Hygieneverstöße in Gaststätten Schmutzige Geheimnisse

Mäuse in der Küche, vergammeltes Fleisch, versiffte Arbeitsgeräte: Seit September werden Hygieneverstöße in bayerischen Gaststätten im Internet veröffentlicht. Es finden sich bereits zahlreiche Einträge. Betroffene wehren sich.

Von Melanie Staudinger

Wenn die Kontrolleure in der Küche gröbere Verstöße entdecken, lässt sich das im Internet nachlesen.

(Foto: Catherina Hess)

Vergammelte Dönerfleischspieße, Mäuse in der Küche, versiffte Arbeitsgeräte oder Käse, der bei einem Pizzaservice in der Sonne vor sich hin schmilzt: In solchen Gaststätten will niemand essen. Bisher allerdings haben die Verbraucher davon in der Regel nichts erfahren. Seit Anfang September ist das aber anders: Seitdem veröffentlicht das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) Hygieneverstöße im Internet.

Nach knapp drei Monaten finden sich 59 Einträge aus ganz Bayern, davon 18 aus der Stadt München sowie drei aus dem Umland. Vor allem handelt es sich dabei um Imbissbuden und Lieferdienste, aber auch um durchaus bekanntere Gaststätten.

Was Verbraucherschützer als ersten Schritt zu mehr Transparenz in der Lebensmittelbranche feiern, ruft bei den Betroffenen Verunsicherung und Unverständnis hervor. Sie sprechen von einem Hygienepranger, von Rufmord und einer gnadenlosen Ungerechtigkeit. "Ich habe prinzipiell nichts dagegen, dass Missstände aufgedeckt werden", sagt Angela Bauer, Geschäftsführerin des Wirtshaus Roeckl in München. "Wir hatten Mängel, aber auf der Internetseite klingt das viel massiver, als es war."

So schreiben die Lebensmittelkontrolleure des Kreisverwaltungsreferats (KVR) von einem "Schimmelbefall bei Gerätschaften im Verkaufsbereich". Bauer hingegen betont, dass nur eine Auszugschiene einer Schublade am Tresen betroffen gewesen sei. "Das hatte nichts mit der Qualität der Lebensmittel zu tun", sagt sie. Ähnlich argumentiert Petra Kranz, Wirtin des Biolokals Kranz. "Wenn ein halber Zentimeter Silikondichtung an der Spüle fehlt, ist das gleich ein Mangel, der aufgelistet wird", sagt sie.

Was sie aber noch mehr ärgere: Der Gast würde alle Betriebe, die auf der Liste aufgeführt würden, pauschal als unappetitlich abtun, und diejenigen, die nicht drinstünden, als sauber. "Bei denen ist aber vielleicht nur noch nicht kontrolliert worden", sagt Kranz.

Bei Ingrid Sebald-Wendl vom Landhotel Huber am See in Ambach stellten Kontrolleure unter anderem eine zu hohe Keimzahl in der Sahne fest. Gesundheitsgefährdend sei das aber nicht gewesen, erklärt die Gastronomin. Sie empfinde die Veröffentlichung der Prüfung als ungerecht, sogar Gäste hätten sie schon darauf angesprochen. "Dabei gab es bei mir keine gravierenden Verstöße", sagt Sebald-Wendl. Sie verstehe nicht, warum ihr Betrieb gleich bei der ersten Auffälligkeit im Internet genannt werde und selbst nach einer Beseitigung erst ein halbes Jahr später wieder entfernt würde.