Hochschule für Politik in München Ungeliebtes Kind darf bleiben

An der Ludwigstraße sitzt die Hochschule für Politik. Hier studieren gut 600 Menschen, teils berufsbegleitend.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Lehrinhalte seien völlig veraltet: Eigentlich wollte die Ludwig-Maximilians-Universität mit der Hochschule für Politik (HfP) nichts mehr zu tun haben - nun lenkt sie offenbar ein. Denn: Der Landtag will die Mini-Hochschule aufwerten.

Von Sebastian Krass

Die Hochschule für Politik (HfP) wird auch nach ihrer bevorstehenden Reform unter dem Dach der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) angesiedelt sein. Dieser Trend zeichnet sich ab, nachdem Hochschulpolitiker aus dem Landtag in den vergangenen Tagen mit LMU-Präsident Bernd Huber und mit Wolfgang Herrmann, dem Präsidenten der Technischen Universität (TU), gesprochen haben.

"Es gibt klare Signale, dass die LMU sich auch künftig engagieren will. Wie die Kooperation aussehen könnte, wird gerade eruiert", bestätigt der Vorsitzende des Hochschulausschusses, Oliver Jörg (CSU). Michael Piazolo von den Freien Wählern und die Grüne Theresa Schopper teilen diese Einschätzung. Es ist eine bemerkenswerte Entwicklung, da Vertreter der sozialwissenschaftlichen Fakultät der LMU bisher die seit Jahrzehnten bestehende Zusammenarbeit mit der HfP beenden wollten.

Die HfP ist trotz ihres Namens aus rechtlicher Sicht keine eigenständige Hochschule. Ihren Lehrbetrieb organisiert sie zwar weitgehend selbst, allerdings ohne feste Professuren, sondern fast ausschließlich mit Lehrbeauftragten. Die Prüfungsbürokratie läuft über die LMU, die auch wichtige Posten in Gremien der HfP besetzt. In der sozialwissenschaftlichen Fakultät und insbesondere im dort angesiedelten Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft (GSI) hatte sich in den vergangenen Jahren eine gewaltige Unzufriedenheit über die Partner an der Ludwigstraße breitgemacht.

Die Lehrinhalte an der HfP seien völlig veraltet, hieß es. Zudem gab es persönliche Verwerfungen zwischen beiden Einrichtungen. "Es kann nicht sein, dass wir in Haftung genommen werden für Prüfungen an der HfP ", sagte GSI-Direktor Edgar Grande vergangenen Sommer vor dem Landtags-Unterausschuss zur Zukunft der HfP. Alles in allem sehe er "keinen Ansatz für eine Kooperation".

Eine Art "Demokratieschule"

Die HfP wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf Betreiben der Amerikaner als eine Art "Demokratieschule" gegründet. Sie wird nicht vom Wissenschaftsministerium, sondern aus Mitteln des Landtags finanziert; Parlamentspräsidentin Barbara Stamm (CSU) nennt sie "ein Kind des Landtags". Die Politiker verurteilten das Vorgehen der LMU zwar fraktionsübergreifend, nahmen den Konflikt aber zum Anlass, jenen Unterausschuss einzuberufen, der eine Reform der HfP erarbeiten soll. Er ist nun auf der Zielgeraden seiner Arbeit, Ende Februar will er dem Hochschulausschuss die Ergebnisse präsentieren.

Offenbar haben die Abgeordneten LMU-Präsident Huber mit ihren Reformideen schon überzeugt. "Es galt klarzumachen, dass die Zusammenarbeit mit der HfP für beide Seiten einen Gewinn bringen kann", sagt Piazolo. "Wir wollen die Braut so hübsch machen, dass es möglichst viele Verehrer gibt." Allerdings halten die Abgeordneten die LMU wegen ihres ausgeprägten geisteswissenschaftlichen Profils für den besseren Partner als die TU.

Kern des Reformkonzepts ist es, dass die HfP feste Professuren bekommen soll, die Rede ist von drei bis vier. Die Abgeordneten halten sich mit Forderungen bisher zurück. Sie wollen die bevorstehenden Verhandlungen mit Finanzminister Markus Söder (CSU) nicht belasten. Aber der Tenor ist klar: Der Landtag wolle, dass "seine Hochschule" in der Wissenschaft wieder ernst genommen wird, deshalb bedürfe es "klarer Zeichen" in Form fester Professuren.