Von Claudia Wessel

Unsere Autorin hat einen heißen Tipp für Paare: Einzelzimmer verlangen! Außerdem hat sie auf dem Gang ein paar spannende Entdeckungen gemacht - und verrät, warum was am Easy Palace so toll ist.

Wir betreten das Haus und sind in New York. Die weiten Flure in dem Altbauhaus - dem einzigen in der ganzen Häuserzeile übrigens -, die sehr hohen Räume.

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Die alte Uhr, die an Ketten befestigt im Flur über den Köpfen schwebt, mit aufgemalten Zahlen in Schwarz und Rot, die auch in der Central Station hängen könnte. Die massiven Heizkörper aus Einwandererzeiten. Die alten Türen, von denen die jahrzehntealte, graue Farbe blättert.

Das Haus ist riesig, immer noch mehr Zimmertüren erscheinen um Flurecken, immer noch ein Stockwerk höher geht es beim Spaziergang durchs Hotel. Ein Hauch von Abenteuer liegt hier in der Luft, schon an der Rezeption fühlt man sich tierisch unterwegs.

Ein englisch sprechendes Paar bestehend aus einem blond gelockten WASP (White Anglo Sachsan Protestant) und einer Japanerin mit US-Pässen checkt gerade ein, schwarze, weiße, bunte Menschen kommen treppauf und treppab.

Die Gäste hier sind jung. Es ist keine Seltenheit, dass einem ein 20-Jähriger oben ohne und mit einem Handtuch in der Hand entgegenspringt, der gerade aus der Gemeinschaftsdusche in sein Zimmer eilt.

Auch die Geräusche, die aus dem Nebenzimmer dringen, lassen auf Jugend schließen. Laute (ebenfalls ganz nach New York klingende) Poilzeisirenen kommen wohl aus einer Actionserie im Fernsehen.

Ansonsten aber ist es sehr ruhig im getesteten Zimmer 310, das zum Hinterhof zeigt. Die Geräusche der Trambahn sind so weit weg, dass sie nurmehr ein angenehmes Großstadtfeeling vermitteln, aber nicht stören.

Das Wasserrauschen aus der Gemeinschaftsdusche lässt auch bald nach und dann ist Stille. Sicher sind all die jungen Gäste nun frisch gestylt ins Nachtleben verschwunden.

Viel Bewegung ist im Doppelbett nicht anzuraten. Auf der glatten Holzunterlage aus einer lackierten Spanplatte mit Luftlöchern rutschen die beiden Matrazen - übrigens mit Drahtspiralen - sehr schnell auseinander. Solange man aber ganz ruhig da liegt, kann man durchaus das Ambiente genießen.

Die Farben im Zimmer sind sehr schön: oben weiß, die untere Zimmerhälfte rot. Das Bad, das zum Doppelzimmer Nummer 310 gehört, ist sauber und neu. Tipp für Paare: Einzelzimmer verlangen! Zimmer 307 zum Beispiel hat eine wunderbar weiche 140 Zentimeter breite Doppelbettmatraze, die man für alle Doppelzimmer empfehlen möchte.

Eine gute Möglichkeit, die Zeit im Bett zu verkürzen, ist die Bar im Erdgeschoss, gleich neben der Rezeption. Hier bleiben keine Wünsche offen, es ist eine vollständige Kneipe mit allen nur denkbaren Drinks, auch Cocktails. Noch dazu gibt es sehr gutes und günstiges Essen: etwa das XXL-Schnitzel mit Pommes für 5,70 Euro, aber auch Pasta (um 5 Euro), Pizza (um 6 Euro), alle anderen Hauptgerichte unter zehn Euro. München und Bayern alle Ehre macht die ausgiebige "Bierkarte".

Inhaber des Easy Palace sind Tarik Aria und Thomas Deppe, die ein weiteres "Easy Palace" am Goetheplatz führen, das "Easy Palace City Hostel". Dieses ist noch mehr als das am Hauptbahnhof als Jugendhotel gedacht. Rucksacktouristen machen in beiden Hotels die Mehrheit aus.

Wobei solche nicht unbedingt jung sein müssen, wie ein etwa 60-jährigen Paar beweist, das morgens mit seinen Rucksäcken beim Frühstück erscheint. Das "Easy Palace" ist kein Hotel zum Einigeln im Zimmer, sondern ein Hotel zum Unterwegssein.

Eine Nacht, die ohnehin kurz sein wird, kann man hier getrost verbringen. Das jugendliche, abenteuerliche Flair genießen, die freundschaftlichen Angestellten, den lockeren Umgangston. Das "Easy Palace" ist übrigens ein Nichtraucher-hotel. Nur in der Eingangshalle und in der Bar darf geraucht werden.

Die "New Yorker" Einwandererstimmung erklärt sich übrigens so: Das Haus stammt aus dem Jahre 1915. Damals beherbergte es das bekannte Hotel "Großer Rosengarten", benannt nach dem nahen Rosengarten im Alten Botanischen Garten. Zwei schöne Gedenktafeln neben dem Eingang erinnern noch daran.

Und das Flair, das noch immer in diesem Hause schwebt, ebenfalls. Die Uhren, die in allen Fluren an Ketten schweben, sind auch aus dem Jahr 1915. Die Inhaber planen, sie demnächst wieder zum Laufen zu bringen. Das sei jedoch technisch gar nicht so einfach, verrät Aria.

Schon mehrere Spezialisten seinen deshalb konsultiert worden.Doch darauf kommt es auch gar nicht an. Sie sind auch so einfach schön und wichtig für die Aura an diesem fremden Ort mitten in München.

www.easypalace.de

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(sueddeutsche.de)