Innenminister begrüßt Flüchtlinge Unter dem Schutz des Staates

Im Rahmen einer europaweiten Initiative gewährt München christlichen Flüchtlingen aus dem Irak Schutz. Die ersten sind da.

Von Varinia Bernau

Sie haben mehr als nur einmal Glück gehabt: 10 christliche Flüchtlinge aus dem Irak sind am Montagabend in einem Wohnheim in Daglfing eingetroffen. Sie sind die ersten von etwa 375 irakischen Flüchtlingen, denen der Freistaat Bayern im Rahmen einer europaweiten Initiative Schutz gewährt - und, anders als Asylbewerbern, eine zunächst auf drei Jahre befristete Aufenthaltserlaubnis gibt. Mit diesem Titel können die Flüchtlinge sofort nach Arbeit und einer Wohnung suchen und einen Integrationskurs belegen. Auch Sozialhilfe steht ihnen zu.

Solch eine Ausgangslage bietet sich längst nicht allen irakischen Flüchtlingen, die nach München kommen. Etwa 1000 leben derzeit in der Stadt, so viele wie aus keinem anderen Land, so die Schätzung von Rudolf Stummvoll vom städtischen Flüchtlingsamt. Monatlich kommen etwa 40 irakische Flüchtlinge hier an - und begeben sich in das langwierige Asylverfahren. Anders als für Christen sind die Erfolgsaussichten dabei für Muslime schlecht, weiß Alexander Thal vom bayerischen Flüchtlingsrat.

Schwebezustand ohne Perspektiven

Eine politische oder persönliche Verfolgung nachzuweisen, sei aussichtslos, wenn, so wie im Irak, bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen - und Bomben und Selbstmordattentäter jeden treffen. Zwar werden wegen dieser Gefahren derzeit kaum Iraker abgeschoben, doch die Duldung, mit der viele leben, ist ein Schwebezustand ohne Perspektiven: Alexander Thal weiß von Flüchtlingen, die bereits Arbeit und eine eigene Wohnung gefunden hatten - und diese mit dem entzogenen Asyl abgeben mussten, um in ein Flüchtlingsheim zu ziehen, ohne jegliche Aufgabe. Der Flüchtlingsrat nennt die Begrüßung, die Innenminister Joachim Herrmann den christlichen Flüchtlingen am Montagabend machte, deshalb "Zynismus pur".

Die Stadt geht davon aus, dass etwa die Hälfte der für Bayern vorgesehenen Flüchtlinge in München bleibt. Das liege vor allem daran, dass die chaldäische Gemeinde hier sehr stark sei. Die Kirche hatte sich für die Aufnahme der irakischen Christen ausgesprochen und wird ihnen ebenso wie der Münchner Flüchtlingsrat bei der Integration helfen. In dem Wohnheim sollen sie nur die ersten Monate leben, um hier Fuß zu fassen.