Hightech-Werkstatt FabLab in Neuhausen Tüftler unter sich

Hier rattern die 3-D-Drucker und summen die Lasercutter: Das Münchner FabLab ist eine Hightech-Werkstatt der ganz besonderen Art. Hier können auch Laien mit futuristischen Geräten hantieren - und Dinge herstellen, die einzigartig sind.

Von Beate Wild

Eine Maschine, die aus flüssigem Kunstharz die weltberühmte Statue der Venus von Milo nachbaut? Die in der Lage ist, aufgrund eines elektronischen Datensatzes eine dreidimensionale Figur nach vorgegebenen Maßen und Formen zu produzieren? Klingt nach Weltraumtechnik oder futuristischen Gedankenspielen? Mitnichten.

Im Münchner FabLab in Neuhausen entstehen Sachen, die absolut einzigartig sind. FabLab steht für "fabrication laboratory", zu deutsch "Herstellungslabor". Technisch Interessierte basteln in der Hightech-Werkstatt Gegenstände mit Profigeräten wie einem 3-D-Drucker, 3-D-Scanner und Lasercutter. Es entstehen kleine Büsten, winzige Maschinen, kreative Prints.

"Freilich ist bei uns der Nerd-Anteil sehr hoch", sagt Mario Klingemann lachend. Er hat zusammen mit Birgit Kahler das FabLab in München ins Leben gerufen hat. Mit "Nerd-Anteil" meint der 42-Jährige, dass 95 Prozent derer, die in der Werkstatt Sachen fertigen, Männer sind. Die meisten zwischen 25 und 60 Jahre alt. Und an Technik und Computern interessiert. Auch er selbst hat einen "Programmierhintergrund".

"Aber auch Designstudentinnen und Modeschülerinnen kommen ab und zu vorbei, wenn sie etwas Bestimmtes entwerfen müssen und ein 3-D-Gerät brauchen", ergänzt Kahler. Die 38-Jährige ist mindestens genauso engagiert wie ihre männlichen Kollegen - wenn nicht sogar mehr. Sie gibt Kurse für Kinder - sowohl im FabLab als auch in verschiedenen Münchner Schulen. "Die Mädchen stellen sich oft besser an als die Jungs", betont sie.

Jeden Montagabend um 20 Uhr ist im FabLab Basteltreff. Dann kommen alle Tüftler zusammen und arbeiten friedlich nebeneinander her. Dann rattern die Drucker und summen die Lasercutter. "Manche wollen etwas reparieren und machen sich ihre Ersatzteile selber", sagt Klingemann. Wenn etwa von einer Maschine die passenden Tasten fehlen, kann man sich diese im FabLab mit Hilfe der Hightech-Maschinen selber produzieren.

Manche fräsen aber auch eine kleine Büste nach der Fotovorlage ihrer Freundin. Genauso werden Teleskope, kleine Roboter oder Druckvorlagen im Keller der Elvirastraße 11 gebaut. Am beliebtesten scheint der Laser zu sein. Er kann Holz, Plastik, Papier und Pappe bearbeiten. Wer zum ersten Mal mit der Wundermaschine arbeitet, bekommt vorher eine genaue Einführung.

Im FabLab gibt es sogar 3-D-Drucker, die von den Tüftlern selbst gebaut sind. Die Idee dahinter ist, dass sich die Maschinen quasi selbst replizieren können. "Das geht auf die Open-Source-Bewegung zurück", erklärt Klingemann, "da haben Leute die Anleitung zum Bau im Internet geshared." "Geshared" bedeutet "geteilt", im Technikbereich wimmelt es nur so vor englischen Wörtern.

Im Labor haben erstmals auch Laien die Chance, mit solchen Hightech-Geräten zu arbeiten. Normalerweise findet man derartige Maschinen nur in Universitäten und großen Firmen. "Wir wollen mit dem FabLab und den Workshops unser Wissen verfügbar machen", sagt Kahler. Ziel sei es, ein neues Bewusstsein für Technik zu schaffen. Seit einem Jahr gibt es die Münchner Werkstatt. Seither konnten die Initiatoren einen großen Zulauf verzeichnen. "Der Trend geht zum Selbermachen von Gebrauchsgegenständen und weg von der Wegwerfgesellschaft", sagen die beiden.

Das FabLab ist ein gemeinnütziger Verein, der sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert. Neulich hat die Firma SAP erst 13.000 Euro für das Kinder-Projekt gespendet. Auch andere Unternehmen schießen hin und wieder Geld zu. Mitglieder zahlen einen Monatsbeitrag von 28 Euro und können nach einer Einweisung die Maschinen der Werkstatt frei nutzen. Nichtmitglieder sind aber auch herzlich willkommen. Für eine Stunde mit dem Laser zahlen sie einmalig 35 Euro.

Aber im FabLab werden auch aus alten Gegenständen neue geschaffen. Etwa die alte Schreibmaschine, die Bilder von Che Guevara drucken kann. "Eine Spielerei", sagt Klingemann, der sie programmiert hat. Eine Spielerei zwar, doch eine die zeigt, was man mit technischem Wissen und der Lust auf Basteln alles machen kann.

Wer das FabLab kennenlernen will, hat beispielsweise beim "Elektronik-Schlachtfest", das am 3. Juni stattfindet, die Gelegenheit dazu. "Dieser Trend kommt aus den USA", erklärt Klingemann. "Wir laden nach dem Vorbild der 'Maker-Festivals' alle ein, ihre kaputten Elektro-Geräte zu uns zu bringen." Aus den Schrottteilen sucht man sich dann noch funktionierende Einzelteile heraus, was salopp als "schlachten" bezeichnet wird. Und aus den alten Dingen, die anderswo schon längst auf dem Müll liegen, entsteht vielleicht bald schon etwas wunderbares Neues. Vielleicht eine alte Maschine, die das Bild eines Revolutionsführeres ausspucken kann.

Mehr Informationen: www.fablab-muenchen.de