Hochhaus-Bürgerbegehren 100 Meter und nicht höher

München hat entschieden: In der Landeshauptstadt dürfen künftig keine über 100 Meter hohen Gebäude mehr gebaut werden. Im Streit um zwei aktuelle Hochhaus-Projekte gab es eine knappe Mehrheit für die Initiative von Alt-Oberbürgermeister Georg Kronawitter.

Wie die Stadtverwaltung am Abend mitteilte, gab es in dem Bürgerentscheid eine knappe Mehrheit von 50,8 Prozent zugunsten der Initiative von Georg Kronawitter.

Damit fügte der Alt-Oberbürgermeiter seinem Parteifreund, dem aktuellen Stadtoberhaupt Christian Ude, eine Niederlage zu. Ude und alle im Stadtrat vertretenen Parteien hatten sich in einem Beschluss gegen das Hochhausbegehren ausgesprochen. Von den knapp 920 000 wahlberechtigten Münchnern beteiligten sich 21,9 Prozent an der Abstimmung.

Kronawitter begründete seine Initiative mit dem Erhalt des Münchener Stadtbildes. Die berühmten Frauentürme der Münchner Marienkirche stellen künftig die maximale Bauhöhe für Gebäude dar.

Damit sind zwei vom Stadtrat bereits genehmigte Projekte wohl hinfällig. Dabei ging es um zwei geplante 148 Meter hohe Bürotürme auf dem Siemens-Gelände im Süden der Stadt und ein 146 Meter hohes Gebäude des Süddeutschen Verlags im Osten.

Ude gegen Kronawitter

Der Stadtrat war der Ansicht, dass ab dem Mittleren Ring große Hochhäuser gebaut werden dürfen. Der historische Stadtkern Münchens und die Stadtsilhouette sollten auch nach Ansicht der gewählten Bürgervertreter tabu bleiben. In München gibt es zudem bereits einige Gebäude, die über der künftigen Höhengrenze liegen. Das 114 Meter hohe so genannte Hypo-Hochhaus wurde sogar in der Amtszeit von Kronawitter errichtet.

Mit dem Bau neuer Hochhäuser war ein Streit um die Zukunft der Münchner Stadtsilhouette entbrannt, in dessen Zentrum sich Alt-OB Georg Kronawitter und OB Christian Ude scheinbar unversöhnlich gegenüber standen. Die Wähler waren aufgefordert, eine Entscheidung zu treffen.

Bei dem Bürgerentscheid sollten die Wähler über die zwei aktuellen Hochhaus-Projekte (Siemens-Stadtteil und SV-Zentrale) abstimmen sowie die Grundsatzfrage, ob künftig auch außerhalb des Mittleren Rings keine Gebäude mehr über 100 Meter gebaut werden dürfen.

Während Kronawitter die "Verschandelung des Stadtbildes" beklagt, sah Ude in dem Anliegen der Hochhausgegner ein "falsches Signal für den Wirtschaftsstandort München".

Die "Initiative-Unser-München" hatte das Bürgerbegehren durchgesetzt, um eine "Zerstörung der Stadtgestalt" zu verhindern. Die Münchner SPD hingegen hatte sich gegen eine solche Verordnung ausgesprochen und forderte die Münchner zu einem "Nein" bei der Abstimmung auf.