Das "Bargeld in 20 Minuten? Kein Problem!" So wirbt ein Leihhaus in München - im letzten halben Jahr hat sich die Nachfrage nach diesem Angebot deutlich erhöht. Und wer keinen Schmuck zuhause hat, pfändet sein Auto.
(SZ vom 22. Mai 2003) Ein 20 Prozent höheres Gesamtdarlehen haben viele Münchner Leihhäuser nach eigener Schätzung vergeben. Das liegt, neben dem gestiegenen Goldpreis, auch an der höheren Zahl der Kunden. Und die tragen hauptsächlich wertvolles Geschmeide in die Leihhäuser.
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"Der Trend geht deutlich zu Schmuck", sagt Stephan Hengl vom Leihhaus am Goetheplatz; Schmuck ist leicht zu transportieren und bringt relativ viel Geld. Manches Familienerbstück sieht Hengl in diesen schlechten Zeiten auf seinem Tresen; er zahlt dafür "Darlehen von 20 bis 20.000 Euro".
Für einen Kredit nehmen Münchner Leihhäuser üblicherweise vier Prozent pro Monat, die sich aus einem Prozent Zinsen und drei Prozent Kosten wie Versicherung und Lagerung zusammensetzen. Auch Elektrogeräte nimmt Hengl an - Videokameras, DVD-Player -, in jüngster Zeit aber deutlich weniger, "weil der Preisverfall heutzutage sehr hoch ist". Während ein Fotoapparat früher zehn Jahre lang wertvoll blieb, sind die neuen Digitalkameras oft schon nach einem halben Jahr überholt. Kleidung nähmen die Leihhäuser gar nicht an.
Hoffnung liegt auf kurzfristigem Kredit
Neben dem Trend zum Leihhaus gibt es aber auch einem Trend im Leihhaus: Immer mehr Menschen, sagt Stephan Hengl, lösten ihre Sachen nach der Viermonatsfrist wieder aus oder verlängerten die Pfandfrist; immer weniger also lassen ihre Gegenstände tatsächlich versteigern oder im Laden verkaufen. Viele hofften wohl, mit einem kurzfristigen Kredit wieder auf die Beine zu kommen.
Auch im "Augusten-Leihhaus" am Altheimer Eck freut man sich im letzten halben Jahr über 15 bis 20 Prozent höhere Kredite. Geschäftsführer Bernhard Schmalzl hat sich auf Schmuck spezialisiert, auch wertvolle Musikinstrumente werden gern genommen. Viele reagierten aber enttäuscht auf seine Angebote: "Ich biete jemanden 500 Euro für eine Kette, er ist aber einem Betrüger aufgesessen und hat 5000 bezahlt."
Um "mindestens 20 bis 30 Prozent" sei das Geschäft des "Pfandleihhauses für Kraftfahrzeuge" von Günter Urban gestiegen. Hauptsächlich Pkw nimmt er an, aber auch Baumaschinen, Wohnwagen, Oldtimer. Das Geschäft brummt. "Wenn die Bank keinen Kredit mehr gibt", sagt Urban, "kommen die Leute zu uns."
Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld
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