Hygieneverstöße in Gaststätten "Der Grill hat nichts mit uns zu tun"

Im Hotel Inselmühle in München monierten Kontrolleure den unhygienischen Zustand des Fischgrillstands im Biergarten. "Der hat aber mit uns nichts zu tun", sagt eine Mitarbeiterin. Der externe Betreiber durfte lediglich seinen Stand dort aufstellen. Nach Bekanntwerden der Missstände - unter anderem ist Fisch nicht richtig gelagert worden - habe er seine Hütte sofort abbauen müssen. "Nun steht aber unser Name im Internet. Das ist schädlich", erklärt die Mitarbeiterin.

"Die Kollegen im Außendienst stellen schon eine Unsicherheit bei den Unternehmen fest", sagt KVR-Pressesprecherin Daniela Schlegel. Mehr Beschwerden gegen die Kontrollen als vor der Gesetzesänderung seien aber nicht eingegangen.

Jährlich überprüfen die Mitarbeiter in München bis zu 25.000 Betriebe. Seit September erwischten sie 21, die ein Bußgeld von 350 Euro oder mehr zu erwarten haben. Auf der LGL-Seite erscheinen derzeit nur 18. Drei Unternehmer haben laut Schlegel Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht. Bis die Richter entschieden haben, dürfen ihre Namen nicht veröffentlicht werden.

Angela Bauer vom Restaurant Roeckl, in dem benachteiligte Jugendliche ausgebildet werden, wollte nicht vor Gericht ziehen. "Wenn etwas nicht in Ordnung ist, sollte das auch behoben werden. Die Frage ist nur, wie das veröffentlicht wird", sagt sie. Sie würde sich eine klare Definition der Verstöße wünschen. Immerhin hätten viele Verbraucher Zugriff auf die Informationen: "Dann sollten sie auch so genau wie möglich sein." Bisher haben nach Angaben des LGL knapp 165.000 Nutzer die Seite aufgerufen.

Die Grundlage für die Veröffentlichungen auf der Internetseite www.lgl.bayern.de lieferte eine Novelle des Verbraucherinformationsgesetzes. Sie schreibt vor, dass Verstöße gegen Hygienevorschriften öffentlich gemacht werden müssen, sofern sie ein Bußgeld von 350 Euro oder mehr erwarten lassen.

Die kontrollierende Behörde wird im Netz ebenso genannt wie das Einstelldatum, das Produkt, die Beanstandung, der Betrieb samt Adresse und ob die Mängel bereits wieder beseitigt sind. "Das ist ein wirksames Instrument der Verbraucherinformation", sagt LGL-Sprecherin Katrin Grimmer.