Innenstadt Erstes Picknick nach 400 Jahren in der Alten Akademie

400 Gäste veranstalten im bislang unzugänglichen Innenhof der Alten Akademie ein Picknick.

(Foto: Robert Haas)

Der Innenhof des umkämpften Innenstadtareals war bislang für die Öffentlichkeit unzugänglich. Bei Bier und Prosecco wundern sich 400 Gäste über den herben Charme der Fünfzigerjahre-Verwaltungsbauten.

Von Franz Kotteder

Am Anfang steht die Entscheidung: bayerisch, Prosecco oder vegan? Jeder der 400, der an diesem Samstagnachmittag zum Picknick in den Schmuckhof der Alten Akademie kommen darf, bekommt nämlich einen Picknickkorb überreicht. Und der enthält wahlweise eine bayerische Brotzeit mit Bier und Limo, ein kleines Prosecco-Dinner oder vegane Spezialitäten.

Signa, die Unternehmensgruppe des österreichischen Großinvestors René Benko, lässt sich nicht lumpen, wenn es darum geht, ins schönste Licht zu rücken, was sie mit der Alten Akademie vorhat. Den südlichen Teil des Areals hat sie vom Freistaat Bayern 2013 für 65 Jahre im Erbbaurecht übernommen. Dort, wo früher auf gut 6000 Quadratmetern das Statistische Landesamt und Einzelhandelsgeschäfte untergebracht waren, sollen nun auf zwei Dritteln Handel und Gastronomie Platz finden. Der Rest wird Wohnungen und Büros.

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Bis dahin ist freilich noch ein weiter Weg. Aber um für das Projekt zu trommeln, hat Signa über soziale Medien schon mal in "ein Schmuckstück namens Schmuckhof" eingeladen, so ihr Pressesprecher Robert Leingruber. Und nachdem das Wetter auch noch passte, versammeln sich die vom Kreisverwaltungsreferat zugelassenen 400 überwiegend jungen Gäste und Familien auf dem extra verlegten Rollrasen, fläzen sich in Liegestühlen oder auf bereitgestellten Picknickdecken, holen sich Crêpes oder einen Espresso von den Bars oder warten, bis am Abend dann der Spielfilm "Dampfnudelblues" auf der großen Leinwand gezeigt wird.

Der Rollrasen ist nötig, denn der mit Kopfsteinpflaster ausgelegte Innenhof direkt neben der Michaelskirche ist selbstredend denkmalgeschützt, wie praktisch alles hier. Viele der Gäste verstehen das nicht so ganz. "So richtig hübsch sind diese Fünfzigerjahre-Verwaltungsbauten ja nicht", meint ein junger Mann, "ich dachte immer, die Alte Akademie hätte 400 Jahre auf dem Buckel."

Hat sie aber nur zum Teil, denn nach den Kriegszerstörungen musste vieles neu aufgebaut werden, das aber jetzt auch schon wieder unter Denkmalschutz steht. Die Verhandlungen mit der Stadt und den Behörden des Freistaats macht das nicht leichter. Davon kann zum Beispiel Florian Volkmann ein Lied singen. Heute ist er mit seiner Frau und der kleinen Tochter da, normalerweise ist er Projektsteuerer und im Auftrag von Signa hier tätig. Besonders wurmt es ihn, das kann er nicht verbergen, dass man der Stadt im Areal eine öffentliche Fahrradtiefgarage für ein paar Millionen Euro bauen will. Die Verwaltung ist aber nach wie vor skeptisch, ob es so etwas in einer Radlhauptstadt an dieser Stelle überhaupt braucht.

Annika, 34, und Jennifer, 26, finden jedenfalls, dass es so einen öffentlichen Innenhof schon braucht, nachdem der stolze 400 Jahre lang praktisch nicht zugänglich war für die da draußen. "Hier in einem Café zu sitzen", sagt Annika, "das kann ich mir an einem Sommerabend schon vorstellen." Also, Mission erfüllt: Genau das ist es ja, was Signa mit seinem Picknick zeigen wollte.

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