Innenstadt Neuer Pop-up-Store eröffnet am Rindermarkt

Im Ruffinihaus am Rindermarkt richtet Textildesignerin Stephanie Kahnau ihren Pop-up-Store ein, in dem sich auch andere Labels präsentieren.

(Foto: Stephan Rumpf)

Mindestens drei Monat lang soll es im Ruffini's Designer-Kleidung von kleinen Modelabels zu kaufen geben.

Von Franziska Gerlach

Dieser Stadt wurde schon so vieles nachgesagt. München, das ist die Heimat des Chichi und der geldigen Bussi-Bussi-Gesellschaft, die dicke Schlitten fährt und teure Markennamen mit gutem Stil gleichsetzt - und eine Stadt, in der es für kleine Designer praktisch unmöglich ist, an Verkaufsflächen im Zentrum zu kommen.

Doch nun tut sich etwas: An diesem Mittwoch um 19 Uhr eröffnet ein zweiter Pop-up-Store. Ruffini's heißt der Laden, den die Textildesignerin Stephanie Kahnau in dem ehemaligen Museumsladen des Lenbachhauses im Ruffinihaus betreibt. Und ähnlich wie bei den Kreativen, die seit einigen Wochen die städtische Fläche an der Maximilianstraße 33 nutzen, fällt dafür keine Miete an.

"Ich erhoffe mir davon, ein wenig präsenter in München zu sein und das Label bekannter zu machen", sagt Textildesignerin Kahnau. In ihrem Atelier an der Schwanthalerstraße werde sie kaum gesehen, am Rindermarkt kämen vielleicht auch "Ur-Münchner" vorbei, oder Touristen, die ein Mitbringsel suchten.

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Mindestens drei Monate will sie auf den 30 Quadratmetern ihre Kollektion verkaufen - ein Testlauf. "Es ist eine gute Lage", sagt sie. "Aber keine Garantie dafür, dass es gut läuft." Zudem holt sie sich befreundete Labels in das 30 Quadratmeter große Geschäft. Die Fattoria Pilloni bietet Teppiche an, die in einer Manufaktur in Sardinien gewebt werden. Künstlerbücher der Edition Taube sind zu haben sowie Mode von Milli Monka.

Berührungsängste? Immer weniger

Möglich gemacht hat die beiden Zwischennutzungen, sowohl das Ruffini's als auch die Zwischennutzung an der Maximilianstraße, das im Herbst 2014 gegründete städtische Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft, das mit dem Referat für Arbeit und Wirtschaft, dem Kulturreferat und dem Kommunalreferat zusammenarbeitet. "Wir nehmen eine Brückenfunktion wahr zwischen kreativen Szenen und Stadtverwaltung", sagt Jürgen Enninger, der das neunköpfige Team leitet.

Berührungsängste? Immer weniger. Die Verwaltung denke jetzt schon immer auch an die Kreativen, wenn eine Immobilie frei werde, sagt Enninger. Was ihn besonders freut: Die Denkmalschutzbehörde hat erlaubt, am Ruffinihaus die Wortmarke "kreativ@muenchen" anzubringen, inklusive @-Zeichen. "Das ist für mich ein kleines Signal, dass man nun einen Schritt weiter gehen will."

Das kreative Potenzial der Stadt sichtbar zu machen, mehr Bewusstsein zu schaffen für eine Branche, der es bislang etwas an Selbstbewusstsein mangelte - auch darum geht es. Bei regelmäßigen Branchentreffen gehen Enninger und seine Kollegen auf Tuchfühlung mit der Film-, Buch- oder Musikbranche, für Touristen sind Führungen zu Orten geplant, an denen Kreativität stattfindet.

Vor allem aber werden die Kreativen fit gemacht für den Markt, etwa durch Social-Media-Seminare - und auch bei der Anmietung von Raum ist das städtische Kompetenzteam behilflich. Gerade erst haben sie Künstler aus den Ateliers an der Baumstraße an die "White Box" vermittelt, ein neues Kreativhaus. Auch in Giesing konnten Designer auf einer Fläche zusammengebracht werden.

Der Münchner hält gerne an Altbewährtem fest, zuweilen fremdelt er

In seiner Stippvisite im Ruffini's sieht der Industriedesigner David Lehmann auch die Möglichkeit, seinen Marktwert zu überprüfen. Obwohl er schon auf mehreren Messen vertreten war, zeigt er seine Sachen nun erstmals in einem Laden - und ist gespannt, wie die Leute etwa auf seinen Kerzenständer reagieren.

Fällt dieser den Kunden auf, nehmen sie ihn vielleicht sogar in die Hand? "Anders als auf Messen kann es nun auch zu einem Kaufentscheid kommen", sagt er, "und dadurch bekommt man auch Bestätigung."

Stephanie Kahnau, die nun von morgens bis abends Kunden beraten wird, sieht die größte Herausforderung darin, die kreative Arbeit an ihrem Label nicht zu vernachlässigen. Erfahrung im Kundenkontakt hat sie bereits, doch sich dauerhaft zu etablieren, ist an der Isar gar nicht einfach.

Der Münchner hält gerne an Altbewährtem fest, zuweilen fremdelt er Neuem gegenüber sogar. "Wenn man es dann irgendwann geschafft hat, dann kaufen sie auch - aber man braucht auch auf dem Weg Unterstützung."

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