Heimeranplatz Syrer beschützte junge Münchnerin vor Sexualtäter

Die Polizei zeichnet den 24-Jährigen jetzt für seine "heldenhafte" Tat aus.

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  • Im April vergangenen Jahres verhinderte Sleman Mohammed ein Gewaltverbrechen. Er griff ein, als eine damals 23-jährige Münchnerin auf einem Bahnsteig massiv angegangen wurde.
  • Die Polizei zeichnet den 24-Jährigen jetzt für seine "heldenhafte" Tat aus.
Von Thomas Anlauf

Sleman Mohammed ist ein friedlicher und freundlicher Mensch. Er arbeitet in einem kleinen Dönerladen in München, in der Freizeit spielt er mit Freunden Fußball. Am Dienstag sitzt der 24-jährige Syrer in einem Trikot des FC Bayern im Polizeipräsidium an der Ettstraße und lächelt.

Das, was Sleman Mohammed getan hat, nennt die Polizei "heldenhaft": Der junge Mann, der vor knapp dreieinhalb Jahren mit seiner Frau vor Gewalt und Krieg aus Nordsyrien floh, hat ein Gewaltverbrechen verhindert - in München.

Es ist spät am Abend des 30. April vergangenen Jahres, als eine damals 23-jährige Münchnerin mit der U 5 in Richtung Heimeranplatz fährt. Sie will nach Hause, doch schon in der fast leeren U-Bahn fällt ihr ein fremder Mann auf, der ihr am Heimeranplatz hoch zur S-Bahnhaltestelle folgt. Nur eine ältere Frau und Sleman Mohammed, der mit der gleichen U-Bahn gekommen ist, befinden sich um kurz vor Mitternacht ebenfalls auf dem Bahnsteig.

Mohammed spielt auf seinem Handy, da setzt sich die junge Frau kurz zwischen ihn und die ältere Dame, steht aber bald wieder auf. Als kurze Zeit später Mohammed Hilferufe hört, entdeckt er die 24-Jährige, die von einem 35-jährigen Mann aus Syrien massiv bedrängt wird.

Der Syrer drückt sie mit Gewalt gegen ein Treppengeländer, begrapscht sie, obwohl sich die junge Frau mit Händen und Füßen wehrt. Sleman Mohammed geht dazwischen, fragt, was los ist. Doch sein Landsmann faucht ihn nur auf Arabisch an. "Ich soll abhauen, hat er gesagt", das sei seine Freundin, erzählt Mohammed. Doch der junge Familienvater, der eine eineinhalbjährige Tochter hat, lässt nicht locker. Ob das stimme, fragt er die Frau.

Sie kenne den Mann nicht, entgegnet sie. Daraufhin greift Mohammed ein, reißt den Angreifer von der 24-Jährigen fort und stellt sich schützend vor sie. Sie solle die Polizei rufen, rät er ihr. Immer noch versucht der Sexualtäter, an die Frau heranzukommen, doch Mohammed ist ein kräftiger sportlicher Mann. Schließlich flüchtet der Täter. Mohammed bleibt beschützend bei der Frau, die ohne sein Einschreiten womöglich vergewaltigt worden wäre, und begleitet sie bis vor die Haustür.

20 Minuten lang verfolgte der 35-jährige Syrer die junge Frau

Am nächsten Tag geht die Münchnerin zur Polizei und erstattet Anzeige gegen den bis dahin unbekannten Angreifer. Die Videoauswertungen vom Bahnhof sind eindeutig. 20 Minuten lang verfolgte der 35-jährige Syrer die junge Frau auf dem Bahnsteig, immer wieder sagte er, dass er sie küssen wolle und dass sie hübsch sei. Auf ihre ablehnende Haltung reagierte er laut Video nicht, im Gegenteil, er wurde immer zudringlicher und schließlich gewalttätig - bis Sleman Mohammed einschritt.

Der Täter wurde wenige Tage später gefasst. Er lebt seit Oktober 2015 in Deutschland, wohnte ganz in der Nähe des Tatorts. Das Amtsgericht verurteilte den 35-Jährigen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten ohne Bewährung. Er war bereits eine Woche zuvor wegen sexueller Nötigung aufgefallen.

Sleman Mohammed erhielt am Dienstag eine Belobigung des Polizeipräsidiums für seinen mutigen Einsatz. Als er eine Medaille, einen Kugelschreiber und 200 Euro entgegennahm, lächelte er fast dankbar wie über ein Geschenk.

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