1860-Torwart Michael Hofmann versucht, Fans am Telefon zurückzugewinnen. Ein Gespräch über Leidensfähigkeit.
Michael Hofmann spielt seit 1996 beim TSV 1860 München. Als er mitbekam, dass in den letzten Monaten viele Fans ihre Vereinsmitgliedschaft gekündigt haben, machte er bei der Mitglieder-Rückholaktion mit, die der Verein gestartet hatte und versuchte am Telefon, die Mitglieder zurückzugewinnen.
"Löwen-Fans müssen einfach leidensfähiger sein": 1860-Torwart Michael Hofmann. (© Foto: dpa)
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sueddeutsche.de: Herr Hofmann, sind die Sechzig-Fans so etwas Besonderes, dass sie sogar von Spielern angerufen werden?
Michael Hofmann: Ich bin in einer Gegend groß geworden, in der es einen "Löwen-Hype" gegeben hat, damals in den Sechziger Jahren, als die Mannschaft Starkult in der Stadt hatte. Als ich dann mit meinem ersten Verein Bayreuth das erste Mal im Grünwalder Stadion gegen 1860 gespielt habe, da habe ich gemerkt, wie stark das Gemeinschaftsgefühl dort ist. Ich habe es genossen, das als Spieler miterleben zu können.
sueddeutsche.de: Wie stehen Sie zum neuen Stadion?
Hofmann: Es ist unser Arbeitsplatz. Die Arena ist trotz unserer manchmal durchwachsenen Leistungen nach wie vor gut besucht. Dass einige Fans lieber im Grünwalder Stadion spielen wollen, kann ich verstehen, das Stadion ist bei vielen eine Herzensangelegenheit. Aber man hat Pläne und Verträge geschlossen. Manche Dinge darin wurden von einigen Herren vielleicht etwas blauäugig abgeschlossen. Da können die Fans nichts dafür, da können die Spieler nichts dafür und da kann auch die jetzige Führungsriege nichts dafür.
sueddeutsche.de: Warum ist es so toll, 1860-Fan zu sein?
Hofmann: Löwen-Fans müssen einfach leidensfähiger sein. Als Bayern-Fan zum Beispiel hat man es leichter. Der FC Bayern gewinnt in der Saison siebzig Prozent seiner Spiele. Fans, die sich zu Sechzig bekennen, beweisen Treue, auch viel Leidensfähigkeit. Sie freuen sich auch über kleinere Dinge - wenn mal ein Spielzug gelingt oder ein Elfmeter gehalten wird oder so. Da tobt das Stadion.
sueddeutsche.de: Haben Sie ein bestimmtes Ereignis in Erinnerung?
Hofmann: Zum Beispiel in der Saison 2004/2005 am letzten Spieltag, wir waren kurz davor aufzusteigen. Es war das letzte Spiel im Grünwalder Stadion, die Stimmung war unglaublich! Das muss man mal hautnah miterlebt haben, wenn 25.000 im Stadion zusammen leiden und zittern und fiebern. So etwas bleibt einem immer im Kopf.
sueddeutsche.de: Die Fans mussten in den letzten Wochen wieder einiges mitmachen...
Hofmann: Das stimmt. Ich verstehe auch Fans, die sagen, sie brauchen mal eine Auszeit von uns. Aber ich glaube, ein Sechzig-Fan kommt auch immer wieder. Die vergangenen Jahre haben das gezeigt, immer wenn wir kurz vorm Abgrund standen, vor dem Abstieg waren die Stadien voll. Jedes Mal über 40.000 Zuschauer in der Zweiten Liga! Unsere Fans lieben ihren Club, verzeihen wirklich viele Fehler von den Spielern, Trainern und auch von der Führungsriege. Sechzig ist einfach Wahnsinn!
sueddeutsche.de: Wenn Sie jetzt kein Spieler wären, sondern Sechzig-Fan - wann wäre für Sie die Schmerzgrenze erreicht?
Hofmann: Meine Schmerzgrenze wäre wahrscheinlich dann erreicht, wenn finanziell wieder ein Chaos entstehen würde. Da haben wir in der Vergangenheit nicht immer ein glückliches Bild abgegeben. Aber danach sieht es im Moment ja nicht aus. Die Fans werden uns nie den Rücken kehren. Die sportliche Leitung hat einige Neuzugänge angekündigt und ich hoffe, dass die Fans uns treu bleiben und dass weiterhin gute Stimmung herrscht.
sueddeutsche.de: Was können die Spieler dafür tun?
Hofmann: Wir als Mannschaft müssen zeigen, dass wir uns bemühen, dass wir wirklich unser Bestes geben und ehrlich kämpfen, als Mannschaft zusammen stehen. 1860 München ist ein Mythos, der nach wie vor lebt. Man muss ihn nur durch sportlichen Erfolg wieder richtig zum Glühen bringen.
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(sueddeutsche.de/sonn/cmat)
Kapitalabzug aus Südeuropa
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Nein! Ich habe mein Leben lang zu 60 gestanden, wie auch zu St. Pauli. Die Stimmung früher auf dem Heiliggeistfeld wie auch im Grünwaldstadion war immer ein Erlebnis, wie es große Stadien nicht bieten können. Sachzwänge haben halt in München und Hamburg zum Umzug ins große Stadion geführt. Leider habe ich dieses Gefühl noch nicht spüren können, da ich an den Wochenenden von Fr. bis So. einen 14-Stunden Arbeitstag habe. Soviel zur Stimmung.
Zur Leistung: Den Einkauf von Spielern sollte man den Trainern überlassen. Sie müssen schließlich die Mannschaft optimal aufeinander einstellen. Heute brauchen wir keine Egoisten (sind natürlich auch wichtig) mehr, sondern Teamplayer gefragt. Schnelle, effiziente Spielzüge können nur aufeinander eingespielte Mannschaften siegvoll beenden. So. Und warum ich immer noch 60er-Fan bin und bleibe: Ein gestandenes, bayerisches Mannsbild steht nicht auf die großkopferten Münchner, sondern auf 60, den Club und Unterhacing. Da ist noch Fannähe angesagt und eine familiäre Atmosphäre. Die bietet kein großer Verein!