Heimtiermesse Was das moderne Haustier heutzutage braucht

Angesichts der vielen menschlichen Beine hat es ein Mops schwer, die Übersicht zu behalten.

(Foto: Johannes Simon)

Von der Ultraschall-Zahnbürste über Hundekunst bis zum Körbchen mit Strahlenschutz gibt es auf der Heimtiermesse nichts, was es nicht gibt. Allerdings müssen Hund und Herrchen auch mit einer Enttäuschung fertigwerden.

Von Wolfgang Görl

Gut möglich, dass die Hundedichte im Englischen Garten an diesem Sonntagnachmittag geringer ist als üblich. Warum das? Nun, weil ein Großteil der Münchner Hunde die Heimtiermesse im MTC an der Ingolstädter Straße besucht, selbstverständlich in Begleitung von Herrchen und Frauchen, die allerdings machtlos sind im Bestreben, größere Rudelbildungen und Schnüffelorgien ihrer Lieblinge zu verhindern. Und dann gibt es ja noch diverse Showeinlagen, die Herr und Hund gleichermaßen interessieren: Dog-Dancing zum Beispiel, ein Tanzwettbewerb, bei dem Mensch und Tier vor den Augen einer gestrengen Jury Kostproben musikalischen Einfühlungsvermögens und körperlicher Grazie demonstrieren.

Im Augenblick fegen Katharina und Roswitha mit ihrem Yorkshire Terrier "Molly" und dem Dobermann-Mischling "Ben" zur Musik von "Die Schöne und das Biest" übers Parkett. Zu sehen sind Pirouetten, Sprünge und die ausgetüftelte Choreografie von Menschen- und Hundebeinen, auch eine beleuchtete Kunstblume apportiert der große Ben, gegen den die zierliche Molly wie ein seltsam gewachsener Ratz wirkt, aufs Anmutigste. Großer Applaus nach der tollen Finalpose des Quartetts. Ob es für den Sieg reicht, entscheiden am Ende die drei Jurorinnen, die unter anderem Teamwork, Dynamik, Konzept, Ausführung und Schwierigkeitsgrad zu bewerten haben.

Auf der Messe gibt es unter anderem Hundekörbe, die mit einer Schutzschicht gegen elektromagnetische Strahlung ausgestattet sind.

(Foto: Johannes Simon)

Als Laie steht man dem Hundetanz eher hilfslos gegenüber. Mag sein, dass die Molly-Truppe künstlerisch Wertvolles geboten hat, lustiger aber war das Quartett, das vor Molly und Ben dran war. Einer der beiden Hunde, ein Collie, bereicherte seine Tanzschritte mit unentwegtem Gebell von einer Lautstärke, welche die Ballettmusik bei Weitem übertönte. Wäre man Juror, lautete die Bewertung: Wau!

Diese Heimtiermesse, das ist nicht zu übersehen, konzentriert sich auf Hund und Katz, die zwei Papageien "Saphira" und "Zazou", die hier ihre eigene Flugshow haben, wirken da wie Exoten. Auffallend ist auch: Die Hunde sind vorwiegend als Besucher da, die Katzen hingegen als Exponate. Es gibt eine exquisite Rassekatzen-Ausstellung, in der hochadelige Miezen mit Namen wie "Hakon Siberian Sapphire" oder "Ujanna-Alessa vom Goldenen Rosentor" zu bewundern sind. Etwas irritierend ist die Aufschrift über einem der Käfige: "Wundervolle Jungkastraten abzugeben." Noch mal zur Klarstellung: Es geht hier um Katzen, oder besser gesagt, um Kater, nicht um die Wachmannschaft für den Harem des Sultans.

Zurück zu den Hunden, die hier eindeutig den Ton angeben. Am Stand der Firma Emmi Ultrasonic bietet Birgit Wonerow Ultraschall-Zahnbürsten für Hunde an, die sanft und geräuschlos Zahnstein, Fressreste und Maulgeruch beseitigen und dem Hund den unerfreulichen Besuch beim Tierarzt ersparen. Heutzutage unabdingbar sind auch die schicken Hundekörbe der Firma Steve Dogs, die mit einer Schutzschicht gegen elektromagnetische Strahlung ausgestattet sind.

Es gibt auch eine Enttäuschung

Die Tierbestattung "Rosengarten" wiederum bietet ihre Dienste für Trauerfälle an, und in diesem Zusammenhang sind vielleicht die Talente der Münchner Künstlerin Andrea Maurus von Interesse. Bei ihr kann der Tierfreund seinen Liebling verewigen, und zwar als Kunstwerk aus Papiermaschee. Ein Foto genügt, und Maurus porträtiert Hund, Katz und Huhn als Skulptur oder Relief, handgearbeitet und handbemalt.

Eine Enttäuschung gibt es freilich dann auch auf der Heimtiermesse - und man weiß nicht, ob Mensch oder Tier in diesem Moment heftiger mit dem Schicksal hadern. Das groß angekündigte Casting für Filmhunde fällt flach. Filmtiertrainerin Aurelia Franke-Hornung ist erkrankt, und auf die Schnelle war kein Ersatz zu finden. Schlimm, denn gewiss sind viele Hunde nur gekommen, weil sie von einer Hollywood-Karriere träumten. Ein strahlenfreier Korb ist da nur ein schwacher Trost.

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