Aber was hält einen Star-Designer in München? "München liegt in der internationalen Designszene ein bisschen im Windschatten." In New York kommen die Leute in seinen Laden und sagen. 'Is Ingo in town? Can we have a drink?' Hier ist das nicht so, hier kann er sich voll auf die Arbeit konzentrieren. Dass er kein soziales Leben in München hat, stört ihn kaum.

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Es scheint, als ob sich Maurer mit seinem abgeschiedenen, anonymen und arbeitsreichen Leben in München arrangiert hat. Und dennoch jeden Ausbruch in die Metropolen der Welt in vollen Zügen genießt. Ein echter Teil von München will er nicht sein. Schmunzelnd gesteht er: "Das schönste Kompliment für mich war, als jemand in meinem Showroom gesagt hat: 'Man kommt sich hier überhaupt nicht wie in München vor.'"

Tatsächlich gibt es einen solchen Ort kein zweites Mal in München. Mit seinem "studioshowroomwerkstattatelier" hat Ingo Maurer in der Schwabinger Kaiserstraße ein modernes Elysium des Lichts geschaffen: Glühbirnen mit kleinen, weißen Flügeln ragen von der Decke, LED-Lämpchen tanzen über Kristall-Netze und flammende Herzen scheinen von den Wänden. "Endlich ein Ort, der das Herz erfreut und der mit Sicherheit zum Treffpunkt der unruhigen Geister aus aller Welt werden wird. Und das in München, man glaubt es kaum." Das hat Florian Hufnagel, Direktor der Neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne, über den im Dezember 2008 eröffneten Showroom gesagt.

"München ist reich, satt, aber hat keinen geistigen Hunger."

Möchte Maurer auch kein Teil von München sein - New York fühlt er sich verbunden. Liebe auf den ersten Blick war es, als er dort 1960 als junger Designer ankam. Seitdem hat ihn die Stadt nicht mehr losgelassen. Im Stadtteil Tribeca richtete er sich einen zweiten Wohnsitz ein und eröffnete einen Lampen-Laden.

Maurer braucht das hohe Tempo in Städten wie New York oder Berlin: "Da geht das Gehirn doppelt so schnell." München sei zwar immer ein "schönes Eintauchen", aber "insgesamt ist es mir zu langsam, vom Geist her." Gerade das konservative Denken vieler junger Leute in München erschrecke ihn. "München ist reich, satt, aber hat keinen geistigen Hunger."

Hunger nach Kultur und mehr Lebendigkeit - das wünscht sich Maurer für die Münchner Kulturszene. Für Opportunismus hat er nichts übrig: "Wenn ich zum Beipiel einen dicken Arsch von Rubens toll finde, dann ist das halt einfach so!" Eben das müssten die Münchner lernen, eine andere Meinung zu haben.

Was hält ihn denn seit über 40 Jahren in München? Da wird Maurer ungehalten: "Ja, soll ich alle meine Mitarbeiter einfach wegschicken? Ich entwerfe ja nicht alleine, sondern arbeite mit einem Team aus über 70 Leuten zusammen. Das ist wie eine große Familie - und für die übernehme ich natürlich auch Verantwortung."

Auf die Frage, wie er sich seine Zukunft vorstellt, kommt er auf seinen Tod zu sprechen: "Ich habe da eine merkwürdige Hoffnung: Der Hase im Lauf ... und dann klack, klack, klack - ist er tot."

Wiedergeboren werden will er dann irgendwo anders. Nur nicht in München.

Das "studioshowroomwerkstattatelier" von Ingo Maurer und seinem Team in der Kaierstraße 47 und hat Dienstags bis Freitags von 11 bis 19 Uhr, Samstags von 11 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Tel. 089 - 381 606 91, www.ingo-maurer.com

Die neugestaltete Station Münchner Freiheit wird am Samstag, den 12. Dezember um 11 Uhr offiziell eröffnet.

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  1. Ein Licht im Windschatten
  2. Sie lesen jetzt Im Windschatten der internationalen Designszene
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(sueddeutsche.de/sonn)