Hohes Defizit erwartet Uni-Kliniken müssen drastisch sparen

Die Uni-Kliniken in Großhadern und der Innenstadt machen wohl 6,5 Millionen Euro Defizit - jetzt stehen zehn Prozent der Stellen und viele Leistungen zur Disposition. Die Verantwortlichen sprechen allerdings nicht von einem Abbau, sondern von einer "Neustrukturierung".

Von Stephan Handel

Nach den Turbulenzen bei den städtischen Krankenhäusern gibt es jetzt auch schlechte Nachrichten für die Uni-Kliniken in Großhadern und der Innenstadt. Das Klinikum der LMU erwartet für das laufende Geschäftsjahr ein Defizit von rund 6,5 Millionen Euro.

Gründe dafür sind laut Klinikums-Vorstand unzureichende Steigerungen der Zuwendungen von Krankenkassen und öffentlicher Hand bei gleichzeitiger Erhöhung der Ausgaben unter anderem bei den Personalkosten. Im kommenden Jahr soll deshalb unter anderem durch Personalabbau und Umstrukturierungen reagiert werden.

So kann es nicht mehr weitergehen", sagt Burkhard Göke, der ärztliche Direktor des Klinikums: Der so genannte Landesbasisfallwert, Grundlage der Abrechnung zwischen Kassen und Kliniken, ist in diesem Jahr im Vergleich zu 2010 gerade mal um 0,03 Promille gestiegen - das bringt dem Universitätsklinikum lediglich Mehreinnahmen von 11.000 Euro, bei einem Gesamtumsatz in der medizinischen Versorgung von rund 400 Millionen Euro. Auf der Gegenseite aber stehen Mehrausgaben von fast 14 Millionen Euro - allein 1,2 Millionen durch gestiegene Energiepreise und mehr als sieben Millionen durch Tariferhöhungen für die etwa 10.000 Mitarbeiter. Und die Zuweisung des Freistaats zur Unterstützung von Forschung und Lehre wurde um mehr als zwei Millionen Euro gekürzt.

Diese Zuweisung, so macht Verwaltungsdirektor Gerd Koslowski deutlich, ist in den vergangenen zehn Jahren um fast sechs Prozent gesunken; die Zahlungen der Kassen stiegen im gleichen Zeitraum um nicht einmal zehn Prozent. Gleichzeitig haben sich die Gehälter etwa der Ärzte um 31,4 Prozent erhöht, die der anderen Bediensteten um 22,9 Prozent.

Noch im vergangenen Jahr hat das Klinikum einen Gewinn von drei Millionen Euro erwirtschaftet - das letzte Defizit liegt fast zehn Jahre zurück. Nun aber sehen Göke und Koslowski eine Tendenz, die ihnen Sorgen bereitet: "Wir haben keinen Spielraum mehr."

Im Januar soll mit den Verantwortlichen aller Bereiche, also vor allem mit den Chefärzten gesprochen werden, wo diese Einsparmöglichkeiten in ihrem jeweiligen Bereich sehen. Bereits jetzt werden die Mitarbeiter in Personalversammlungen über die Pläne informiert. Der geplante Personalabbau soll ohne Kündigungen geschafft werden, sagt Gerd Koslowski: "Wir haben eine Fluktuation von rund 1000 Mitarbeitern im Jahr. Wenn wir davon 10 bis 15 Prozent nicht mehr besetzen, hilft uns das schon weiter."

Daneben soll aber vor allem überprüft werden, welche Angebote nicht verpflichtend und überdies defizitär sind - solche sehen Koslowski und Göke vor allem bei den Ambulanzen. Der nächtliche Notdienst in der Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie wurde schon vor einiger Zeit abgeschafft, nun stehen auch andere Einrichtungen auf dem Prüfstand. So etwa die Ambulanz für Endokrinologie (Hormonmedizin).

Dort, so Göke, erhält das Klinikum pro Patient und Quartal 80 Euro. Die Kosten der Behandlungen jedoch gehen oft in die Tausende. "Da sind wir schon im Minus, wenn der Patient zur Tür reingeht."