Innenstadt Tausende demonstrieren gegen Rassismus

Auch die Glaubensgemeinschaften gingen Hand in Hand (von rechts), etwa Benjamin Idriz (Forum für Islam), Erzpriester Apostolos Malamoussis. Daneben: Stadtdekanin Barbara Kittelberger und die Grünen-Politikerinnen Gülseren Demirel und Katharina Schulze.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Sie bilden eine drei Kilometer lange Menschenkette durch die Innenstadt. Für die wenigen Rechtsextremen, die gekommen sind, haben sie nur Buh-Rufe übrig.

Von Jakob Wetzel

München ist tatsächlich bunt an diesem Sonntagnachmittag, und das liegt am Regen: Eine lange Kolonne vielfarbiger Regenschirme zieht in einem großen Kreis durch die Altstadt, von der evangelischen Bischofskirche Sankt Matthäus am Sendlinger Tor bis zur Israelitischen Kultusgemeinde am Sankt-Jakobs-Platz, vom Münchner Forum für Islam an der Hotterstraße bis zum Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum Sub an der Müllerstraße. Bis etwa Viertel nach zwei: Dann werden die Schirme eingeklappt, die Menschen nehmen sich an den Händen, fünf Minuten lang ist der Ring geschlossen.

Ein breites Bündnis aus Vereinen, Religionsgemeinschaften und Gewerkschaften hat zum Weltflüchtlingstag am Sonntag unter dem Motto "Hand in Hand gegen Rassismus - für Menschenrechte und Vielfalt" dazu aufgerufen, eine Menschenkette zu bilden. Mehrere Tausend Münchner sind dem Aufruf gefolgt; die Polizei spricht von 3500 Teilnehmern. Ähnliche Demonstrationen gab es am Sonntag in Berlin, Hamburg und Leipzig.

Eineinhalb Stunden lang haben es die Münchner Teilnehmer zuvor im strömenden Regen auf dem Stachus ausgehalten, um dort fast einem Dutzend Rednern zuzuhören. "Bei diesem Sauwetter" kenne man das sonst nur vom Public Viewing beim Fußball, sagt der katholische Bischofsvikar Rupert Graf zu Stolberg.

Pegida und Co. "sind nicht das Volk"

Die Europameisterschaft bewegt auch Claudia Roth (Grüne): "Boateng, Özil und Khedira sind Deutschland", ruft die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags. "Und Can und Schweini sind auch Deutschland!" Wer die Vielfalt aussperren wolle, sei selbst nicht integriert und angekommen in der multikulturellen Gesellschaft. "Aber wir sind hier, und wir sind viele!" Man müsse sich gegen die Rechtsextremen zur Wehr setzen. Die gäben vor, die Heimat schützen zu wollen. Tatsächlich würden sie "unsere geistige Heimat in Brand stecken", sagt Roth.

Die Berichterstattung in den Medien sei geprägt von ein paar Pegida-Demos und einer Partei, die sich Alternative nenne, aber schlichtweg rassistisch und ausländerfeindlich sei, sagt später der DGB-Vorsitzende in Bayern, Matthias Jena. "Aber die sind nicht das Volk, sondern eine lautstarke Minderheit. Die Mehrheit sind die vielen ehrenamtlichen und hauptberuflichen Helfer, die sich seit Wochen und Monaten engagieren."

Auch eine Handvoll Rechtsextremer sind gekommen; sie stehen am Rand des Platzes Richtung Sonnenstraße, Polizisten in voller Montur schirmen sie von den anderen Demonstranten und ihren "Buh"- und "Haut ab"-Rufen ab. Die Beamten sprechen schließlich einen Platzverweis aus. Mehr sei nicht vorgefallen, heißt es aus dem Polizeipräsidium.

Vor der Kundgebung hatte bereits ein anderes Bündnis zu einer Demonstration am Hauptbahnhof gegen das geplante bayerische Integrationsgesetz aufgerufen. Die der Polizei zufolge 850 Demonstranten gingen im Anschluss an ihre eigene Kundgebung zum Stachus. Um 13.30 Uhr haben hier alle Redner gesprochen. Die Teilnehmer ziehen los, zunächst zum Promenadeplatz, dann zur Michaelskirche, wo schwarzgekleidete Männer von der "antifaschistischen Aktion" ihre Fahne schwenken, und weiter zum Färbergraben und von dort auf die vorgesehene Route. Die Strecke sei wegen des Wetters und der Teilnehmerzahl gekürzt worden, heißt es von den Veranstaltern. Die Menschenkette ist am Ende mehr als drei Kilometer lang.

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