Hygienemängel bei Großbäckerei Ungeziefer bei Müller-Brot

Die Hygienemängel bei Müller-Brot sind offenbar schlimmer als befürchtet: Die Lebensmittelkontrolleure fanden in den Betriebsräumen "Schädlinge in erheblichem Umfang" und werfen der Bäckerei starke Verschmutzungen bei den Geräten vor. Das Landratsamt ordnete eine Sanierung an.

Von Katja Riedel, Peter Becker und Frank Müller

Die Missstände in der Neufahrner Zentralbäckerei von Müller-Brot sind offenbar viel gravierender als bislang bekannt war. Die Lebensmittelkontrolleure fanden in den Betriebsräumen "Schädlinge in erheblichem Umfang", wie das Landratsamt Freising am Donnerstag bestätigte. Zudem seien "starke Verschmutzungen bei den für die Lebensmittelherstellung eingesetzten Geräten" festgestellt worden.

Nachdem es noch am Mittwoch geheißen hatte, die Großbäckerei habe freiwillig die Produktion gestoppt, um schwere hygienische Mängel zu beseitigen, betont das Amt nun, die Reinigung sei "lebensmittelrechtlich erforderlich" geworden. Müller-Brot wird offenbar so schnell nicht mehr in Neufahrn backen können, auch wenn sie das in einem Termin mit dem Landratsamt erreichen möchte, das Müller-Brot für den heutigen Freitag in seine Produktionshallen geladen hat.

Die Lösung der Schädlingsproblematik könne "nur durch grundlegende Sanierungsmaßnahmen" bewältigt werden, hieß es aus dem Landratsamt. Es forderte ein neues Reinigungsmanagement mit ausreichenden Zeiten und personellen Kapazitäten. Zugleich wiesen Landratsamt wie Bayerisches Gesundheitsministerium zurück, sie seien zu zögerlich vorgegangen.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Müller-Brot bereits am Montag seine Produktion vollständig gestoppt hat, nachdem Kontrolleure des bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) schwere hygienische Mängel festgestellt hatten. Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) schloss eine Gesundheitsgefährdung für die Kunden der Kette aus.

"Hätten konkrete Gefahren bestanden, dann wäre eine sofortige Schließung angeordnet worden", sagte Huber am Rande des Landtagsplenums der SZ. Nach den Informationen, die dem Ministerium vorlägen, sei aber das Vorgehen, dem Unternehmen erst eine Frist zur Abstellung von Mängeln zu geben, angemessen gewesen. Anlass für fachliche Kritik am Landratsamt sehe er nicht, sagte Huber, räumte aber ein, die Behörde hätte schneller informieren können. Eine Sprecherin des Landratsamts Freising wies von sich, dass ihre Behörde Müller-Brot aus Sorge um die dortigen Arbeitsplätze geschont habe.

Nach SZ-Informationen war die Spezialeinheit des LGL, die am Montag mit insgesamt etwa 20 Mann angerückt war, nicht zum ersten Mal vor Ort, sondern stattete dem Betrieb bereits mindestens den dritten Besuch ab. In der vergangenen Woche seien die Freisinger Lebensmittelkontrolleure schon einmal allein in der Produktionsstätte gewesen.

Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten sorgt sich derweil um die 1100 Arbeitsplätze bei Müller-Brot. Bereits seit Wochen spreche man mit der Geschäftsführung über einen Arbeitsplatzabbau, sagte Gewerkschaftssekretär Mustafa Öz. "Wir machen uns große Sorgen, dass die Geschäftsführung den Produktionsstopp als Feigenblatt benutzen könnte, den ohnehin geplanten Stellenabbau noch stärker zu begründen."

Öz traf sich am Donnerstagmittag mit der Geschäftsführung zu einem zweistündigen Gespräch. Die Waren, die derzeit in den etwa 260 Filialen angeboten werden, habe das Unternehmen bei Konkurrenten zugekauft, sagt Müller-Brot. Den entstandenen wirtschaftlichen Schaden wollte der Konzern nicht beziffern.