Italienisches Restaurant "Il Borgo" Kein Buona-Sera-Schwabing

Mit seinen Antipasti, Nudelgerichten und Thunfisch-Tatar unterscheidet sich das Restaurant "Il Borgo" von den kulinarisch dürftigen Pseudo-Italienern in Westschwabing.

Von Felix Mostrich

Wenn es irgendwo in München eine erfreulich unprätentiöse Version des Italieners an der Ecke gibt, dann an der Ecke Georgenstraße/Winzererstraße. Das Lokal IL BORGO existiert dort schon seit 18 Jahren, doch von den kulinarisch dürftigen Italo-Kultstätten Westschwabings hat sich das Borgo immer deutlich unterschieden.

Das Borgo in der Georgenstraße.

(Foto: Foto: Catherina Hess)

Dafür trafen sich dort Deutsche, die aus beruflichen Gründen in Italien leben, mit der italienischen Küche also einschlägige Erfahrung haben und darum im pseudoitalienisch durchkolonisierten Buona-Sera-Schwabing kulinarisch nicht heimisch wurden. Im Borgo haben sie etwas von dem wiedergefunden, was sie in Italien schätzen gelernt haben: mit Sorgfalt und Phantasie zubereitete einfache Speisen aus guten Materialien - und das zu angemessenen Preisen.

Antipasti und Nudelgerichte kosten im Durchschnitt 11 Euro, wobei Paste auch in kleinen Portionen zu haben sind. Bei Fleisch-Hauptgängen muss man mit durchschnittlich 18, bei Fisch mit 20 Euro rechnen.

Thunfisch-Tatar wird inzwischen fast überall angeboten. Im Borgo wird der geschabte rohe Fisch vergleichsweise großbrockig serviert, was das Kauvergnügen durchaus erhöht. Das rosige Fleisch ist in Kegelform auf hauchdünne Zucchini-Scheibchen - "Carpaccio!" - gebettet; zur Delikatesse wird es aber erst durch das markante Olivenöl, durch herzhafte Kapern und die darübergemahlenen Meersalzkristalle, die zwischen den Zähnen zersplittern und den Geschmack der umgebenden Teile explodieren lassen.

Eine besonders ergiebige Variante zum Thema Carpaccio hat sich der Borgo-Koch mit Reh einfallen lassen: Er hat einen Rehrücken im Ganzen roh mit Balsamico-Rosmarin-Dressing mariniert, hauchdünn aufgeschnitten und mit Waldbeeren serviert - herrlich!

Natürlich werden Pastasorten im Borgo täglich frisch hergestellt. Nur so bekommen die Nudeln jene locker-feste Konsistenz, die mit saucig-cremigen Substanzen intensive Gemeinschaften eingeht. Der Name der jeweiligen Pasta ist dabei ganz und gar unerheblich; die Form aber beeinflusst den Genuss durchaus. Hocharomatische, schwere Saucen wie Wildschwein- oder Lammragout - im Borgo wird das genüsslich zelebriert - kombiniert man am wirkungsvollsten mit großflächigen Nudeln wie Fettuccine oder Maltagliati.