Homosexualität bei der Polizei "Die Geheimniskrämerei fällt weg"
Anzeige
Bayer und Träumer wissen von Fällen, in denen schwule Kollegen Ausreden erfanden, warum ihre angebliche Freundin nicht mit auf die Weihnachtsfeier konnte. Sie kennen Kollegen, die zum Schutz der eigenen Fassade behaupteten, dass sie mit einer Frau in den Urlaub fahren. "Wenn ich einen Freund habe, dann finde ich es heute schön, dass ich mich ganz normal von ihm von der Arbeit abholen lassen kann. Die Geheimniskrämerei fällt weg", sagt Bayer.
Diese Botschaft, sagt Träumer, ist eines der Hauptanliegen des Vereins schwuler und lesbischer Polizisten. Viele Kollegen machten sich unnötig Sorgen vor einem Outing. "Wir wollen Kollegen vermitteln, dass sie nicht die einzigen sind, und wir wollen Ansprechpartner zum Erfahrungsaustausch sein." Innerhalb der Polizei geben die Mitglieder von Velspol Tipps im Umgang mit schwulen und lesbischen Bürgern.
"Kein Schwuler muss heute noch Angst vor Polizisten haben."
Oder sie helfen bei Ermittlungen in der Schwulenszene, wie erst vor Kurzem im Todesfall eines Rentners, dessen Leiche in Ismaning in der Nähe eines Parkplatzes gefunden wurde, der als Anbahnungsort für Homosexuelle gilt. "Und wir versuchen in der Szene selbst aufzuklären", sagt Bayer. So gibt es immer noch Schwule, die etwa in einem Szenetreff bestohlen werden und bei der Anzeige dann von einem ganz anderen Tatort sprechen - weil sie wegen ihrer Homosexualität Angst vor Repressalien durch die Polizei haben. "So kann man natürlich keine Fälle aufklären", sagt Bayer, "kein Schwuler muss heute noch Angst vor Polizisten haben."
Anzeige
Natürlich ist Velspol aber auch politisch aktiv: Als sich der Landesverband gründete, traten Träumer und Bayer zusammen mit den anderen Mitgliedern für eine Gleichstellung beim Besoldungsrecht von Beamten ein. Und inzwischen gibt es auch einen permanenten Ansprechpartner im Innenministerium für die Anliegen von Velspol - obwohl dies nicht ganz so einfach war. Nach der Gründung, erzählt Träumer, habe der Verein Flugblätter an alle damals elf Präsidien in Bayern geschickt. Nur in München und Schwaben-Südwest seien die Infozettel tatsächlich verteilt worden. "Wir mussten oft ein bisschen nachbohren, aber inzwischen gibt es da keine Probleme mehr."
Rückhalt ist wichtig für die Seele
Vor allem das Polizeipräsidium München und Präsident Wilhelm Schmidbauer, sagt Bayer, seien sehr offen für Velspol gewesen. Pressesprecher Wolfgang Wenger habe als erster einen Artikel über Velspol in die hauseigene Zeitschrift gehoben und sich immer beim Christopher-Street-Day in München blicken lassen. "Es ist völlig klar, dass wir keine Unterschiede machen, egal ob Kollegen schwul, lesbisch, blau- oder rotkariert sind", sagt Wenger.
Einzelne Kollegen machen aber offenbar doch noch Unterschiede. In Berlin, erzählt Träumer, gab es mal einen Velspol-Polizisten, dem seine Kollegen demonstrativ nicht zur Seite sprangen, als er einen Schläger überwältigte. "Schwule gelten eher als feminin, die Kollegen wollten mal sehen, ob er auch alleine seinen Mann stehen kann." So etwas, sagen Bayer und Träumer, seien aber die absoluten Ausnahmen im Dienst. "Natürlich gibt es ansonsten mal Sprüche, aber das muss man nicht gleich alles an die große Glocke hängen, wir wollen ja nicht übertreiben."
Nur eine Situation gab es, über die ist Bayer heute noch sauer. In der Umkleide hat ein unbekannter Kollege mal eine schwulenfeindliche Zeichnung auf eine Kiste von ihm gezeichnet. Bayer ist danach zu seinem Chef gegangen. Dessen Ansage war klar: "Wenn man den Verantwortlichen erwischt, fliegt er." Dieser Rückhalt, sagt Bayer, sei wichtig für die Seele. Und ein Zeichen an einzelne Kollegen, die vielleicht auch heute noch ein bisschen rückständig denken.