Von Lisa Sonnabend

An Münchens hektischstem Ort hat ein Restaurant eröffnet, das passenderweise Mumbai heißt. Im Inneren geht es ruhiger zu - und es gibt Gerichte, die günstig sind, wenn auch nicht ganz so billig wie in Indien.

Die Autofahrer hupen, wenn der Vordermann bei Grün nicht sofort startet, sie streiten sich beim Einparken lauthals um die wenigen Parkplätze, einer fährt beim Rechtsabbiegen beinahe einen Fahrradfahrer über den Haufen. Auf dem Gehsteig dängen sich die Fußgänger, rempeln sich an, der Geräuschpegel ist hoch. Samstagabend auf der Leopoldstraße, der einzige Ort in München, an dem es ähnlich laut und chaotisch zugeht wie in einer Metropole in Indien - und ausgerechnet hier hat nun ein Restaurant eröffnet, das Mumbai heißt.

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Auch der Raum im Inneren ist für Münchner Verhältnisse überdimensional groß - so als müsse das Lokal genug Platz für Millionen von potentiellen Gästen bieten. Mindestens 50 Tische stehen hier, der riesige Raum ist durch kleine Mauern in drei Bereiche abgetrennt. Mehrere Firmen könnten hier gleichzeitig eine Weihnachtsfeier abhalten, mehrere Familien gleichzeitig Hochzeit feiern. Doch im Gegensatz zum Treiben in der Stadt Mumbai geht es im Inneren des Restaurants recht ruhig zu. Nur etwa zwanzig Prozent der Tische sind besetzt, was aber nicht wundert, ist das Lokal erst vor wenigen Wochen eröffnet worden.

In den Ecken stehen goldene Statuen von indischen Gottheiten, die orientalischen Lampenschirme mit Glocken und kleinen Glasspiegeln sorgen für Bollywood-Flair. Die Einrichtung ist also typisch für ein indisches Restaurant der Stadt.

Der Kellner spricht einen mit Sir bzw. Madame an - und breitet dem Gast, wenn dieser ihm nicht zuvorkommt, die Stoffserviette auf den Schoß aus. Aus dem Lautsprecher klingen indische Thumri-Klänge, die sehr stimmungsvoll sind. Es handelt sich um eine Live-CD, nach jedem Lied unterbrochen von einem begeisterten Klatschen, an einer Stelle lacht das Publikum lange. Nur leider wird die Musik immer wieder von einer Gruppe grölender Gäste übertönt, die jedoch zum Glück nach einer Weile weiter in eine der umliegenden Bars auf der Leopoldstraße ziehen.

Die Speisekarte im Mumbai ist so umfangreich wie nur in indischen Lokalen: Rund 100 Gerichte stehen zur Auswahl - ob im Lehmofen zubereitete Tandoori-Gerichte, Hühnchen mit Masala-Soße, Lamm mit Mandel-Safran-Soße, Thalis oder vegetarische Linsen- oder Spinatgerichte. Die Hauptspeisen kosten zwischen neun und 14 Euro. 

Wir beginnen mit Dal-Shorba (3,50 Euro), einer Linsensuppe. Wir hätten sie dickflüssiger erwartet, stattdessen sind die Linsen fein gemahlen, die Suppe ist von einer Konsistenz ähnlich wie eine dünne Erbsensuppe - und schmeckt auch derartig. Wirft man jedoch ein paar Brocken von dem gereichten Vollkorn-Nan-Brot dazu, wird das Löffeln zu einer höchst erfreulichen Prozedur. Dazu haben wir noch den Krabben-Cocktail Mumbai (6,40 Euro) bestellt, der zwar mit indischen Gewürzen angereichert worden ist, aber dennoch vornehmlich nach Mayonnaise schmeckt und somit für kein neues Geschmackserlebnis sorgt.

Zum Trinken haben wir ein Glas Chardonnay (0,2 Liter, 4,90 Euro) sowie ein Glas Lugana (0,2 Liter, 5,90 Euro) gewählt. Der angenehme, leichte Chardonnay überzeugt voll und ganz, bei dem Lugana sind wir dagegen nicht ganz sicher, wie lange die Flasche schon offen stand, er schmeckt ein wenig einfallslos.

Als Hauptgericht haben wir Tandoori Chicken Masala (12,50 Euro) und das Mumbai Thali (13,90 Euro) gewählt. Die Preise sind für Münchner Verhältnisse recht günstig, die Größe üppig und der Geschmack solide.

"Auf Wunsch bereiten wir die Speisen mild, scharf oder indisch-scharf zu", steht auf der Speisekarte. Das Hühnchen in Masala-Soße wurde - ohne dass wir gefragt worden sind - milde gekocht. Äußerst mild. Freunde der Würze würden dazu langweilig sagen, aber auch wir hätten ein wenig mehr gut gefunden.

Beim Thali werden fünf Schälchen mit zwei verschiedenen Hühnchen-Gerichten, einem Gemüsegericht, Salat und dem indischen Joghurt Raita gereicht - sowie ein Nan-Brot. Da wir das Nan vom Krabbencocktail und das Brot von der Linsensuppe noch nicht gegessen haben, türmen sich die Brotkörbe auf unserem Tisch. Beim Thali ist immerhin eines der Töpfchen so scharf, dass wir es dankbar mit dem Joghurt abmildern.

Einer der Kellner hat sich unterdessen in einem Bereich vor dem Ausgang postiert, wo jeder Gast beim Verlassen des Lokals vorbeikommt. Er hält die Handflächen wie beim Beten gegeneinander gepresst, beugt den Kopf nach vorne und sagt jedes Mal , wenn jemand an ihm vorbeigeht: "Namaste." Dann treten wir wieder hinaus auf die Leopoldstraße, zurück in Münchens Mumbai.

Mumbai, Leopoldstraße 42, 80802 München, Tel.: 089/38879472, geöffnet täglich von 11:30 - 2:30 Uhr (durchgehend warme Küche).

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(sueddeutsche.de)