefährlicher sind die Würm und der Eisbach. Für beide gelten daher strikte Badeverbote im Stadtgebiet.
Generell empfiehlt das Gesundheitsamt den Münchnern, zur Erfrischung statt der Flüsse die Badeseen aufzusuchen. "In stehenden Gewässern ist die Wasserqualität wesentlich konstanter", erklärt Maiwald. "Unsere Messergebnisse sind damit aussagekräftiger."
Doch auch in Badeseen kann sich die Keimbelastung im Laufe der Sommersaison erhöhen. "Je schöner das Wetter, desto schlechter die Wasserqualität", sagt Maiwald. "Denn Badegäste schleppen Bakterien ein, die sich bei warmen Temperaturen besonders gut vermehren." Frisch aufgetragenes Sonnenöl sei ein weiteres Problem. "Beim Schwimmen wird es abgewaschen und auf der Wasseroberfläche bildet sich ein dünner Film, der den Sauerstoffaustausch des Sees behindert."
Gesundheitsbewusste Schwimmer sollten also gegen Ende der Badesaison auch gut besuchte Seen wie den Lerchenauer See und den Riemer Badesee meiden und sich stattdessen in abgelegenen Gewässern erfrischen. Zum Beispiel im Regatta See. "Richtig idyllisch ist es da", schwärmt Maiwald.
(SZ vom 10.7.2006)
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