Internationales Restaurant Westend "Rocks & Herbs" Schoko-Pfiff und sexy Fisch

Hipster-Kulinarik im Westend? Das gibt es. Das "Rocks and Herbs" bietet Küchenfinesse für Gaumen und Augen, überzeugt mit ausgefallenen Geschmackserlebnissen - leistet sich dabei jedoch auch die eine oder andere Schwäche.

Von Tobias Dorfer

Seit Jahren wird das Westend immer wieder als das kommende In-Viertel bezeichnet. Passiert ist diesbezüglich bislang recht wenig, wenn man mal von den gestiegenen Mieten absieht. Und doch haben sich zwischen Heimeranplatz und Hackerbrücke einige gute Restaurants etabliert.

Cocktails gibt es eine Menge im "Rocks and Herbs" - zum Beispiel den "Pimm's Cup No. 1" mit Pimms-Likör, Ginger Ale und Gurke.

(Foto: Simon Leonhardt)

Die ersten Eindrücke vom Rocks and Herbs in der Ligsalzstraße sind positiv. Die Bilder der "Food-Kompositionen" auf Facebook machen Lust auf einen Besuch, das Preis-Leistungsverhältnis scheint auf den ersten Blick in Ordnung zu sein - und gut besucht soll das Lokal, wie man hört, auch sein. Höchste Zeit für einen Test. Sind hier gar schon die gesamten Hipster Westmünchens versammelt?

Eines wundert schnell: Als wir zwecks Reservierung am Freitagabend gegen 18 Uhr anrufen, sagt man uns: kein Problem. Warum, das sehen wir zweieinhalb Stunden später: Wirklich voll ist es im Rocks and Herbs, das sich in zwei Teile - einen Bar- und einen Restaurantbereich - gliedert, nicht. Im Restaurantbereich sind gerade einmal drei Tische belegt. Und das zur Hauptausgehzeit? Seltsam.

Dabei kann man sich hier tatsächlich wohlfühlen. Vor allem der Barbereich versprüht ein angenehmes Ambiente, hier ist der Auslastungsgrad auch deutlich höher. Der Raum, in dem die Speisen serviert werden, ist in einem gemütlichen Rotton gehalten, er wirkt nicht vollgestopft - nur der Stuck an der Decke sieht verdächtig nach Obi aus.

Der Kellner ist prompt zur Stelle. Wir entscheiden uns für ein Tatar vom schottischen Lachs, der auf eine Avocadocreme gebettet ist und mit Mangomayonaise gereicht wird (10,50 Euro). Eine gute Wahl. Das Tatar schmeckt frisch und die angenehm zurückhaltend gewürzte Avocadocreme lässt den Fischgeschmack gut durchkommen. Highlight ist jedoch die Mangomayonaise, die - obgleich ihrer leichten Senfigkeit - mit ihrer angenehmen Säure gut dazu passt.

Weniger Eindruck hinterlässt die getrüffelte Maronensuppe (4,90 Euro), die ziemlich samtig aber auch ein wenig fad daherkommt und sicherlich etwas mehr Salz und Pfeffer vertragen hätte. Leider befindet sich davon nichts auf dem Tisch - und als der Kellner mal wieder vorbeischaut, ist die Suppe bereits halb ausgelöffelt. Aber dann werden Pfeffermühle und Salzstreuer schnellstens nachgereicht.

Als Hauptgang lassen wir Tagliatelle mit Rehragout kommen - ein Gericht, das laut Speisekarte mit Quitten, Feigen und jungem Parmesan verfeinert ist. Die Nudeln sind perfekt al dente, das wunderbar zarte Rehragout schmilzt förmlich auf der Zunge.

Einziges Manko: Die Quitten und Feigen suchen wir verzweifelt auf dem Teller. Tomaten lassen sich herausschmecken, auch Sellerie - aber die Fruchtnote, auf die wir uns schon so gefreut hatten, will uns einfach nicht auffallen. Immerhin, die Portion ist mehr als ordentlich - und 12,60 Euro ein angemessener Preis.

Nullkommanull auszusetzen gab es dagegen an den Bäckchen vom Steinbeißer, die mit grünem Spargel und einem Kürbis-Kartoffelpüree serviert werden (17,60 Euro). Der Fisch ist glasig gebraten und mundet großartig. Der knackige Spargel passt hervorragend dazu und dem Püree schmeckt man an, dass es selbstgemacht ist.

Schoko-Pfiff im Obi-Look

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