Hotel-Restaurant Neumayr Wo ist das Haar?

Professionalität und Kreativität - ohne modischen Firlefanz, doch ein bisschen arg bieder: Das Restaurant Nemayr überzeugt fast auf der ganzen Linie.

Von Gertrude Fein

Lob kann so langweilig sein wie eine Suppe ohne Salz, außer für den Gelobten natürlich. So schreibt und liest sich eine Kostprobe, in der ein Restaurant verrissen wird, sehr viel süffiger als eine durchgehend positive Besprechung. Aber meist findet sich auch in einer gut gewürzten Suppe ein Haar, so dass sich die Langeweile in Grenzen hält.

Die Hauptgerichte zeugen davon, dass in der Küche mit Professionalität und Kreativität gearbeitet wird, durchaus eigenwillig, aber ohne modischen Firlefanz.

(Foto: Foto: Stephan Rumpf)

Im Hotel-Restaurant Neumayr in Großhadern war es gar nicht so einfach, dieses Haar zu finden. Nun gut, die Einrichtung - Gemälde in schweren Goldrahmen, präparierte Wildtiere, Kachelofen - erinnert an ein Familienhotel der achtziger Jahre, gepflegt, aber ein bisschen arg bieder.

Daran scheinen die Gäste von Andreas Neumayr aber nichts Haariges zu finden. Sie schätzen offensichtlich dieses gediegene Ambiente. Sie wollen entspannen und nicht chillen, in Ruhe speisen und nicht mit frontcooking und dergleichen Heckmeck belästigt werden. Der freundliche Service sorgt dafür, dass jeder das Gefühl hat, ein geschätzter Stammkunde zu sein.

Nichts zu mäkeln

Wer das Restaurant Neumayr erst einmal beschnüffeln will, tut das am besten, indem er das Menü bestellt, in unserem Fall bestand es aus Leberspätzlesuppe, geschmortem Frischling mit Speckrosenkohl und geschmalzten Schupfnudeln, danach Waldheidelbeerenparfait (22,50 Euro), eine runde Sache, an der es nichts zu mäkeln gab und die Lust auf mehr Neumayrsche Küche machte.

Bei den Vorspeisen überzeugten die wirklich knusprig gerösteten Calamari (9,50) ebenso wie das fein abgeschmeckte Carpaccio vom Rind, das hier endlich einmal nicht so klapperkalt serviert wurde, wie es oft üblich ist (10,50). Der Wunsch, sich zu zweit die Terrine vom Perlhuhn mit Spargel und Orangenfilets zu teilen, wurde bereitwillig und ohne Aufpreis erfüllt (9,50). Sie schmeckte allerdings so köstlich, dass das Teilen eigentlich ein Fehler war.

Auch die Hauptgerichte zeugten davon, dass in der Küche mit Professionalität und Kreativität gearbeitet wird, durchaus eigenwillig, aber ohne modischen Firlefanz. Zwar tauchte auch hier im Frühling der allgegenwärtige Bärlauch auf, hielt sich aber im Risotto zu Langostinos und Jakobsmuscheln angenehm zurück (15,-). Mit Pilzen überbacken war das ausgezeichnete Cordon bleu. Wider Erwarten beeinträchtigte eine dünne Käsedecke auf den Pilzen keineswegs deren Geschmack (13,50). Ganz konservativ mit Apfel, Zwiebeln und Kartoffelpüree wurde die Kalbsleber "Berliner Art" zubereitet, keine Minute zu kurz oder zu lang gebraten (14,50).