Hochschulrat der LMU Streit um Annette Schavan eskaliert

Der Unmut über die Berufung der ehemaligen Bundesbildungsministerin in den Hochschulrat der LMU wächst: Der Deutsche Hochschulverband hält Schavan für eine "überführte Plagiatorin" und ihre Berufung in den Hochschulrat der LMU für einen "Affront".

Von Sebastian Krass

Der Deutsche Hochschulverband hat die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) wegen der Einsetzung von Annette Schavan in den Hochschulrat scharf kritisiert. Dafür habe man "zum gegenwärtigen Zeitpunkt wenig Verständnis", erklärte ein Sprecher der bundesweiten Berufsvertretung von Universitätslehrern.

"Die Berufung von Frau Schavan in ein bedeutendes Leitungsamt einer Exzellenzuniversität widerspricht dem akademischen Comment und ist ein Affront gegenüber den Kollegen der Universität Düsseldorf. Führende Positionen in der Wissenschaft können nur diejenigen übernehmen, deren akademische Integrität außer Zweifel steht." Schavan hingegen habe derzeit "den Status einer durch die Universität Düsseldorf überführten Plagiatorin".

Nachdem diese Hochschule ihr im Februar den vor 33 Jahren erworbenen Doktortitel entzogen hatte, war die CDU-Politikerin Schavan von ihrem Amt als Bundesbildungsministerin zurückgetreten, sie wurde aber erneut in den Bundestag gewählt. Sie klagt vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf gegen den Entzug des Titels. Zu ihrer neuen Position an der LMU wollte sie sich bisher nicht äußern.

Ende September hatte der Senat der LMU Schavan auf Vorschlag des Uni-Präsidenten Bernd Huber einstimmig in den Hochschulrat berufen. Es ist laut LMU "das zentrale Aufsichts- und Entscheidungsgremium". Der Senat stellt die eine Hälfte der Mitglieder, die andere Hälfte sind Externe wie Schavan.

Huber lobte sie als "eine der erfahrensten Wissenschaftspolitikerinnen in Deutschland". Zum Entzug des Doktortitels wollte er sich nicht äußern, da es sich um ein "schwebendes Verfahren" handele. Eine Einschätzung, der der Deutsche Hochschulverband nun entschieden widerspricht. Denn ihm zufolge ist das Verfahren innerhalb des akademischen Betriebs abgeschlossen.

Von Schavan bis Koch-Mehrin

mehr... Bilder

Eigentümliches Signal an die Studenten

Auch in Teilen der LMU sorgt die Personalie für wachsenden Unmut. In seiner Fakultät seien kritische Stimmen "aufgekommen", sagt Hubertus Kohle, Dekan der Geschichts- und Kunstwissenschaften. Er hält die Berufung für "ein eigentümliches Signal gegenüber den Studenten", denen man sauberes wissenschaftliches Arbeiten vermitteln wolle. Wegen des Gerichtsverfahrens wolle er "nicht den Stab über Frau Schavan brechen. Aber wenn sie damit nicht durchkommt, müsste klar sein, dass sie nicht mehr dabei sein kann".

Hubertus Kohle will das Thema Schavan auch auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung seines Fachbereichs setzen. Zuvor hatte bereits Christoph Neumann, Vorstand des Instituts für den Nahen und Mittleren Osten, die Berufung als "völlig daneben" bezeichnet. Zwar sei Schavan "hoch fähig", aber wegen des im Raum stehenden Verdachts derzeit ungeeignet für den Hochschulrat.

Axel Schenzle, Dekan der Physik, sagt: "Es ist eine kitzlige Geschichte. Ich persönlich hätte mich zurückgehalten und das Ende des Prozesses abgewartet. Aber es war wohl Eile geboten, weil der Posten im Hochschulrat jetzt besetzt werden musste. Angeblich waren auch andere Hochschulen an Frau Schavan dran." Allerdings mahnt er auch all diejenigen in der LMU, die die Berufung Schavans kritisch sehen, zur Courage: "Dann sollen sich die Leute mal artikulieren."

LMU-Präsident Bernd Huber hatte die Personalie von Anfang an gegen Kritik verteidigt. Für eine Reaktion auf die aktuellen Vorwürfe des Hochschulverbandes war Huber am Mittwoch nicht zu erreichen, er befindet sich auf einer Dienstreise in Asien.