Ivan wuchs in Stäfa auf, zwei S-Bahn-Stationen südlich von Uetikon. Unten am Seeufer liegen ein kleiner Yachthafen und eine Werft für Sportboote. Dahinter wechseln sich Villen und quaderförmigen Designer-Appartments ab, die zur Hälfte aus Glas bestehen.

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Ivans Mutter wohnt weiter oben mit seinem Bruder Mirko in der Nähe des Bahnhofs: eine gediegene Siedlung aus vierstöckigen Mietshäusern, wie es sie in deutschen Großstädten zu Hunderten gibt. 25 Minuten braucht man von hier nach Zürich. Die S-Bahnen fahren im 30-Minuten-Takt bis spät in die Nacht. Die umliegenden Dörfer sind mit einem effizienten Bussystem miteinander verbunden. Im Münchner Umland ist man abgeschnittener als hier.

"Der Rest sind Scheißtypen"

"Es gibt auch höfliche Jugendliche", sagt Busfahrer Erich Stein. "Aber das sind vielleicht 30 Prozent. Der Rest sind Scheißtypen." Sein Kollege Werner Schnorf nickt. Erst letztens sei er von einem Jugendlichen bedroht worden, weil der sich weigerte, den Nachtzuschlag zu bezahlen. "Das sind fast immer Ausländer", sagt er. "Die wollen sich einfach nicht integrieren. Deswegen muss endlich Schluss sein mit dieser Kuscheljustiz. Ihr in Deutschland macht das richtig. Zehn Jahre sollen die drei bekommen."

Sein Kollege Erich Stein sagt, sie hätten "früher auch Bier gesoffen, bis es uns bei den Ohren rauskam. Aber heute kiffen sie auch noch und ich glaube, diese Mischung macht die Aggressivität."

Zwei der "Schläger von München" sind gebürtige Schweizer, Ivan hat einen slowenischen Pass. 1,0 Promille hatten Mike, Benji und Ivan im Blut, als sie auf ihre Opfer einschlugen, außerdem hatten sie einen Joint geraucht. Mit einem solchen Wert ist man enthemmt, von Unzurechnungsfähigkeit aber weit entfernt.

Man kann die Frage stellen, ob der Luxus der Goldküste Frustration entstehen lässt. Ob diese satte Schönheit Langeweile erzeugt, die zusammen mit Enge eine explosive Mischung ergibt. Doch selbst, wenn man Antworten auf diese Fragen fände: Sie werden die Tat von München nicht erklären.

Dieser Artikel ist auf jetzt.de erschienen. Neuerdings geben die jetzt.de-Autoren auch Tipps zum Ausgehen in München. Und zwar hier: bessermuenchen.de.

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(SZ vom 14.07.2009/sonn)