Hörfunk Die Stadt hat einen neuen Radio-Streit

Über ein Radio-Moderatorenpad wird die Sendung gesteuert.

(Foto: lok)
  • Sechs Sender sollen sich die Münchner UKW-Radiofrequenz 92,4 teilen.
  • Zwei Kandidaten mehr als bisher haben sich um Sendezeiten beworben. Damit müsste das Programmschema neu gestaltet werden.
  • Nun meint aber jeder Lizenznehmer, nicht genug Sendezeit zu bekommen.
Von Stefan Fischer

Die Münchner UKW-Radiofrequenz 92,4 ist ein Gemischtwarenladen. Konservative, kirchliche Wellen senden dort neben linksalternativen Bürgerradios. Entsprechend sind die Weltanschauungen der Sender einander zum Teil diametral entgegengesetzt. Und doch sitzen sie gemeinsam an einem Tisch. Auf den hat die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) nun einen Kuchen gestellt. Sechs Sender sollen ihn sich teilen. Und alle haben das Gefühl, dabei nicht so richtig satt zu werden.

UKW-Frequenzen werden in der Regel für acht Jahre ausgeschrieben, die Neuvergabe der 92,4 Megahertz steht aktuell an. Die BLM will diese Gelegenheit offenbar nutzen, um dem Flickenteppich ein klareres Muster zu geben. Um Sendezeit auf der Frequenz haben sich die vier bisherigen Lizenznehmer beworben: die kirchlichen Wellen Radio Horeb und das Christliche Radio München einerseits sowie die Bürgerradios Lora und Radio Feierwerk andererseits. Dazu kommen zwei neue Kandidaten: das Münchner Kirchenradio und Radio München, ein weiteres Bürgerradio.

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Alles sechs sollen zum Zug kommen. Im Anschluss an eine Anhörung der Bewerber am 22. Februar hat die BLM den Entwurf eines Sendeplans vorgelegt und darin allen Sendezeit eingeräumt. Im Wesentlichen sieht er eine strikte Trennung der Frequenz in einen Block der religiösen Radios und in einen der sogenannten "community radios" vor. Ein Vorhaben, das im Prinzip alle Bewerber gutheißen.

Im Detail gibt es aber eine Menge Unzufriedenheit. Die Bewerber hatten in der vergangenen Woche Gelegenheit für Stellungnahmen - und alle haben davon Gebrauch gemacht, um sich noch einmal stark zu machen für ihre jeweilige Sache. Am Mittwoch wird der Hörfunkausschuss des BLM-Medienrats über den Sendeplan beraten. Über dessen Empfehlung wird der Medienrat am 30. März entscheiden. Der Entwurf sieht vor, dass die Kirchensender montags bis freitags von Mitternacht bis 14 Uhr senden, dann übernähmen die Bürgerradios. Die bekämen den Samstag komplett, der Sonntag gehörte dafür den Kirchenradios.

Für die Kirchenradios bedeutet das eine Einbuße, sie senden bislang werktags bis 17 Uhr. Das katholisch geprägte Radio Horeb beklagt deshalb eine "ungerechte Lastenverteilung", da die Zuwächse anderer Sender ganz überwiegend auf seine Kosten gingen, sagt Peter Sonneborn, der Geschäftsführer des Senders.

Am Mittag hört ein anderes Publikum Radio

Den Bürgerradios gehen diese Sendezeit-Beschneidungen der Religiösen indes nicht weit genug. Der vorliegende Vorschlag "entspricht unserer Ansicht nach kaum den Vorgaben des Medienrats der BLM nach einer Stärkung des Bürgerradios", kritisiert Dietmar Freitsmiedl von Radio Lora. Eva Schmidt, verantwortlich für Radio München, führt zwei weitere Punkte an: "Wir finden nicht, dass die Verteilung der Sendezeit einem Abbild der Stadtgesellschaft entspricht." Überdies mache Radio Horeb auf einer lokalen Frequenz täglich nur in vier seiner geplant zwölf Stunden ein regionales Programm.

Das liefert im Übrigen zum Teil das Münchner Kirchenradio (MKR) des Sankt Michaelsbunds der Erzdiözese München und Freising zu. Das MKR wird auf der 92,4 voraussichtlich keine eigene Sendezeit bekommen, sondern lediglich Beiträge produzieren, die Horeb dann in sein Programm integriert. Die wolle man aber als eigene Beiträge kenntlich machen, sagt Programmleiter Christian Moser.

Wenig würde sich für das evangelikale Christliche Radio München (CRM) ändern. Es behielte seine werktägliche Sendestunde, die würde jedoch von 16 Uhr auf 13 Uhr vorverlegt. Das bringe organisatorische Probleme mit sich, klagt Markus Kelm vom CRM: "Wir arbeiten teilweise mit ehrenamtlichen Mitarbeitern, die selten so früh Zeit haben." Überdies erreiche man mit Beginn des Feierabends ein anderes Publikum als in der Mittagszeit.

Alle fühlen sich wie Verlierer

Gravierender sind die geplanten Verschiebungen für Radio Feierwerk. Das verlöre den Sonntagabend, als Ersatz ist der Freitagabend vorgesehen. Den aber sieht Radio Lora als seine wichtigste Sendezeit an mit den meisten Stammhörern und möchte ihn deshalb nicht aufgeben - das Publikum aller Sender auf der Frequenz 92,4 beläuft sich auf einige Tausend Hörer am Tag. Auch verlöre Radio Feierwerk den Sendeplatz für seine Kinder- und Jugendsendung am Sonntagvormittag. "Das schmerzt noch mehr als der Verlust des Abends", sagt Programmleiterin Eveline Kubitz. Sie kritisiert auch, dass ihr Sender in Summe nicht mehr Zeit bekommen soll.

Radio München würde gerne zwei statt nur einer Stunde werktags senden. Und Radio Lora bekommt unterm Strich zwar fünf Stunden mehr Sendezeit - beworben hatte sich das Bürgerradio aber um 25 weitere Stunden pro Woche. Ihr Gefühl sei gewesen, sagt Eva Schmidt von Radio München, dass sich alle Sender nach der Anhörung wie Verlierer gefühlt hätten. Einen größeren Kuchen aber kann die BLM nicht backen. Der Tag hat auch im Radio nur 24 Stunden.

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