Die Düsseldorfer Fotografin Anne-Marie von Sarosdy fotografiert seit 20 Jahren Titelbilder für Bastei Heimatromane. Was andere als den reinen Kitsch bezeichnen würden, ist für sie zeitgenössische Kunst. Ihre Fotografien sind nun in München zu sehen.
Sanft lächelte Anne-Marie von Sarosdy - war sie endlich am Ziel ihrer Träume angekommen? War die lange Zeit des Wartens vorbei?
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Dankbar ruhte ihr Blick auf der schlanken Gestalt des Galeristen Hubertus Reygers, der ihr diese Ausstellung ermöglicht hatte, und ihre Gedanken schweiften zurück in die Zeit vor einigen wenigen Wochen:
Als sie mit Hubertus, dem alten Freund, zusammensaß in seiner Galerie hoch über Bogenhausen; als dieser die Idee formuliert hatte, doch eine Ausstellung zu gestalten mit ihren Bildern für den Bastei-Verlag, schöne Menschen in herrlichen Landschaften, die millionenfach gedruckt worden waren auf den Titelblättern von Romanen wie "Alle hielten sie für treu", "Wenn im Sommer die Liebe erblüht" oder "Sag ja zum Leben, schöne Elisabeth".
Sie hatte Hubertus' Idee zunächst als Unsinn verworfen - wer sollte sich diese Bilder ansehen, auf denen allzu deutlich das Etikett "Kitsch" klebte? Doch nun, da der "Unsinn" Wirklichkeit geworden war, nun durchzuckte Anne-Marie ein Gefühl von Stolz: Sie hatte es geschafft, wegen ihr waren all diese Menschen zur Vernissage gekommen.
Hubertus Reygers winkte die Künstlerin zu sich heran. Zu ihrer großen Freude teilte er ihr mit, dass das erste Bild schon verkauft sei, jenes mit dem wunderschönen ungarischen Modell Melinda Tuu als lasziv-erotische Milchmagd.
Melinda hatte den Weg aus ihrer Heimat nach München zur Ausstellungseröffnung gefunden und unterhielt sich mit Michael Stiegler, dessen Bild als muskelbepackter Holzfäller vor allem bei den anwesenden Damen für gerötete Wangen und verschämte Atemnot gesorgt hatte.
Ein Gast nach dem anderen machte der Fotografin seine Aufwartung, und sie hörte Komplimente für die wunderschönen Bilder. Sollte sie das alles nur genießen? Schwer meldete sich die Stimme des Gewissens, der Ruf der Pflicht, nun doch wieder an die Arbeit zu denken. Ach was, sagte Anne-Marie zu sich selbst. Morgen ist auch noch ein Tag.
Galerie Reygers, Widenmayerstr. 49, 80538 München, Tel. 220370. Montags bis Donnerstags von 15.30 - 19.00 Uhr sowie nach Vereinbarung.
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